Mittwoch, 20. Juli. 2011

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Liebes Tagebuch,

die Nacht war lang. Ich konnte kaum schlafen. Immer wieder liefen dieselben Gedanken durch meinen Kopf. Mama hat mich wirklich wieder weggeschickt. Und je öfter ich mir das bewusst mache, desto mehr tut es weh.

Ihre letzten Worte klingen immer noch in mir nach. Sie hatte gesagt, dass ich es eines Tages verstehen würde. Vielleicht, wenn ich erwachsen bin oder selbst einmal Mutter. Sie wollte mir deutlich machen, dass es ihr nicht darum ging, mich loszuwerden, sondern dass sie wollte, dass ich glücklich aufwachsen kann – so wie andere Kinder auch.

Aber wenn das die Wahrheit ist, warum fühlt es sich dann so falsch an?

Sophie war es, die mich schließlich wieder mitgenommen hat. Paulina blieb noch bei Mama. Irgendwann sagte Sophie, dass Luana im Laufe des Tages kommen würde, um mich abzuholen. Was danach passiert, sei noch nicht sicher. Ich weiß nicht, ob ich Mama wiedersehen werde. Oder ob das jetzt wirklich das Ende ist.

Später kam Sophie nochmal zu mir. Sie fragte, wie es mir ging. Aber ich wusste es selbst nicht. Ich versuchte, ihr zu erklären, dass es sich merkwürdig anfühlt, wenn jemand behauptet, diese Entscheidung sei für mein Glück – und ich mich trotzdem so leer und verletzt fühle.

Sie sagte, sie verstehe, dass gerade alles zu viel für mich sei. Dann setzte sie sich still neben mich. Es tat gut, dass sie einfach da war.

Ich sagte, dass ich es niemals geglaubt hätte, wenn mir jemand zwei Tage vorher erzählt hätte, dass ich jetzt wieder hier sitzen würde. Es war alles so schnell gegangen. Zu schnell.

Sophie gab mir ihr Handy, und ich rief Karla an. Ich musste mit jemandem sprechen. Karla war gerade erst mit ihren Eltern in den Urlaub gefahren, versprach aber, dass sie zu mir kommen würde, sobald sie wieder da sei. Ich nehme ihr das nicht übel – sie kann ja nichts dafür –, aber trotzdem hätte ich mir gewünscht, dass sie jetzt bei mir wäre.

Ich versuche immer wieder, Mamas Entscheidung zu begreifen. Ich wiederhole ihre Worte, versuche, sie zu verstehen – aber es gelingt mir nicht. Noch nicht. Vielleicht irgendwann.

Gerade fühlt sich alles einfach nur falsch an. Und leer.
Nur so leer.

Mama hat ihren Regenschirm verloren - Wie Depressionen eine Familie verändernGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt