Liebes Tagebuch
Jolie, du weißt schon, die Freundin von Linus, hatte vor ein paar Tagen angekündigt, dass sie heute vorbeikommen und mit mir etwas unternehmen möchte.
Versteh mich nicht falsch, ich mag Jolie wirklich gerne. Aber ich frage mich, warum sie etwas mit mir alleine machen will.
Sie arbeitet inzwischen an der gleichen Stelle wie Sophie und ist häufig bei uns. Sie sagt, unsere Familie sei ein gutes Beispiel dafür, wie viel ein verlässliches Umfeld bei Kindern bewirken kann. Besonders, wenn diese viel erlebt haben.
Aber ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, was sie ausgerechnet von mir will. Sie hat sich bisher eher um Eleni, Lyara und Leo gekümmert. Mich hat sie kaum beachtet, was mir aber nie etwas ausgemacht hat. Ich bin gerne mal für mich.
Vielleicht ziehe ich mich auch gerade deshalb langsam von den Jüngeren zurück. Sie kommen gut zurecht, sie brauchen mich nicht mehr. Und ich werde ja auch nicht immer für sie da sein können. Sie haben sich gegenseitig. Das reicht.
Ich finde mich gerade in einer Zwischenrolle wieder. Nicht mehr die Kleine, die alles zum ersten Mal erlebt. Aber auch noch nicht wirklich erwachsen.
Jolie ist jetzt da. Ich schreibe später weiter.
Tagebuch, ich bin zurück
Jolie hat mich in eine ziemlich seltsame Situation gebracht. Wir sind in den Park gegangen und haben uns auf eine Bank gesetzt. Sie schwieg lange. Es wirkte, als wolle sie etwas sagen, wüsste aber nicht, wie.
Ich fragte sie schließlich, was los sei. Da folgte ihr Blick einer jungen Frau, die abseits saß. Ihre Arme und Beine waren von Narben übersät. Sie hielt sich sehr zurück, schien möglichst unsichtbar bleiben zu wollen. Jeder Blick, der auf ihr ruhte, machte sie kleiner.
Dann fragte mich Jolie, was ich über sie denke.
Ich sagte, dass ich nicht urteile.
Doch Jolie erklärte, dass jeder Mensch das tue, bewusst oder unbewusst. Urteile entstünden automatisch, als Schutzfunktion. Sie könnten Menschen helfen, Gefahren zu erkennen, könnten aber auch unfair sein. Es komme darauf an, wie man mit ihnen umgehe.
Wieder fragte sie mich, was ich denke.
Ich schaute die Frau noch einmal an. Ich sagte, dass sie offensichtlich keine leichte Zeit hinter sich hatte. Ihre ganze Körperhaltung spreche davon. Und dass ich es unhöflich finde, wie viele sie anstarren. Ich verstand nicht, was Jolie damit bezwecken wollte.
Also stand ich auf und ging zu ihr.
Die Frau schaute mich an, erst überrascht, dann vorsichtig. Ich konnte sehen, dass sie eine bestimmte Reaktion erwartete, vielleicht sogar Angst vor ihr hatte. Ich sagte einfach: „Hallo, ich bin Marlene."
Sie stellte sich als Kim vor und fragte, ob sie mir helfen könne.
Ich sagte, dass ich nur loswerden wollte, dass ich sie wunderschön finde.
Sie lächelte. Es war ein echtes Lächeln.
Ein paar Jugendliche starrten sie noch immer an. Ich rief ihnen zu, ob sie ein Foto machen wollten. Sie verschwanden sofort.
Früher hätte ich mich das nie getraut. Heute kann ich das. Heute weiß ich, dass auch Erwachsene manchmal Hilfe brauchen. Nicht nur Kinder.
Mama hat immer gesagt: Wenn es dir gut geht, hilf anderen. Und mir geht es gut.
Kim bedankte sich leise bei mir. Nur ein Wort.
Aber wenn es von jemandem kommt, der so viel durchgemacht hat, dann bedeutet es viel.
Sie sagte, ich sei eine der wenigen gewesen, die nicht nur schauten, sondern wirklich zu ihr kamen. Ich sagte ihr, dass ich es bewundere, dass sie ihre Narben nicht versteckt. Dass sie zeigten, was sie überlebt hatte. Und dass sie ihr Menschsein nicht minderten.
Sie nahm mich in den Arm und sagte noch einmal Danke.
Später ging ich zu Jolie zurück. Ich sagte ihr, dass ich nun wisse, was ich über Kim denke. Dass sie ein wunderbarer Mensch sei.
Dann fragte ich Jolie, was sie über sie denkt.
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Mama hat ihren Regenschirm verloren - Wie Depressionen eine Familie verändern
Tiểu thuyết chungDepressionen betreffen nicht nur den Menschen, der sie trägt. Sie sickern in alles, was ihn umgibt. In Beziehungen. In Kinder. In Liebe. Marlene ist sieben Jahre alt, als ihre Welt zu kippen beginnt. Mama verändert sich. Mal ist sie wie früher, mal...
