Ich wühlte in meiner großen Long Champ Tasche nach meinem Handy und war sehr überrascht, dass der Anrufer noch nicht aufgelegt hatte als ich es endlich gefunden hatte, es war Anni meine Schwester. Vermutlich wollte sie mit mir reden, weil sie mich irgendwie im Fernsehen gesehen hatte und ich Marco von ihr grüßen sollte. Ich nahm denn Anruf an und legte das Handy an mein Ohr. "Hallo?", brüllte ich, weil das Stadion zu laut war, doch auch wenn ich mir die Ohren zuhielt konnte ich meine Schwester kein bisschen verstehen. "Warte mal kurz ich versteh dich nicht!", schrie ich und lief die große Treppe in den stillen Gang hinunter. "So Süße was willst du denn schon wieder von mir?", meinte ich aus Spaß. "Jenna", erklang eine leise Stimme am anderen Ende der Leitung. "Anni weinst du?", fragte ich und wurde auf einmal sehr ernst, "was ist passiert? Hat dir Jonas wehgetan?" Ich hörte lautes Schluchzen und auch im Hintergrund weinte jemand. "Anni was ist passiert?!", schrie ich panisch. "Jenna Mama hat sich heute Mittag einfach Schlafen gelegt", heulte meine kleine Schwester, "und plötzlich hat Papa so ein komisches Schnaufen von ihr gehört", ihre Simme versagte fast. "Ist sie im Krankenhaus? Anni alles wird gut, das hatte sie schonmal, die Ärzte bekommen das wieder hin", beruhigte ich Anni, weil meine Mutter schon einmal genau dasselbe vor einigen Jahren hatte. "Nein Jenna, diesmal ist es zu spät", jetzt konnte ich sie fast gar nicht mehr verstehen. "Mama ist vor einer halben Stunde im Krankenwagen gestorben, diesmal war es wirklich ein Herzinfarkt", schluchzte Anni. Mir wurde urplötzlich schlecht und meine Beine versagten. Ich ließ mich einfach auf den Boden sinken. "Ich komm sofort", faselte ich noch ins Handy und legte es dann weg. Verwirrt starrte ich auf die weiße Wand gegenüber. Ein paar Menschen liefen an mir vorbei, doch schenkten mir keine Beachtung. Ich vergrub mein Gesicht in meinen Händen und hoffte es sei nur einer meiner bösen Träume, aus denen ich wieder aufwachen konnte, doch diesmal war es keiner. "Oh Gott", flüsterte ich und es bildete sich ein großer Klos in meinem Hals. Heiße Tränen flossen über meine Wangen und ich vergrub mein ganzes Gesicht in meiner Tasche. Ich wusste nicht wieviele Minuten vergingen in denen ich einfach nur dasaß, vor mich hinheulte und die Leute einfach an mir vorbeiliefen. Irgendwann beschloss ich aufzustehen und wieder auf die Tribüne zu laufen. Schwankend lief ich die Treppe hoch, mein Blick war vernebelt und meine Schritte äußerst unästhetisch, doch mir war alles egal. Mir waren die verwirrten Blicke der Präsidentschaft egal, mir waren die ganzen Menschen, die mir entgegenkamen egal und mir waren die Kameras egal. "Da bist du ja wieder, ich hab dich schon gesucht", hörte ich auf einmal Marcos Stimme von der Seite, "ist was passiert?!". Er sah mich geschockt von der Seite an. Wie in Trance schüttelte ich nur mit dem Kopf, doch er stützte mich mit dem Arm, da er vermutlich merkte, dass ich mit dem Stehenbleiben kämpfte. Ich bekam nicht viel mit, nur das er mich auf die Arme nahm und irgendwo hin trug. Das nächste was ich sah war Marios Gesicht. Er war über mir gebeugt und sah besorgt aus. "Jenna was ist los mit dir?", fragte er hektisch als ich die Augen aufgeschlagen hatte. Ich setzte mich auf und schlang meine Arme um ihn und begann zu heulen. Einfach frei heraus. Erst als ich mich umsah bemerkte ich wo ich war, es war die Umkleide des Fc Bayern. Marco hatte mich einfach zu Mario gebracht. Alle standen um mich herum und schauten mich besorgt an. "Schatz was ist passiert?", fragte Mario nochmal und drückte mich fest an sich. Dann forderte irgendjemand die anderen auf die Kabine zu verlassen und duschen zu gehen, dann waren Mario und ich allein. "Mario meine Mama ist tot", schrie ich und vergrub mein Gesicht in seiner Umarmung. Ich spührte wie er einen Atemzug machte. Doch er sagte nichts, er drückte mich einfach an sich und küsste mich auf den Kopf. Das war es was ich brauchte, keine ewigen Tröstereien. "Ich muss nach Hause", schluchzte ich und sah ihm in die Augen, "ich.. ich muss gehn". Mario umarmte mich wieder. "Ich bring dich nach Hause", flüsterte er und ließ mich los. Ich saß da wie ein Häufchen Elend. Mario lief in die Duschen um sich von seinen Kollegen zu verabschieden und kam dann gleich wieder zu mir. Er nahm mich im Brautstil auf die Arme und trug ich nach draußen, wo uns Hans und Pep entgegenkamen. "Wird geheiratet?", scherzte Pep, doch Mario zischte nur ein: "Ich muss gehen" und rannte dann mit mir auf dem Arm in die Tiefgarage. Ich bekam kaum etwas mit. Ich konzentrierte mich auf die Straßenlaternen und dachte an meine Mutter. Überall war einfach nur sie. Irgendwann stieg Mario einmal aus und kam nach wenigen Augenblicken wieder, vermutlich war er kurz zuhause gewesen und hatte sich ein paar Sachen eingepackt, dann fuhren wir auf die Autobahn. Mario hielt die ganze Autofahrt meine Hand und schaute mich von der Seite an. Sein Navi schwafelte irgendwelche Kilometerzahlen und Ausfahrten, doch ich hörte nicht hin. Meine Mutter war tot. Weg. Die Frau die 18 Jahre alles für mich gegeben hatte. Die Frau die mich großgezogen hatte. Die Heldin meiner Kindheit. Die Frau die mich dazu überredet hatte nach München zu gehen. Doch am meisten tat der Gedanke nach meinem Vater weh. Er hatte seine große Liebe verloren, vielleicht die Liebe seines Lebens. Der Gedanke daran Mario zu verlieren riss mein Herz fast auseinander. Wieder schossen mir die Tränen in die Augen und ich schloss sie gleich um nicht lauthals los zu heulen. Nach zwei Stunden waren wir dann auch in Bamberg angekommen. Ich beschrieb Mario den Weg zu meinem Haus und nach wenigen Minuten standen wir dann auch davor. Er stieg aus und half mir aus dem Wagen. Das erste mal nach meinem Bruch pochte mein Arm wie verrückt und mein Kopf war voll mit Gedanken. Mario klingelte für mich und dann standen wir vor der geschlossenen Tür. Nach einer gefühlten Ewigkeit öffnete meine Schwester. Ihre Augen waren rot, ihre Haut schneeweiß und ihre Haare zerzaust. Ohne ein Wort zu sagen fiel sie mir in die Arme und fing an zu schreien. Ihre Umarmung ließ mich innerlich zerbrechen. Ich drückte sie an mich und unterdrückte meine eigene Trauer. Dann betraten wir das Haus und liefen ins Wohnzimmer. Vorsichtig nahm ich Marios Hand. Im Wohnzimmer saßen mein Vater, Theo, die Schwestern meiner Mutter Sophia und Nadine, meine Großeltern und ihre beste Freundin Claudia. Meine Oma kam direkt auf mich zugelaufen und fiel mir um den Hals. Sie weinte und atmete schnell. "Es tut mir so leid", weinte sie und drückte mich noch fester. Als ich die Augen wieder öffnete sah ich erst, das mein Bruder in Marios