Kapitel 89

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Am nächsten Morgen wachte ich auf, als Jenna mit Jonas auf dem Arm in der Küche gegen die Ecke des Küchentischs knallte. "Ah! Scheiße verdammt!", schrie sie und hüpfte von einem Bein auf das andere. Im selben Moment fing auch Jonas das quengeln an und deswegen kam ich ihr schnell zur Hilfe. "Was machst du denn schon wieder", lachte ich und nahm ihr unseren Sohn ab. "Morgen, ich hab mir den Zeh angestoßen", jammerte sie und setzte sich auf die Couch. "Wozu gibst du soviel Geld für Hausschuhe aus, wenn du sie sowieso nicht anziehst?", ermahnte ich sie. "Sagt der Kerl, dem ich jeden Monat neue Socken kaufen muss", entgegnete sie und hatte sich nach einigen Augenblicken wieder beruhigt. "Was machst du eigentlich schon auf den Beinen?", fragte sie. "Ich bin doch ein engagierter Familienvater, da bleibt man nicht bis zum Mittag im Bett liegen", grinste ich und gab ihr einen Kuss. "Sehr vorbildlich", meinte sie und stand wieder auf um den Frühstückstisch von Philipp abzuräumen. "Der Große hat mich nicht versucht zu wecken?", fragte ich ungläubig. "Doch, aber ich hab ihm gesagt, dass du ganz müde bist", grinste sie und schloss die Tür des Kühlschranks, "was hast du heute vor?" "Ich fahr mal zur Säbener Straße und melde mich zurück", erzählte ich und nahm ihr die Milch aus der Hand. "Oh wenn du das machst kannst du sicher heute Mittag Philipp mitnehmen oder?", rief sie, "ich muss noch mit Jonas zum Kinderarzt, zur monatlichen Untersuchung". "Ja, kein Problem, hat er heute Training?", wollte ich wissen und setzte mich an den Küchentisch. Meine Frau setzte sich neben mich und stellte ihre Kaffeetasse vor sich hin: "Ja um zwei", nickte sie. "Ich muss aber trotzdem früh schon mal fahren", meinte ich und schaute auf die Uhr. "Mario ich muss aber jetzt zum Training", hakte sie ein und nickte rüber zu Jonas. "Was trainierst du neuerdings?", wollte ich wissen. "Ach Svea und ihre Mädels machen jeden Donnerstagmorgen ein kleines Schwimmtraining im Olympiaschwimmbad", erklärte sie. "Kein Ding, dann muss Jonas eben bei mir mit", schlug ich vor. "Na gut er kann sich ja schlecht wehren", lachte Jenna und stand auf um ihre Sachen zu packen. "Was hättest du eigentlich gemacht, wenn ich heute noch nicht da gewesen wäre?", rief ich rüber ins Schlafzimmer. "Milan liebt Jonas, schon vergessen?", antwortete sie. Nach einer Stunde ging auch ich aus dem Haus und trug Jonas im Maxi Cosi neben mir her. Es war ungewohnt wieder in mein eigenes Auto zu steigen und zum Training zu fahren. Als ich um zehn ankam standen schon einige andere Wägen in der Tiefgarage und genau diese Leute traf ich auch oben im Aufenthaltsraum wieder. "Mario Götze! Oh mein Gott du bist wirklich wieder hier!", schrie Thomas und sprang auf um mir einen Händedruck zu geben. "Na dich kann einfach keiner ersetzen", lachte ich begrüßte die anderen auch noch. "Musst du ins Büro?", fragte Gianluca und nickte auf die Tür links gegenüber von uns. "Ja das muss ich jetzt wohl über mich ergehen lassen", seufzte ich und schaute wollte mich auf den Weg zum Büro von Matthias Sammer machen. "Warte kurz", rief er wieder und stand auf, "wir passen so lange auf den Kleinen auf". "Danke", grinste ich und gab Gianluca den Maxi Cosi. Danach klopfte ich an der Tür und trat ein. "Ach, sehr gut, dass du hier bist", rief Matthias und zeigte auf den Stuhl vor sich. "Morgen", meinte ich ebenfalls und setze mich hin. "So, jetzt musst du nochmal hier kurz unterschreiben", meinte er, zeigte auf das Papier vor meiner Nase und legte mir einen Stift hin, "und dann geht einfach alles so weiter wie vor zwei Monaten". "Perfekt", flüsterte ich und schrieb ganz schnell meinen Namen unter den Vertrag. "Na schon wieder eingelebt Zuhause?", grinste er und legte das Papier in einen Ordner. "Noch nicht so ganz, aber mein Sohn hat sich so arg gefreut, das glaubst du gar nicht", schmunzelte ich. "Vielleicht war es wirklich die beste Entscheidung für dich", nickte er, "dir muss aber klar sein, dass du es dir in Manchester verschissen hast". "Das ist mir durchaus bewusst", antwortete ich sachlich. "Na dann ist ja gut", grinste Matthias und reichte mir die Hand, "willkommen zurück". "Danke, ich freu mich", lachte ich und schlug ein. Danach verließ ich den Raum wieder und sah, wie Jonas in Lucas (Scholls) Armen lag. "Da gefällts ihm wieder, ich merk schon", rief ich und setzte mich neben Gianluca auf die Couch. "Wie der Papa", schüttelte Thomas den Kopf und strich über Jonas Backen. "Hast du was anderes erwartet?", fragte ich. Er schaute zu mir hoch: "Ich hatte noch Hoffnung". "Kommst du heute Nachmittag zum Training?", fragte Gianluca, "um zwei". "Auf jeden Fall, ich muss davor nur meinen Junior noch beim Training abliefern", bestätigte ich. "Ach ja genau da hab ich was gelesen vorne am schwarzen Brett", mischte sich Thomas mit ein. "Du glaubst gar nicht wie er sich freut", grinste ich. In dem Moment begann Jonas das Weinen. "Ach komm schon", stöhnte Lucas und schaute sich suchend nach mir um. "Nicht weinen, bitte", rief ich und nahm ihn in den Arm. Als mein Sohn mein Gesicht sah war er augenblicklich still und begann wieder zu quietschen. "Nicht dein Ernst oder", grinste ich und stand auf, "bis später Jungs" und ließ die drei wieder alleine. "Und was machen wir jetzt?", fragte ich ihn und hielt in der anderen Hand den leeren Maxi Cosi. Weil dummerweise keine Antwort kam beschloss ich an Philipps Schule vorbeizufahren und ihn abzuholen. Um elf Uhr ging die Schulglocke und wenige Augenblicke später kam er auch schon aus der Tür gestürmt. Sofort erkannte er meinen Wagen, der nicht gerade zu übersehen war und winkte mir zu. "Holst du mich von der Schule ab oder hab ich Scheiße gebaut?", fragte er prüfend, als ich das Fenster herunterfuhr. "Sollte ich mir Sorgen machen?", lachte ich, "komm steig ein". "Können wir Lucie mitnehmen?", fragte er dann noch und zeigte auf das blonde kleine Mädchen, dass am Schuleingang stand und sich fragend umsah. "Na wenn es deine Traumfrau ist werde ich dem Glück nicht im Weg stehen", nickte ich und stieg aus um noch einen zweiten Sitz aus dem Kofferraum zu holen. "Kamerad jetzt müsst ihr ein Bisschen zusammenrücken", meinte ich zu Jonas und schob ihn noch ein wenig nach rechts, sodass drei Kindersitze auf der Rückbank Platz hatten. Als Philipps kleine Freundin mein Auto sah riss sie zuerst die Augen auf und dann musterte sie mich von oben bis unten. "Lucie das ist mein Papa", rief Philipp und zeigte auf mich. "Hallo", grinste sie schüchtern und stieg hinter meinem Sohn ins Auto ein. Der klärte mich die ganze Autofahrt über den neuesten Erstklässlertratsch auf und als wir vor Lucias Haus standen gab er ihr einen kleinen Schmatz auf den Backen und dann stieg sie aus. "Ist das jetzt meine Schwiegertochter?", wollte ich wissen und schaute ihn prüfend durch den Rückspiegel an. "Papa das ist peinlich", grinste Philipp und schaute aus dem Fenster. Zuhause wartete schon wieder Jenna auf uns und hatte gekocht. Am Nachmittag nahm ich Philipp dann mit an die Säbener Straße, wo er nervös mit mir an der Hand zu seinem Trainingsplatz lief, der gar nicht so weit von meinem entfernt war. "Denkst du die mögen mich?", fragte er vorsichtig. "Philipp wieso sollten sie das nicht tun", seufzte ich. "Weil ich neu bin", meinte er. "Mach dir da mal keine Sorgen, ich kenn deine Trainer gut genug", entgegnete ich und lief zu den Umkleiden. "Ach na da seid ihr ja schon", rief jemand hinter uns. Philipp schreckte zusammen und ich drehte mich schnell um. Christian Hufnagel, Philipps neuer Trainer stand vor uns. "Hallo, ich bin Christian, dein neuer Coach", stellte er sich vor und ging in die Hocke um Philipp die Hand zu schütteln. "Ich bin Philipp", meinte er vorsichtig. "Das hatten wir hier auch noch nicht so oft, dass ein so junger Spieler bei der U9 spielen darf", meinte er und sofort schaute mein Sohn stolz zu mir hoch. "Kommst du klar?", fragte ich noch kurz. "Ich glaub schon", entgegnete er und gab mir noch ein High Five zum Abschied. "Holst du mich dann wieder ab?", schrie er, als ich schon fast aus der Tür raus war. "Komm dann einfach mal vor gelaufen", meinte ich kurz und joggte zum Hauptplatz, wo sich schon einige warm machten. Ich hatte endlich wieder Lust auf das Training und auf mein Team und es fühlte sich verdammt gut an. Die Stimmung beim Umziehen konnte auch nicht besser sein. Schon alleine, weil die Meisterschaft schon lange in trockenen Tüchern lag und wir nurnoch auf die Meisterfeier hinarbeiten mussten. "Mario eins muss man dir lassen", kam Manu im Gang hinter mir her gerannt, "dein Girl ist immer noch eine Granate". Er sprach eindeutig von der Wohltätigkeitsgala letzte Woche, wo er Jenna nach einer halben Ewigkeit wiedergesehen hatte. "Ich weiß, sonst hätte ich sie nicht geheiratet", entgegnete ich mit erhobener Nase. "Geheiratet?", wiederholte er und stellte sich vor mich hin, "geht das nicht ein Bisschen zu schnell?" "Was meinst du? Wir haben vor sechs Jahren geheiratet, falls es dir entgangen sein sollte", erklärte ich verwirrt und versuchte an ihm vorbeizulaufen, doch er machte sich breit. "Du bist gar nicht mit dem Weib aus Manchester zusammen?", fragte er ungläubig. Nein, er meinte die andere Frau, die mir an der Wohltätigkeitsgala am Arsch gehangen war. "Was? Sag mal spinnst du?", rief ich und zeigte ihm den Vogel. "Sorry, ich wusste ja nicht.." -"Du weißt schon, dass ich wegen Jenna wieder hier bin oder?", hakte ich nach. "Jetzt schon", meinte er kurz, "aber gut so, ich hab wirklich gedacht du hättest sie mit den Kindern alleine gelassen". "Und würde jetzt mit dem Blondchen in München wohnen um die Kinder noch einmal in der Woche zu sehen?", lachte ich. "Wäre doch möglich", zuckte er mit den Schultern. "Niemals", grinste ich und lief auf den Trainingsplatz. Danach wurde nicht mehr darauf geachtet, ob ich zwei Monate nicht da war oder nicht. Pep ließ mich gnadenlos spüren was ich verpasst hatte, doch das war mir Recht. "Sehr gutes Training Männer und Mario Respekt, du hast gut mitgehalten!", rief er am Ende des Trainings. Inzwischen stand Philipp schon an der Bande des Platzes und wartete auf mich. Weil heute keine Fans, sondern nur ein paar Kamerateams auf dem Gelände unterwegs waren winkte ich ihn zu mir her und passte ihm den Ball zu. "Und wie wars?", wollte ich wissen und simulierte ein Eins-und-Eins. "Richtig cool, Paul hat mir gesagt, dass ich richtig gut spielen kann!", rief er stolz und versuchte sich an mir vorbei zu spielen. "Wer ist Paul?", hakte ich nach. "Mein neuer Kumpel", meinte er kurz und nutzte den Moment meiner Unaufmerksamkeit und zog an mir vorbei zum Tor. "Oben links!", brüllte ich ihm hinterher und tatsächlich schaffte er es den Ball links oben ins Eck zu mauern. "Nicht schlecht Großer!", rief ich lief auf ihn zu. Spontan nahm ich ihn einfach in den Arm und flüsterte ihm ein: "Ein Glück hab ich dich wieder" ins Ohr, worauf er mich noch länger festhielt. Den ganzen Abend erzählte er mir nur vom Training und bis ich ihn schlafen gelegt hatte gab er keine Ruhe. "Seit wann redet der Junge soviel", jammerte ich, als ich mich neben Jenna aufs Sofa gelegt hatte. "Ich musste mich eben mit jemanden unterhalten, als du nicht da warst", lachte sie und fuhr mir durch die Haare, "er wird dich ganz stolz machen". "Das weiß ich", nickte ich grinsend und gab ihr einen Kuss, "genauso wie du mich stolz machst". Am nächsten Mittag kam ich vom Morgentraining nach Hause und Jenna hatte gerade Jonas zum Mittagsschaf hingelegt. "Ich hab einen Salat gemacht, wenn Philipp daheim ist können wir essen", teilte sie mir mit und lief mit einem Wäschekorb an mir vorbei. "Hat er noch Schule?", fragte ich verwirrt. "Ja heute hat er immer bis 12", meinte sie. Obwohl ich schon richtig viel Hunger hatte blieb ich gelassen und lief auf den Balkon, um zu schauen, wann mein Sohn nach Hause kommen würde. Doch irgendwie kam er nicht. "Läuft er eigentlich alleine?", fragte ich, nachdem er nach einer halben Ewigkeit immer noch nicht die Straße entlang gelaufen kam. "Na mit Lucia", rief Jenna von Innen. "Sollten aber trotzdem mal kommen oder?", fragte ich und wurde langsam unruhig. Jetzt war er schon über eine Dreiviertelstunde zu spät, wo konnte er nur sein?

Bitteschön:) Habt einen schönen Abend, ich geh dann aufs Revolverheldkonzert & ihr?

Love never runs out (Mario Götze FF - ON HOLD)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt