Liebes Tagebuch,
heute war ein wunderschöner Tag. Einer der schönsten seit langem, glaube ich. Wir waren alle zusammen im Zoo. Es war wirklich schön – fast so, als wäre ein Stück Normalität zurückgekommen.
Wir haben viel Zeit bei den Bären verbracht, direkt am Eingang. Es ist fast zwei Jahre her, seit ich das letzte Mal hier war. Damals war das Bärenbaby noch ganz klein. Heute ist es schon fast so groß wie seine Mutter. Luana hat mir vorgelesen, dass es ein Mädchen ist. Ich habe sie in Gedanken „Muckine" genannt – nach meinem Mucki. Mein kleiner Plüschbär, der mich durch alles begleitet hat. Mucki war der einzige Bär, mit dem ich je so eng befreundet war – bis heute.
Wir haben ein riesiges Eis gegessen, und Linus ist beim Hinsetzen gestolpert – mitten in seinen Becher. Sein ganzes Gesicht war voller Sahne, und alle haben gelacht. Auch ich. Nur Linus nicht. Und obwohl es lustig war, war da plötzlich dieser Stich in meiner Brust.
Ich konnte mein Eis nicht aufessen. Nicht, weil es nicht geschmeckt hat. Es war sogar sehr lecker. Aber es hat mich an Mama erinnert. An die Sommertage, an denen wir im Zoo waren. An das gemeinsame Eisessen danach. An das viele Lachen, bei dem mir der Bauch wehtat, weil wir nicht mehr aufhören konnten.
Tagebuch, ich bin glücklich. So glücklich, wie man es eben sein kann, wenn ein Stück von einem fehlt. Heute war ein guter Tag. Und trotzdem: Ich habe mir gewünscht, dass Mama dabei ist. Dass sie mit uns lacht. Dass sie sieht, wie groß „Muckine" geworden ist.
Ich hoffe so sehr, dass sie sich bemüht, die Wolken in ihrem Kopf zu vertreiben – oder wenigstens ihren Regenschirm wiederzufinden. Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als dass wir bald wieder zusammen lachen können.
Ich bin Luana und ihrer Familie dankbar. Ehrlich. Sie geben sich so viel Mühe, mich willkommen zu heißen. Ich mag sie wirklich. Aber sie sind eben nicht Mama. Und so nett, warm und herzlich sie auch sind – Mama fehlt. Immer.
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Mama hat ihren Regenschirm verloren - Wie Depressionen eine Familie verändern
Ficción GeneralDepressionen betreffen nicht nur den Menschen, der sie trägt. Sie sickern in alles, was ihn umgibt. In Beziehungen. In Kinder. In Liebe. Marlene ist sieben Jahre alt, als ihre Welt zu kippen beginnt. Mama verändert sich. Mal ist sie wie früher, mal...
