Hektisch rannte ich hinaus in den Flur, da hörte ich, wie die Haustüre krachend ins Schloss fiel. Ich sprintete den Gang entlang, riss die Tür auf und konnte gerade noch dabei zusehen, wie Lottie ihren roten Ferrari aus dem Hof lenkte und mit quietschenden Reifen davonbrauste. „Verdammt!", rief ich aus, machte auf dem Absatz kehrt und rannte schnell zurück zu den anderen. „Ich brauche den Autoschlüssel", rief ich Harry zu, als er in meinem Sichtfeld erschien.
Gehetzt fuhr ich mir durch die ohnehin schon zerzausten Haare und beobachtete währenddessen meinen Freund dabei, wie er erst verwirrt die Augenbrauen in die Höhe zog, dann aber eine Hand in seiner Hosentasche verschwinden ließ. Keine Sekunde später warf er mir den Schlüssel zu und sah mich dabei mehr als besorgt an. Doch ich hatte keine Zeit für Erklärungen. Ich ließ meine Familie hinter mir und sprintete schon fast aus dem Haus hinaus, froh darüber, dank meines Berufes in Topform zu sein.
Mit einem Klick öffnete ich das Auto, schwang mich eilig hinter das Steuer und drückte das Gaspedal voll durch, um Lottie schnellstens hinterherzujagen. Mein Herz klopfte wie wild, als ich eine Geschwindigkeitsüberschreitung nach der anderen beging und mein Auto nicht ganz umsichtig zwischen all den anderen Fahrzeugen hindurch schlängelte. Immer wieder überholte ich Autos und bremste andere dadurch aus, was mich aber nicht weniger interessieren könnte. Doch als ich gerade noch das tiefe Rot einer Ampel ignorieren wollte, startete der Querverkehr und zwang mich dazu, fest in die Bremsen zu sehen. Tatenlos musste ich dabei zusehen, wie Lotties protziges Fahrzeug im Stadtverkehr verschwand und mir keine Chance ließ, ihr zu folgen.
Ich schlug aufgebracht mit meiner Faust auf mein Lenkrad, bevor ich verzweifelt brüllte und meine Hände in meinen Haaren festkrallte. Quälend lange Minuten musste ich dabei zusehen, wie Fahrzeuge kreuzten und mir somit den Weg versperrten. Als dann endlich das verhasste Rot der Ampel einem Gelb Platz machte, trat ich erneut auf das Gaspedal und fuhr mit aufheulendem Motor davon. Ich hatte keinen blassen Schimmer, wo Lottie sein könnte, daher fuhr ich einfach gerade aus, hoffend auf irgendwelche Anhaltspunkte. Doch schon einige Blocks weiter wurde mir bewusst, dass es für meine Schwester in dieser Richtung nur einen Ort geben konnte, zu dem sie wirklich einen Bezug hatte.
Einen tiefen Atemzug nehmend krallte ich mich mit meinen Händen verkrampft am Lenkrad fest und fuhr nervös die restliche Strecke, woraufhin ich fast schon panisch mein Auto auf dem Friedhofsparkplatz abstellte. Dass ich dafür beinahe drei Parkplätze blockierte, war mir dabei völlig egal. Bevor ich allerdings weiter die Verfolgungsjagd aufnehmen konnte, vergönnte ich mir einen Moment, in welchem ich die Angst vor dem kommenden zuließ. Erst dann blendete ich alles aus, griff mit zitternden Händen nach meinem Autoschlüssel und sprang aus dem Wagen.
An hastiges Sprinten, wie ich es vorhin noch im Haus getan hatte, war gar nicht mehr zu denken. Denn jeder einzelne Schritt kostete mich so viel Überwindung, dass es ein Wunder war, dass ich überhaupt voran kam. Außerdem hüllte mich die kalte Dezemberluft immer weiter ein, sodass ich mich kurzzeitig dafür verfluchte, nur mit einem Rollkragenpullover das Haus verlassen zu haben. Doch mich bei meiner Schwester zu entschuldigen und vor ihr für meine Taten geradezustehen, war momentan wichtiger als alles andere.
