Notaufnahme

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Als das Taxi mit quitschenden Reifen vor dem Flughafen hielt, warf ich dem Fahrer einen Schein entgegen, der die Fahrtkosten abdeckte und sich ordentlich dafür bedankte, dass er sämtliche Verkehrsregeln gebrochen hatte. Schnell stieg ich aus und rannte in das Flughafengebäude hinein. Ich hatte noch zehn Minuten bis das Boarding enden würde und hoffte einfach entgegen aller Vernunft, dass ich das noch schaffen würde. 

Glücklicherweise gab es so spät nachts keine Schlange mehr vor dem Security Check, weshalb ich schnell hinlaufen, Bademantel und Wertsachen in die Box auf dem Fließband legen und durch den Scanner gehen konnte. Von allen Seiten wurde ich dabei skeptische beäugt, da ich einfach nur Badehose und Badelatschen trug. Daher war ich fast schon froh, als ich im Anschluss an die Sicherheitskontrolle meinen Bademantel wieder anziehen konnte.

So gut es mein zweifelhaftes Schuhwerk zuließ, sprintete ich durch die Flughafenhalle in die Richtung, die mir der Sicherheitsbeamte soeben erklärt hatte. Schließlich ging ich nach ein paar hundert Metern durch die Schleuße für internationale Flüge hindurch, bei der ich glücklicherweise auch so schnell wie nie zuvor passieren konnte. Während ich mit Tunnelblick durch die langen Hallen sprintete, hörte ich, wie mein Name über Lautsprecher ausgerufen wurde und ich dazu aufgefordert wurde, mich am Gate einzufinden. Gehetzt legte ich nochmals einen Zahn zu und kam dann auch schon kurze Zeit später am Gate an. Schwer atmend kramte ich mein Smartphone und meine Geldbörse aus der Tasche meines Bademantels und zeigte meinen Boardingpass sowie meinen Reisepass vor. 

Die Flugbegleiter ersparten sich den Tadel und sahen mich jeweils nur mit einer hochgezogenen Augenbraue an, bevor sie mich weiter zum Flugzeug lotsten. Da ich den Flug so last minute gebucht hatte, kam nur noch der Flieger einer Billig-Airline infrage, weshalb ich notgedrungen Holzklasse fliegen musste. Auch wenn das bedeutete, dass noch in der Nacht alle Welt von meiner Flucht vor der Weltmeisterschaft erfahren könnten.

Ich atmete noch einmal kurz tief durch, dann betrat ich das Flugzeug, welches zu meinem Bedauern fast ganz ausgebucht war. Mit gesenktem Kopf lief ich den Gang entlang bis zu Reihe 22, wo ich einen Mann in seinen Sechzigern bitten musste, kurz aufzustehen, damit ich mich auf den Mittelsitz setzen konnte. Glücklicherweise schien er nicht sehr gesprächig. Dennoch war mir nicht entgangen, wie ich viele verwunderte Blicke von anderen Fluggästen geerntet hatte. In völligem Kontrast dazu erntete ich von dem Mann auf dem Fensterplatz, welcher ungefähr zehn Jahre älter als ich sein musste, nur abfällige Blicke. Wohl aufgrund meines Aufzugs.

Ich rutschte tief in meinen Sitz hinein und versuchte, den Kopf gesenkt zu halten, um ja keine Aufmerksamkeit zu erhalten. Doch schon als ich das nächste Mal aufblickte, sah ich aus dem Augenwinkel, wie der Mann am Mittelgang heimlich ein Selfie mit mir machte. Da ich aufgrund der Situation bereits missmutig gestimmt war, aber eine größere Diskussion verhindern wollte, stellte ich mich schlafend. 

In London angekommen, konnte ich das Flugzeug gar nicht schnell genug verlassen. Jede einzelne Sekunde, in der ich im Flugzeug darauf wartete, dieses endlich verlassen zu können, fühlte sich beinahe wie eine Ewigkeit an. Ich musste mich schwer beherrschen nicht einfach laut loszupöbeln. 

Völlig gestresst sprintete ich einige Zeit später durch das Flughafengebäude direkt zur Ankunftshalle. Dort stand bereits ein Mann in schwarzem Anzug gekleidet, der ein Schild mit meinem Nachnamen hochhob. Als ich auf ihn zukam, nickte er mir zu und wir verließen gemeinsam schnellen Schrittes den Flughafen.

Mein Herz pulsierte wie verrückt, als wir durch die nächtlich erleuchteten Straßen Londons fuhren, die auch jetzt, weit nach Mitternacht, noch gut belebt waren. Vor dem Krankenhaus stieg ich aus und rannte direkt in Richtung der Notaufnahme. Als ich auch hier alle Eingänge passiert hatte, konnte es mir gar nicht schnell genug gehen, jemanden zu finden, der mich zu meinem Mann bringen würde. Schnell sprach ich den nächstbesten Menschen an, der wie übliches Krankenhauspersonal gekleidet war: hellblaues Oberteil und hellblaue Hose.

Only The Brave || Larry AUGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt