Liebes Tagebuch,
die Sommerferien sind fast vorbei.
Es sind nur noch genau 13 Tage bis zum 20. August, dann muss ich wieder in die Schule.
Ich will nicht.
Die letzten Wochen mit Mama waren so schön, und jetzt fühlt es sich an, als würde ich diese kostbare Zeit einfach verlieren, nur weil ich in die Schule muss.
Seit einer Woche gibt es etwas oder besser gesagt jemanden, der mir gar nicht gefällt.
Es heißt Felix.
Er ist Mamas neuer Freund. Aber ich mag ihn nicht.
Deshalb nenne ich ihn „es".
Seit einer Woche muss ich Mama mit etwas teilen, das es vorher nicht gab.
Mama sagt, ich soll ihm eine Chance geben, weil sie glücklich mit ihm ist.
Und ich will, dass sie glücklich ist.
Aber irgendwie geraten wir ständig aneinander.
Felix hat einen komischen Humor, ich verstehe ihn einfach nicht.
Ich habe das Gefühl, dass er sich ständig über mich lustig macht.
Mama sagt, das sei Quatsch, ich würde mich nur daran gewöhnen müssen.
Sie meinte sogar, dass ich jetzt endlich einen Vater hätte, eine „männliche Bezugsperson", die jedes Kind für eine optimale Entwicklung braucht.
Und dass mir das bisher gefehlt hat.
Aber als ich ihr sagte, dass mir nichts gefehlt hat, meinte sie nur, ich würde das irgendwann schon merken.
Mama hat erklärt, dass Felix von zu Hause aus arbeitet und ich deshalb nicht mehr allein sein muss, wenn sie zur Arbeit geht. Ich müsse auch nicht mehr zu Frau Krause.
Aber ich gehe gern zu Frau Krause!
Sie hat immer Kuchen und Süßigkeiten!
Und sie hört mir zu.
Als ich Mama gefragt habe, wie Felix auf mich aufpassen soll, wenn er sowieso nur manchmal da ist, hat sie mir gesagt, dass er nächste Woche einziehen wird.
Was?!
Tagebuch, das gefällt mir gar nicht!
Ich will nicht, dass er hier einzieht.
Ich will, dass Mama glücklich ist und dass sie nie wieder einen Regenschirm braucht.
Aber ich habe kein gutes Gefühl bei diesem Mann.
Dabei war er am Anfang ganz nett.
Er hat mir gleich ein Eis gekauft, und wir sind zu dritt in den Zoo gegangen.
Das war schön. Bis wir beim Bärengehege standen.
Ich wollte dort lange bleiben, wie immer.
Aber Felix sagte nur: „Bären sind langweilig."
„Komm, wir gehen lieber zu den Tigern oder Krokodilen. Die sind spannend."
Bären sind nicht langweilig!, habe ich gesagt.
Da hat er gelacht und gesagt: „Dann bleib doch hier, wenn du die Bären so toll findest. Wir gehen schon mal weiter."
Hast du das gehört, Tagebuch?
Er wollte Mama mitnehmen und mich zurücklassen.
Er will mich loswerden.
Er will Mama für sich allein.
Aber das werde ich nicht zulassen.
Ich werde auf Mama aufpassen.
So wie immer.
Und ich werde nicht zulassen, dass er sie so traurig macht,
dass sie noch einmal einen Regenschirm braucht.
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Mama hat ihren Regenschirm verloren - Wie Depressionen eine Familie verändern
General FictionDepressionen betreffen nicht nur den Menschen, der sie trägt. Sie sickern in alles, was ihn umgibt. In Beziehungen. In Kinder. In Liebe. Marlene ist sieben Jahre alt, als ihre Welt zu kippen beginnt. Mama verändert sich. Mal ist sie wie früher, mal...