Noch ehe ich sie sah, konnte ich Lotties herzzerreißendes Schluchzen hören, was mich einen Moment zum Innehalten bewog. Dann fasste ich all meinen Mut zusammen und ging die letzten Schritte. Doch kaum war Lottie in meinem Blickfeld erschienen, verharrte ich erneut, denn das Bild, das sich mir bot, ließ mich schlagartig in Schuldgefühlen ersticken. Meine Schwester saß auf der matschigen Erde, die der Regenschauer der letzten Nacht hinterlassen hatte, die Fersen in den Dreck gestemmt und die Ellbogen auf den Knien abgestützt. Ihr Gesicht sah ich nicht, denn die Kapuze ihres waldgrünen Parkas hatte sie weit über den Haaransatz hinab gezogen. Nur die Spitzen ihrer wasserstoffblonden Haare hatten sich im Fell der Kapuze verhakt.
Doch was mich am meisten beunruhigte, war das kleine durchsichtige Tütchen, das neben Lottie am Boden lag. Darin waren die Überreste von dem, was wohl seinen Weg in das zusammengerollte Papier gefunden hatte, das nun zwischen ihren Fingern ruhte. Schockiert musste ich dabei zusehen, wie Lottie immer wieder versuchte, den Joint anzuzünden, obwohl ihr Feuerzeug aber wie es schien den Geist aufgegeben hatte. Mit einem lauten Ächzen pfefferte sie das silberne Kästchen schließlich von sich, sodass es scheppernd zwei Reihen weiter gegen einen Grabstein knallte und im hohen Gras verschwand. Schweigend sah ich dabei zu, wie auch das mit Marihuana gefüllte Drehpapier zu Boden fiel.
„Lottie", sprach ich vorsichtig ihren Namen aus, konnte mir dabei einen vorwurfsvollen Unterton aber nicht verkneifen. Ich hatte ihren Drogenkonsum immer angeprangert, aber sie hatte sich nie etwas einreden lassen wollen. Aber seit Fizzy meinetwegen starb, folterte mich der Gedanke, Lottie könnte ihrem Drogenkonsum erliegen. Meinetwegen.
„Verpiss dich, Arschloch", rief meine Schwester mit tränenverhangenen Augen, während sie mir einen verachtenden Blick zuwarf. Obwohl ich nur allzu gerne ihrem Wunsch nachkommen würde, vergrub ich meine Hände in den Hosentaschen meiner viel zu engen Jeans und trat einen Schritt näher zu Lottie. „Hörst du nicht? Ich sagte, du sollst dich verpissen", schrie sie außer sich und vergrub schluchzend ihr Gesicht in ihren Händen.
„Ich", begann ich leise, doch der Wind wehte so stark, dass ich mir sicher war, dass diese Geräusche gar nicht bei Lottie ankamen. „Lottie... ich... es tut mir leid", flüsterte ich und hoffte nun schon fast, sie würde die Worte gar nicht hören. Doch natürlich hatte sie es gehört. Meine Schwester stieß einen wütenden Laut aus, dann sprang sie in einem Satz auf, wobei ihr die Kapuze vom Kopf rutschte und ihr verzweifeltes Erscheinungsbild offenbarte. „Es tut dir leid?", schrie sie und ballte ihre Hände zu Fäusten. „Du tauchst hier auf und sagst, es tut dir leid?", fragte sie eiskalt, bevor sie eine Hand aggressiv durch die Luft fliegen ließ und mich herausfordernd anfunkelte. „Du bringst meine Schwester um, dann feierst du Weihnachten bei meiner Familie und sagst, es täte dir leid? Sag mal, bist du noch ganz bei Trost?"
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[1001 Wörter, 20.10.2020]
Lottie kifft... Und scheinbar nicht zum ersten Mal. Und für Louis ist alles eine große Überwindung. Obwohl er die richtigen Absichten hat. Aber dieses Mal ist kein Harry da, der ihm sagt, was er tun soll... Was meint ihr, wie wird sich das Gespräch mit Lottie entwickeln?
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Only The Brave || Larry AU
FanfictionLouis ist Profi-Fußballer, dessen Leben zur Zeit nicht besser laufen könnte. Wäre da nicht eine Begegnung, die ihn nicht loslassen wollte. [ziemlich lange Larry Au] ACHTUNG TRIGGERWARNUNG: Diese Geschichte thematisiert Suizid und Missbrauch. Diese K...
