Samstag, 4. Februar. 2012

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Liebes Tagebuch,

Seit Sophie Eleni die Nachricht von ihrer Mutter überbracht hat, geht es ihr nicht gut. Ich mache mir große Sorgen. Sie hat sich wieder in sich zurückgezogen und lässt niemanden mehr an sich her – nicht einmal Luana oder Nala, mit der sie sich in letzter Zeit doch eigentlich so gut verstanden hatte. Den ganzen Tag über stand sie in ihrem Zimmer am Fenster, ihr Plüschtier Elli fest umklammert, ganz so wie damals, als sie neu hier war und in Gedanken versunken nach Halt suchte.

Am Nachmittag bat Luana mich, nach ihr zu sehen. Sie hatte verstanden, dass es wenig bringt, Eleni zu bedrängen – das würde sie nur noch mehr verschließen.

Als ich ihr Zimmer betrat, sah ich sofort, dass sie geweint hatte. Ihre Augen waren rot und verquollen, der Blick leer. Wortlos zog sie mich in eine Umarmung, als hätte sie genau auf diesen Moment gewartet. Obwohl sie vorher betont hatte, allein sein zu wollen, war sie jetzt froh, dass jemand bei ihr war.

Leise sagte sie, dass sie das nicht könne. Dass sie nicht wisse, wie sie damit umgehen solle. Ich hielt sie fest und sagte ihr, dass sie da nicht allein durchmüsse. Dass ich bei ihr bin – egal was komme.

Dann flüsterte sie, dass sie nicht zurück zu ihrer Mutter wolle. Dass sie hierbleiben möchte. Ich erklärte ihr vorsichtig, dass sie, wenn sie das wirklich wolle, mit jemandem sprechen müsse – mit der Polizei, dem Jugendamt oder jemandem, der älter ist als ich und Entscheidungen treffen kann. Paulina oder Sophie wären sicher auch eine Möglichkeit. Nur wenn sie mit jemandem spricht, kann verhindert werden, dass sie zurückgeschickt wird.

Eleni sah mich erschrocken an. Es war, als würde sie diesen Gedanken zum ersten Mal ernsthaft in Betracht ziehen.

Sie begann zu stammeln, dass sie das nicht könne. Dass sie nicht darüber reden oder auch nur daran denken wolle – weil sonst alles wiederkäme. Dabei sei es doch gerade erst wieder gut geworden. Ihre Verzweiflung traf mich mitten ins Herz.

Ich versuchte ruhig zu bleiben. Sagte ihr, dass ohnehin jeder merke, wie sehr sie das alles belastet – auch wenn sie nichts sagt. Dass ihre Mutter bei Sophie den Antrag gestellt habe, sie wiederzusehen, und dass ihr Schweigen in den Augen der Erwachsenen wie ein stilles Einverständnis gewertet wird. Wenn niemand etwas sagt, kann auch niemand etwas unternehmen.

Eleni schüttelte den Kopf. Für sie sei klar, dass sie nicht zurück wolle – aber darüber zu sprechen, das schaffe sie nicht. Schon gar nicht mit jemandem, den sie nicht kennt.

Ich verstand das. Und erzählte ihr von mir. Von meinem Vater, der im Gefängnis sitzt. Dass er für mich heute nur noch ein fremder Mann ist, auch wenn ich ihn früher einmal Papa genannt habe. Ich sagte ihr, dass sie nicht alles erzählen muss. Nur ein kleines bisschen. Einen Anfang. Einen Hinweis, der reicht, damit die Erwachsenen handeln können.

Es zerreißt mir das Herz, sie so zu sehen, Tagebuch. So hilflos und gefangen zwischen Angst und Erinnerung. Aber ich hoffe, dass sie den Mut findet, sich zu öffnen. Dass wir gemeinsam einen Weg finden, damit sie nicht zurück muss in eine Welt, die sie nur verletzt hat. Jetzt braucht sie Halt. Jemanden, der ihr glaubt. Und ich werde dieser Mensch sein – egal, wie schwer es wird.

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