Liebes Tagebuch,
heute früh, gleich in der ersten Stunde, kam Nala zu mir und bat mich, mit ihr mitzukommen. Ich wusste nicht genau, warum – aber sie sagte nur, dass Frau Schröder noch einmal mit uns sprechen wolle. Und sie hoffte, dass deren Laune heute besser sei als gestern.
Wir machten uns also auf den Weg zum Büro. Nala klopfte, wartete aber nicht lange auf eine Antwort. Drinnen saß Frau Schröder schon an ihrem Schreibtisch – wieder so still wie am Tag davor, aber diesmal wirkte sie nicht mehr so streng. Eher erschöpft. Vielleicht auch ein bisschen verlegen.
Sie bedeutete uns, Platz zu nehmen. Dann sagte sie, dass sie über unser Gespräch nachgedacht habe. Dass sie unter Druck gestanden habe, weil die Eltern der Zweitklässler eine schnelle Klärung wollten – und dass sie deshalb unüberlegt gehandelt habe.
Sie entschuldigte sich.
Tagebuch, ich mag Erwachsene, die Fehler zugeben können. Das ist selten. Meistens erwarten sie, dass Kinder immer ehrlich und respektvoll sind – aber selbst halten sie sich nicht an ihre eigenen Regeln. Schon im Kindergarten lernt man, dass man die Wahrheit sagen und Verantwortung übernehmen soll. Aber viele von denen, die einem das beibringen wollen, machen es selbst nicht besser. Ich habe das nie verstanden.
Nala nahm die Entschuldigung ruhig an, blieb aber klar: Es müsse sich trotzdem etwas ändern. Das fand ich gut. Nala ist nicht nur gerecht, sie ist auch mutig.
Frau Schröder nickte – und schlug vor, dass Nala sich als Schülersprecherin zur Wahl stellt. Sie wolle heute in den oberen Klassen fragen, wer sich ebenfalls zur Wahl stellen möchte, damit es nächste Woche eine Abstimmung geben könne. Nala zögerte nicht lange. Sie sagte, dass sie das machen würde. Und ich wusste, dass sie es gut machen wird.
Dann wandte sich Frau Schröder an mich.
Sie hatte noch einmal mit den Zweitklässlern gesprochen – und die hatten zugegeben, dass sie gelogen hatten. Dass ich sie nicht geschubst oder angeschrien hatte. Nur gesagt, sie sollen Eleni in Ruhe lassen.
Endlich.
Ich konnte nicht anders, ich sagte laut, dass ich es doch gleich gesagt hatte.
Frau Schröder entschuldigte sich auch bei mir. Und diesmal klang sie ehrlich. Fast so, als wüsste sie selbst, dass sie es gestern verbockt hatte.
Tagebuch, ich wusste von Anfang an, dass ich im Recht war. Und trotzdem ist es schwer, sich zu wehren, wenn Erwachsene einem nicht glauben wollen. Aber wenigstens hat sie es am Ende eingesehen. Es gibt so viele Menschen, die schlimmere Dinge getan haben – und sich nie entschuldigen. Vielleicht, weil sie nie gespürt haben, wie es ist, falsch behandelt zu werden. Oder weil sie nicht bereit sind, sich klein zu machen. Aber Entschuldigen ist keine Schwäche. Es ist Stärke.
Ich fühle mich heute ein bisschen, als hätte ich etwas gewonnen. Nicht gegen jemanden – sondern für mich.
Für Eleni. Für das Richtige.
Vielleicht ist das ein Anfang.
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Mama hat ihren Regenschirm verloren - Wie Depressionen eine Familie verändern
Fiksi UmumDepressionen betreffen nicht nur den Menschen, der sie trägt. Sie sickern in alles, was ihn umgibt. In Beziehungen. In Kinder. In Liebe. Marlene ist sieben Jahre alt, als ihre Welt zu kippen beginnt. Mama verändert sich. Mal ist sie wie früher, mal...
