Liebes Tagebuch,
noch immer gibt es keine Spur von Leo. Die Polizei ist mittlerweile ebenfalls auf der Suche, doch bisher scheint er wie vom Erdboden verschluckt. Ich mache mir große Sorgen um ihn.
Ich kann verstehen, warum Leo sich so verhalten hat. Es ist ihm einfach alles zu viel geworden. Die ganze Situation hat ihn überfordert. Es ist traurig, aber irgendwie auch verständlich, dass er sich in diesem Moment zurückgezogen hat. Er sollte nicht allein sein in dieser schweren Zeit.
Seitdem Leo bei uns ist, gibt es ständig Konflikte. In der Schule wird er von allen Seiten kritisiert. Die Lehrer sagen ihm immer wieder, er solle sich zusammenreißen und es vergeht kaum ein Tag, an dem er nicht bei Frau Schröder landet. Es war nur eine Frage der Zeit, bis er diesem Druck nicht mehr standhalten konnte.
Sein patziges Verhalten, mit dem auch ich oft zu kämpfen hatte, war letztlich nur ein Schutzschild für eine verletzliche Seele. Jetzt hat er diesen Schutzschild verloren und ist völlig entblößt. Sein Verhalten war ein Hilfeschrei, den wir zwar hätten hören können, den er aber wahrscheinlich nicht zulassen wollte.
Ich frage mich, ob Leo jetzt irgendwo sitzt und darüber nachdenkt, was er tun soll. Ich bin mir sicher, dass er gerne zurückkehren würde, sich aber nicht traut. Toni hat berichtet, dass die Polizei bereits mit Hunden nach ihm sucht, aber bisher ohne Erfolg.
Ich sehe, wie Luana immer unruhiger wird. Jede Minute, die vergeht, scheint ihre Besorgnis zu vergrößern. Die letzte Nacht war bitterkalt, und Leo ist nicht ausreichend warm gekleidet. Ich weiß, dass sich Luana Vorwürfe macht, auch wenn sie es zu leugnen versucht.
Lyara hat sich weitgehend in ihrem Zimmer eingeschlossen. Sie will niemanden sehen. Es ist offensichtlich, dass sie ihn sehr vermisst und sich große Sorgen macht. Diese besondere Verbindung zwischen Zwillingen, von der man immer hört, scheint zu wirken. Sie spürt, wie es ihm geht, und weiß, was er denkt, auch ohne ihn zu sehen.
Lyara geht es nicht gut. Die Trennung von Leo belastet sie enorm. Sie wirkt noch ruhiger und abwesender als sonst, was schon viel heißen will. Ich hoffe, dass Leo bald zurückkommt, denn wenn es Lyara nicht gut geht, kann es Leo nicht besser gehen.
Es schmerzt mich, dass ich Leo gerade nicht finden und ihm helfen kann. Er ist an einem Punkt angekommen, an dem ich ihn erreichen wollte, um ihm Unterstützung zu bieten. Doch jetzt weiß ich nicht, wo er ist, und fühle mich hilflos.
Es wird schon wieder dunkel draußen, und ich hoffe inständig, dass die Polizei ihn bald finden kann. Leo ist ganz allein, ohne Wasser, ohne Nahrung und ohne ein Dach über dem Kopf in dieser Kälte. Die Gedanken daran machen mir große Sorgen.
Ich hoffe so sehr, dass er bald gefunden wird und sicher zurückkehrt.
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Mama hat ihren Regenschirm verloren - Wie Depressionen eine Familie verändern
Aktuelle LiteraturDepressionen betreffen nicht nur den Menschen, der sie trägt. Sie sickern in alles, was ihn umgibt. In Beziehungen. In Kinder. In Liebe. Marlene ist sieben Jahre alt, als ihre Welt zu kippen beginnt. Mama verändert sich. Mal ist sie wie früher, mal...
