Montag, 21.September.2009

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Liebes Tagebuch,

heute war mein erster Tag an der neuen Schule.

Felix ließ mich heute Morgen mit einem selbstgefälligen Grinsen zur Tür hinausgehen.

„Wenn du es wagst, wieder mit jemandem Kontakt aufzunehmen,
kann ich auch anders",
hat er gesagt.

Ich habe nichts geantwortet.
Ich wollte einfach nur weg.
Raus.
Einfach nur einen Schritt weitergehen,
ohne stehen zu bleiben.

Also bin ich allein mit dem Bus losgefahren.
Vielleicht war das sogar meine Chance.
Ein Neuanfang.
Wenigstens in der Schule.

Die neue Schule ist riesig.
Hier lernen Schülerinnen und Schüler von der ersten bis zur zwölften Klasse.

Die Grundschule hat eigene Gebäude,
genau wie die Älteren,
aber viele Bereiche –
wie Werkraum, Turnhalle und Schulhof –
werden gemeinsam genutzt.

Es gibt einen gemeinsamen Schulleiter,
und manche Lehrer unterrichten sowohl kleine als auch große Klassen.

Erst wusste ich nicht,
was ich davon halten sollte.

Aber schon am Eingang wurde ich von einer jungen Lehrerin empfangen.
Sie stellte sich als Frau Schröder vor
und begleitete mich in meine neue Klasse.

„Das ist Marlene", sagte sie.
Ich musste nichts sagen –
und war unendlich dankbar dafür.

Ich hätte sowieso keine Worte gefunden.

Aber die Stimmung in der Klasse war anders.

Nicht laut. Nicht feindselig.
Irgendwie... ruhig.
Aufmerksam.

In der Pause kamen ein paar Mädchen zu mir.
Sie zeigten mir die Schule,
unterhielten sich mit mir,
aber ich war noch vorsichtig.
Abweisend.

Ich wollte nicht wieder verletzt werden.

An dieser Schule haben alle gemeinsam Pause –
die Kleinen, die Großen.
Aber es war weniger chaotisch,
als ich dachte.

Die Großen achten auf die Kleinen.

Frau Schröder hat mir erklärt,
dass hier weniger schlechte Noten geschrieben werden,
weil ältere Schüler den jüngeren helfen.

Sie meinte,
das könnte auch mir guttun.
Nach einem Blick auf mein letztes Zeugnis...

Ich lernte auch Liv kennen.
Sie ist in der 10. Klasse
und die Schülersprecherin.

Alle sagen, sie nimmt das sehr ernst.
Sie kümmert sich um Probleme,
bevor sie zur Schulleiterin Frau Honig gehen.

Liv hat sogar ein eigenes Zimmer an der Schule –
einen Rückzugsort für Gespräche.
Unterstützt wird sie von ihrer Freundin Lilly.

Liv kam gleich am ersten Tag zu mir
und stellte sich freundlich vor.

Und dann gibt es hier noch den Schulsanitätsdienst.
Den gab es an meiner alten Schule nicht.

Schüler, die in einer AG oder beim DRK eine Ausbildung gemacht haben,
werden in Schichten eingeteilt.
Sie tragen ein Diensttelefon,
dürfen jederzeit den Unterricht verlassen,
wenn jemand Hilfe braucht.

Sie behandeln kleinere Verletzungen
und wissen, wann man den Rettungsdienst rufen muss
oder jemanden nach Hause schicken sollte.

Das sorgt dafür,
dass es weniger Fehlzeiten gibt –
und dass man nicht allein ist,
wenn es einem schlecht geht.

Mitmachen darf man ab der fünften Klasse.
Vielleicht... irgendwann.

Tagebuch, ich weiß, es klingt komisch,
aber im Moment bin ich Felix sogar ein bisschen dankbar.

Ich habe einen ganzen Tag geschafft,
ohne dass jemand etwas Gemeines zu mir gesagt hat.

Vielleicht ist das wirklich
meine Chance –
zumindest in der Schule
ganz neu anzufangen.

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