Samstag, 18. September. 2010

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Liebes Tagebuch,

Es ist spät abends, und meine Gedanken wirbeln durcheinander wie Laub in einem Herbststurm. Ich versuche, die letzten 24 Stunden zu begreifen – aber es gelingt mir nicht. Es ist, als ob mein Kopf voller Stimmen und Fragen ist, aber keine Antwort laut genug klingt, um sie zu hören.

Heute Morgen hat Sophie versucht, mit mir zu sprechen. Ich konnte nichts sagen. Keine Worte, nur ein dumpfes Gefühl irgendwo zwischen Angst, Müdigkeit und Aufgeben. Dann hat sie gesagt, dass Luana bald kommen würde, um mich abzuholen. Da erst habe ich wirklich verstanden, was gerade passiert: Alles beginnt von vorn. Wieder Trennung. Wieder Übergang. Wieder Verlust.

Ich fühlte mich wie eine Ameise unter lauter Elefanten – klein, bedeutungslos, ständig in Gefahr, einfach zerdrückt zu werden.

Als Luana schließlich kam, konnte ich sie nicht einmal anschauen. Ich weinte nur. Ohne genau zu wissen warum. Ich fühlte mich leer und übervoll zugleich. Voller Schmerz, voller Hilflosigkeit. Als würden alle Gefühle gleichzeitig in mir toben und mich gleichzeitig lähmen.

Im Auto versuchte Luana, mit mir zu sprechen. Sie sagte Dinge wie „Du bist nicht allein" und „Wir schaffen das", aber irgendwann hörte ich sie nicht mehr. Ihre Stimme war da, aber die Worte erreichten mich nicht. Je näher wir ihrem Haus kamen, desto mehr verschwamm alles. Ich konnte nicht mehr weinen. Ich war wie taub.

Als wir ankamen, öffnete Liv die Tür. Ich sah sie nur verschwommen, wie durch Wasser. Ich glaube, ich ging direkt in mein altes Zimmer. Ich weiß nicht mehr, ob ich „Hallo" gesagt habe. Ich weiß nur, dass ich irgendwann auf meinem Bett saß und nicht mehr wusste, wie ich dorthin gekommen war.

Ich hörte, wie Luana und Liv sprachen. Ihre Stimmen waren gedämpft, wie durch eine Wand. Dann kam Luana zu mir. Sie kniete sich vor mein Bett und sagte leise, dass sie mir etwas geben würde, damit ich zur Ruhe kommen könne. Eine Spritze. Ich nickte, glaube ich. Oder ich tat gar nichts. Ich weiß es nicht.

Jetzt bin ich gerade aufgewacht. Alles ist noch immer verschwommen und ruhig, aber nicht im guten Sinn. Eher wie nach einem Sturm, wenn alles kaputt ist, aber die Vögel trotzdem singen.

Luana sitzt auf dem Stuhl neben meinem Bett. Ihr Kopf liegt auf meinen Füßen, und sie schläft. Tief und fest. Ich werde sie nicht wecken. Sie war die ganze Zeit da. Und sie soll jetzt einfach schlafen. Sie hat es verdient.

Mama hat ihren Regenschirm verloren - Wie Depressionen eine Familie verändernGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt