Sonntag, 29. Mai. 2011

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Liebes Tagebuch,

manchmal beginnt ein Neuanfang nicht damit, etwas völlig Neues zu entdecken – sondern damit, Altbekanntes mit anderen Augen zu sehen.

Ich habe beschlossen, dieser Rückkehr eine Chance zu geben. Vielleicht wird jetzt wirklich alles besser, vielleicht können Mama und ich endlich wieder zusammenleben, ohne dass eine Gewitterwolke oder ein innerer Regen uns dazwischenkommt. Ich wünsche es mir so sehr.

Heute Morgen, kaum dass ich mit dem Frühstück fertig war, stand Sophie schon vor der Tür. Alles ging irgendwie viel zu schnell. Warum so plötzlich?

Am schwersten fiel mir, dass Eleni immer noch nicht mit mir gesprochen hatte. Wir trennten uns im Streit – und das fühlt sich falsch an, Tagebuch. Ich finde, man sollte sich immer im Guten verabschieden, weil man nie weiß, ob man sich noch einmal wiedersieht. Aber ich verstehe sie. Es hat sie sicher viel Mut gekostet, mir von ihrer Vergangenheit zu erzählen – und dann war plötzlich jemand dabei, der es nicht hätte hören sollen. Das war nicht fair, und ich kann nachvollziehen, dass sie sich verraten fühlt.

Als wir bei Mama ankamen, öffnete sie mit einem strahlenden Lächeln die Tür. So glücklich habe ich sie schon lange nicht mehr gesehen. Sie erzählte mir, dass sie mein Zimmer umgestaltet hat. „Ein bisschen neue Farbe im Leben tut dir sicher gut", sagte sie.

Meine alten rosa Wände waren jetzt in einem warmen, sonnigen Gelb gestrichen – als hätte jemand ein Stück Licht in den Raum getragen. Auch ein paar neue Möbel standen da. Ein neues Bett. Neue Vorhänge. Mama hatte sich wirklich Mühe gegeben, es schön für mich zu machen. Und das, Tagebuch, hat mir viel bedeutet.

Während ich meine Sachen einräumte, unterhielt sich Sophie noch eine Weile mit Mama. Ich hörte nicht genau hin. Ich war zu sehr mit meinen Gedanken beschäftigt. Ich freue mich, hier zu sein – wirklich. Aber gleichzeitig vermisse ich die anderen jetzt schon. Nala, Liv, Linus. Und natürlich Eleni. Es tut weh, dass wir uns so voneinander entfernt haben. Und auch wenn Mama gerade so stark wirkt – die Angst bleibt. Was ist, wenn alles wieder von vorn beginnt?

Am Abend habe ich lange mit Mama geredet. Über Eleni, darüber, dass sie nur mir vertraut, dass ich die Einzige bin, mit der sie spricht. Und dass ich sie vor ihrem Vater beschützt habe. Von dem Streit mit Luana habe ich nichts erzählt. Es fühlt sich nicht richtig an, das jetzt aufzuwärmen.

Mama fragte mich, ob ich morgen Mukine besuchen möchte. Ich habe sofort genickt. Es ist wirklich lange her, dass wir sie gesehen haben. Vielleicht fühlt sich dann ein Teil von früher wieder ein bisschen vertraut an.

Vielleicht, liebes Tagebuch, habe ich die Hoffnung zu früh aufgegeben. Vielleicht wird wirklich alles wieder gut.
Ich wünsche es mir von ganzem Herzen.

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