Das Kaminzimmer

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Severus Sicht

Ich war ein durchwegs beherrschter Mann.

Ich ließ so gut wie nie das kleinste bisschen Gefühl zu, denn Gefühle machten schwach. Gefühle behinderten, Gefühle... wer brauchte die?

Ich war schon lange kein Mann mehr, der irgendetwas aus einem Gefühl heraus tat, außer einmal, ein einziges Mal, als ich die Kontrolle verloren hatte und das vernichtend und vollständig.

Diese Schmach war mir erst vor Kurzem passiert und das zum ersten Mal seit vielen Jahren, wenn nicht sogar einem Jahrzehnt und was hatte mich dazu getrieben, die Kontrolle zu verlieren? Genau, sie, eine Frau oder auch besser gesagt sie, das Biest!

Ich war nun etwas indigniert und wütend, dass sie es schaffte, den Unfrieden, den sie stets verbreitete, auch in meine Familie zu bringen. Was fiel ihr nur ein? Ich hatte Draco noch nie so unbedacht im Kampf agieren sehen wie heute und selbst ich war abgelenkt durch Lucius' so wohlkalkulierte, bösartige Worte.

Er war ein Meister darin, jemanden zu verletzen und zu manipulieren. Zu meiner eigenen Verwunderung hatte er es zum ersten Mal seit langer Zeit geschafft, mich zu treffen, um uns so gegeneinander aufzuhetzen. Natürlich, ich hätte es verdient, von Draco auf die Matte geschickt zu werden, für das was ich getan hatte, das wusste ich, aber nicht zu gewinnen lag genauso wenig in meiner Natur wie in Dracos oder Lucius' und wohl auch in Hermiones, denn sie wollte auch immer gewinnen.

Ich hatte ihre Worte noch im Ohr: „Ich brauche keine Hilfe, um meine Rache zu bekommen, die kommt immer und das weiß Draco auch, deshalb wirst du keinen Dank von mir erhalten, Lucius! Und wenn du mir nicht glaubst, kann ich nichts dafür, aber es haben schon viele gedacht, da kommt nichts mehr und dann kam es umso unerwarteter, für sie! So macht es doch wesentlich mehr Spaß, findest du nicht? " Und das Schlimmste war, ich glaubte ihr, ganz und gar.

Das Biest hatte vielleicht mit dem Geschehen insoweit abgeschlossen und mir wohl auch mehr oder weniger vergeben, aber sollte sie mal die Gelegenheit haben, mir eins auszuwischen, dann würde sie es tun, um ihre Rache zu bekommen und um diese zu genießen. Das war sehr Slytherin und sehr Malfoy von ihr.

Eine Tatsache, die ich respektieren konnte!

Ich war schockiert, dass sie wirklich so war und ich wusste nicht, ob dies Lucius in seiner ganzen Tragweite aufgefallen war, aber sie hatte durch diese Aussage in meinem Verständnis sehr tief blicken lassen. Ich hatte gleich wieder an Rita Skeeter denken müssen, den Käfer, wie Hermione sie immer nannte.

Genau, das Biest hatte erzählt, dass sie ihr gehörte und nach den bösartigen Artikel im vierten Schuljahr schien sie sich Skeeter geschnappt und Rache geübt zu haben, in irgend einer Art und Weise und anscheinend hatte sie mehr als nur Erfolg gehabt, ich zweifelte nicht an ihr.

Ja, dieses kleine Biest sollten wir, was mich einschloss, nicht unterschätzen, zu keiner Zeit.

Dabei grübelte ich über Dracos Aussage nach und ja, er hatte recht, ich hatte ihr einen begehrlichen, verlangenden Blick zugeworfen, aber sie war zu verführerisch, warum reizte sie mich derart? Nach allem was vorgefallen war?

Bei ihr fiel es mir wirklich schwer, meiner Begierde nicht nachzugeben, obgleich ich sonst ein sehr genügsamer, fast schon asketischer Mann war.

Als wir dieses unerwartete, aber sehr verständige Gespräch geführt hatten, nach der Testamentsverlesung, hatte ich mich sehr wohl mit ihr gefühlt und sie sich mit mir, das wusste ich, da ich sie nun schon besser kannte.

Aber trotz allem schaffte sie es noch immer, mich zu überraschen, zum Beispiel als sie die Tür zur Kneipe selbstbewusst in ihrem schmeichelhaften Kapuzenkleid durchschritten und dann unverfroren die Kapuze vom Kopf gezogen hatte.

When Hermione FightsWo Geschichten leben. Entdecke jetzt