Armen lag, der meine Hand losgelassen hatte. Obwohl sie sich nicht kannten spendete Mario Theo unfassbar viel Trost. Ich atmete laut und lief dann zu meinem Vater, der seine Hände in seinem Gesicht vergraben hatte und legte meinen Arm um ihn. Er schluchzte und legte seinen Kopf auf meine Schulter. Mein Herz schmerzte so sehr als ich in seine verheulten Augen schaute. "Wir schaffen das", versuchte ich ihn zu beruhigen, doch ich wusste selbst nicht wie wir das alles schaffen sollten. Mamas Schwestern lagen sich auch in den Armen und Oma versuchte Anni zu beruhigen, doch es war hoffnungslos. Die schönste Zeit meines Lebens war auf einmal zur schlimmsten Zeit meines Lebens geworden. "Sie konnten nichts mehr machen, Mamas Herz hat einfach nicht mehr geschlagen", meinte mein Vater und sah auf den Boden. Ich nickte nur und drückte ihn wieder an mich. "Darf ich mich hinlegen?", fragte ich meinen Vater, weil ich einfach nicht mehr konnte. Meine Augen waren schwer, meine Beine waren wie taub und mir war unglaublich schlecht. "Natürlich meine Große", flüsterte mein Vater und küsste ich auf die Haare, dann verließ ich wortlos mit Mario, der zuvor immernoch mit meinem Bruder geredet hatte den Raum und lief die Etage hoch in mein Zimmer. "Das ist alles nur ein Traum oder? Das kann nicht war sein. Sag mir das es nur ein böser Traum ist", bettelte ich als ich mich mit meinen Klamotten ins Bett geworfen hatte und mich an Mario klammerte. Er schüttelte aber nur den Kopf: "Es ist kein Traum, aber schlaf erstmal, morgen sehen wir weiter", er klang erschöpft und mitgenommen, doch ich war so froh in dieser schweren Zeit Mario an meiner Seite zu haben, bei dem ich mir sicher sein konnte, dass er bei mir bleiben würde. Ich legte mich in seinen Arm und klammerte mich fest an ihn und schlief dann auch schnell ein.
Mario PoV:
Jenna schlief rasendschnell ein und ich betrachtete sie ein wenig. Ich liebte sie so sehr und wollte sie nicht leiden sehen, doch ich konnte rein gar nichts machen außer sie im Arm zu halten. Am nächsten Morgen wurden wir von Sean Pauls "Summer Paradise" geweckt, es war Jennas Handy. Als sie nicht darauf reagierte nahm ich ihr Handy in die Hand und nahm den Anruf ab. "Götze?", meldete ich mich verschlafen. "Mario, Hi hier ist Svea! Wo ist Jenna?!", fragte ihre Mitbewohnerin aufgeregt. "Warte kurz", meinte ich und verließ das Zimmer, "ihre Mutter hatte einen Herzinfarkt und ist gestern Abend gestorben", klärte ich sie auf und lehnte mich an das Geländer der Treppe. "Oh Gott, wie schrecklich. Wie geht es ihr?", fragte Svea weiter. "Naja kannst du dir ja vorstellen, ihr kanns warscheinlich nicht schlimmer gehn, wir sind in Bamberg und ich wäre dir echt dankbar wenn du sie in der Uni und im Store überall erstmal entschuldigst und alle Sachen solange in München abklärst", meinte ich. "Ja klar mach ich und richt ihr schöne Grüße aus, ich bin immer für sie da", antwortete Svea, "Tschüss Mario". "Tschüss machs gut", dann legte ich auf. Von unten hörte ich Stimmen, deswegen beschloss ich spontan runter zu gehen. Als ich die Küche betrat sah ich Jennas Tanten am Tisch sitzen und in einen Laptop starren. "Guten Morgen", meinte ich und setzte mich dazu. Die beiden sahen auf und lächelten gequält. "Hallo, ich bin Nadine, Jennas Tante", stellte sich die eine vor und reichte mir die Hand. "Hi, Mario", nickte