Liebes Tagebuch,
Mama geht es von Tag zu Tag besser. Wenn das so weitergeht, kann ich bald wieder bei ihr sein. Luana hat von der Klinik ein Gutachten über Mamas psychischen Zustand bekommen. Ich wusste zuerst nicht genau, was das bedeutet, aber Luana hat mir erklärt, dass darin aufgeschrieben steht, wie es einer Person geht, wie sie sich entwickelt hat und ob sie Fortschritte gemacht hat.
Sie hat gesagt, in dem Gutachten steht quasi, wie weit die Regenwolken weggegangen sind, wie viele noch da sind, ob es schon wieder einen Regenschirm gibt oder ob Mama vielleicht bald gar keinen mehr braucht. Und wie oft es noch regnet – und wie Mama dann reagiert.
Luana meinte, dass Mama gute Fortschritte gemacht hat. Dass es ihr viel besser geht und sie bald keine Medikamente mehr braucht. Ich wollte das Gutachten selbst lesen, aber ich habe fast nichts verstanden. Es war alles in Fachchinesisch geschrieben – also in dieser komischen Sprache, die Ärzte sprechen, damit keiner genau weiß, was sie eigentlich sagen.
Luana sagte, dass Mama bald aus der Klinik entlassen werden könnte. Dann darf ich zurück zu ihr. Ich freue mich so sehr, Tagebuch. Aber gleichzeitig habe ich das Gefühl, dass Luana traurig ist. Ich will nicht, dass sie traurig ist. Heute war doch eigentlich ein schöner Tag. Und trotzdem hatte sie diesen Blick – diesen leisen, traurigen Blick, den ich an ihr noch nie gesehen habe.
Ich habe ihr versprochen, dass ich sie besuchen komme, wenn ich wieder bei Mama wohne. Dass ich sie nie vergessen werde. Aber ich glaube, das hat sie nicht wirklich getröstet.
Tagebuch, ich habe Luana wirklich gern. Sie war für mich da, als alles schlimm war. Und Liv, und Linus, und Nala – sie alle sind wie eine richtige Familie für mich geworden. Ich glaube, ich werde sie alle sehr vermissen. Sogar Jonah. Naja, ein bisschen zumindest. Vielleicht.
Ich hoffe einfach, dass sie wissen, wie viel sie mir bedeuten. Dass ich sie liebe – und dass ich ihnen für alles dankbar bin. Ganz tief im Herzen.
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Mama hat ihren Regenschirm verloren - Wie Depressionen eine Familie verändern
Ficción GeneralDepressionen betreffen nicht nur den Menschen, der sie trägt. Sie sickern in alles, was ihn umgibt. In Beziehungen. In Kinder. In Liebe. Marlene ist sieben Jahre alt, als ihre Welt zu kippen beginnt. Mama verändert sich. Mal ist sie wie früher, mal...