ich kurz und schüttelte dann auch noch der anderen die Hand, die sich als Sophia vorstellte. "Wir organisieren gerade die Beerdigung", seuftze Sophia und drehte den Laptop so, dass ich auch mit rein schauen konnte. Gerade waren sie wohl dabei einen Bestatter aufzusuchen. "Ich mach das", meinte ich entschlossen, "ihr habt ganz andere Sorgen". Die beiden schüttelten gleich den Kopf und brachten mich von meiner Idee ab. "Wir lassen dir doch jetzt nicht einfach die ganze Arbeit machen, du hast sie doch nichtmal gekannt", meinte Nadine, "aber wenn du uns unterstützen willst wäre das wirklich eine große Hilfe". Damit war ich auch zufrieden. "Ich hab mich schon heute früh nach Särgen umgeschaut aber das ist alles so teuer, ich weiß nicht wie wir das zahlen", seufzte Sophia und scrollte herum. "Macht euch keine Sorgen das mit dem Geld bekommen wir schon hin, erstmal ist wichtig wie ihr euch die Beerdigung und alles vorstellt, außerdem muss jemand ins Rathaus", sagte ich. "Das kann ich heute Mittag machen", meinte Nadine. "Wir bekommen das hin, keine Sorge", beruhigte ich die Beiden. "Ich verstehe einfach nicht wieso so was uns treffen kann. Ich hab immer gedacht das passiert nur im Fernsehen das Leute plötzlich wegsterben, vorallem wenn sie so jung sind", flüsterte Sophia, vergrub ihr Gesicht in ihren Händen und begann zu schluchzen. Erst jetzt fiel mir auf wie wenig ich eigentlich von Jennas Mutter wusste. "Wie alt war sie denn?", fragte ich Nadine, die versuchte Sophia zu beruhigen. "37", entgegnete sie kurz. Wow,.. Jenna mit ihren 18 Jahren hatte wirklich eine junge Mutter. "Achso.. tut mir leid aber ich weiß einfach nichts über meine Schwiegermutter", seufzte ich, "ich will nur wissen was sie für eine Frau war". Nadine atmete durch: "Helena war eine wundervolle Person. Sie ist zwar 10 Jahre älter als ich und 6 Jahre älter als Sophia, aber wir konnten immer zu ihr kommen, wenn wir ein Problem hatten. Was ich auch wirklich bewundere ist die Beziehung zu Michael, die beiden haben sich mit 16 kennengelernt und als sie dann mit 19 schwanger war haben sie immer zusammengehalten. Sie war so ein treuer Mensch und man konnte ihr alles erzählen. Nur ein großes Laster hatte sie", jetzt schmunzelte sie sogar, "Helena hatte immer furchtbar Angst um ihre Kinder, sie hat sie ständig angerufen und gefragt wo sie sind. Das hat denen gar nicht gefallen". Mein Mundwinkel zuckte auch kurz nach oben, weil ich mir gerade genau vorstellen konnte wie Jennas Mutter auf die Schlagzeilen in der Zeitung reagiert haben könnte. "Hört sich nach einer tollen Frau an", seufzte ich dann. Die beiden Schwestern nickten nur mit gesenktem Kopf und widmeten dann ihre Aufmerksamkeit wieder dem Laptop zu. Gemeinsam berieten wir uns über die Beerdigung und den Sarg und natürlich über den ganzen Papierkram der erledigt werden musste. Gegen Mittag hatten wir alles erledigt und der Beerdigungstermin stand auch, Mittwoch 13:00 Uhr. Ich rief noch bei der Zeitung an, die eine große Traueranzeige in die neue Ausgabe drucken sollten und machte mir dann eine Tasse Kaffee. Von der restlichen Familie war bis dahin noch nicht viel zu sehen..
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Love never runs out (Mario Götze FF - ON HOLD)
Fanfiction"Lass mal zu der da hinten gehen" - ein Satz, der das Leben zweier Menschen komplett veränderte.