Schwägerin

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„Einen Moment, bitte, Louis", forderte Gemma und blickte nun ebenfalls in Richtung der beiden Männer. „Weißt du, was mit meinem Bruder los ist? Ist er krank? Er ist doch sonst immer eine regelrechte Wasserratte", fragte Gemma und drückte gleichzeitig eine Taste auf dem Diktiergerät. „Ich denke, ich weiß, was mit ihm los ist", antwortete ich bedrückt, denn auch wenn sein Verhalten für mich verständlich war, machte ich mir deshalb nicht weniger Sorgen um ihn. „Darf ich das hier für einen Moment unterbrechen? Ich würde gerne mit ihm reden", meinte ich und nahm meinen Blick dabei nicht eine Sekunde von meinem Freund. Dieser hatte mittlerweile seine Beine angewinkelt und hielt mit beiden Händen seine Kamera, auf der er wohl gerade irgendwelche Bilder ansah.

„Natürlich, Louis. Wir können das an dieser Stelle auch beenden. Ich denke, ich habe genügend Stoff für den Artikel", meinte Gemma lächelnd. Erleichtert atmete ich durch, denn so viel Offenheit und Ehrlichkeit war mir bei Weitem nicht leicht gefallen. „Gut", erwiderte ich, dann formte ich mit meinen Lippen ein schiefes Grinsen. „Es ist schon seltsam, dass meine Schwägerin in spe so viel über mich weiß", meinte ich, woraufhin ich ein Schmunzeln von meiner Gegenüber erhielt. „Ich finde es nicht seltsam, so viel über den Freund meines Bruders zu wissen. Auf jeden Fall weiß ich jetzt, dass es dir ernst mit ihm ist", entgegnete Gemma lächelnd. Ich nickte langsam, dann blickte ich wieder zu Harry. „Diesen Mann werde ich irgendwann heiraten", sagte ich leise, dann sprang ich von meinem Platz auf und marschierte, ohne eine Antwort abzuwarten, zu Harry hinüber.

 „Hey", machte ich leise auf mich aufmerksam, während ich mich ihm zugewandt auf seine Liege setzte und meine Beine zum Schneidersitz verschränkte. „Ist das Interview schon vorbei?", fragte Harry überrascht, als er von seiner Kamera aufblickte. „Deine Schwester hatte wohl genug von mir", lachte ich und musterte ihn dabei genau. „Kann ich nicht nachvollziehen", sagte mein Freund und setzte sich nun etwas auf, um mit mir auf Augenhöhe zu sein. Ich zuckte mit den Schultern, dann blickte ich für einen Augenblick über meine Schulter zum Pool, bevor ich wieder Harry ansah. „Ich verstehe, dass du nicht scharf darauf bist, schwimmen zu gehen. Aber ist es, weil du Angst vor dem Wasser hast oder weil du nicht willst, dass ich Angst habe, wenn ich dich im Wasser sehe?", hakte ich besorgt nach.

Harry seufzte lautstark, dann legte er seine Kamera zwischen uns auf der Liege ab. „Ich denke aus beiden Gründen", gab er zu. Ich nickte langsam und atmete anschließend tief durch. „Das mag jetzt verrückt klingen, aber was hältst du davon, mit mir zusammen ins Wasser zu gehen? Wir müssen ja nicht schwimmen, es reicht ja, wenn wir bis zum Bauchnabel im Wasser sind", machte ich einen waghalsigen Vorschlag. „Ist das dein Ernst?", wollte Harry mit großen Augen wissen. „Also ich habe ja keine Ahnung von Psychologie, aber ich denke, wir werden uns sonst nie wieder ans Wasser trauen. Außerdem ist das hier nur ein Pool und Michal und Gemma stehen zu unserer Rettung bereit", formte ich meinen Plan weiter aus.

Mein Freund sah nicht besonders überzeug aus, dennoch blickte er eine Weile lang an mir vorbei zum Pool, wo er Michal dabei beobachtete, wie er einige Bahnen zog. „Gut, lass es uns versuchen", murmelte er schließlich. „Wir können jederzeit abbrechen", ergänzte ich, während wir uns gleichzeitig von der Liege erhoben. Oben im Schlafzimmer entledigte ich mich direkt all meiner Klamotten, die ich einfach aufs Bett warf, während Harry zuerst im Schrank nach seiner Badehose kramte und sich dann unschlüssig aufs Bett setzte. 

„Harry", seufzte ich und griff, nackt wie ich war, nach seiner Hand. „Wenn dir das zu viel ist, dann lassen wir das. Wir könnten eine Therapie machen, wenn wir wieder zu Hause sind", schlug ich vor und legte meine Hände an seine Oberarme. Mein Freund erwiderte meinen Blick auf eine unglaublich einnehmende Weise, dann schüttelte er seinen Kopf und legte seine Arme um mich. Wortlos ließ ich meine Arme in seinen Nacken wandern, während er seine Hände besitzergreifend auf meinen Rücken legte. „Das habe ich jetzt gebraucht", raunte er mir zu und presste mich dabei noch enger an sich. Ich sparte mir eine Antwort, denn ich wusste, wie kuschelbedürftig er manchmal sein konnte. Nur zu gerne stand ich dafür bereit.

„Oh wow, tut mir leid", hörten wir plötzlich Gemmas überraschte Stimme, gefolgt von dem Knallen einer Tür. Lachend löste ich mich von Harry, dann kramte ich ebenfalls meine Badehose aus dem Schrank heraus und zog diese an. „Du kannst reinkommen, Gemma", rief ich, woraufhin Harrys Schwester peinlich berührt zur Tür herein lugte.  „Es tut mir leid, ich wollte nicht stören. Ich habe mir nur Sorgen um dich gemacht, Harry. Bist du krank, oder warum bist du nicht schwimmen gegangen?", wollte sie wissen. „Gemma", sagte mein Freund daraufhin und umschloss meine Hand mit festem Griff. „Bitte flipp nicht gleich aus, aber es gibt tatsächlich einen Grund", begann er zaghaft mit einer Erklärung. „Ich war leichtsinnig und wurde deshalb vor ein paar Tagen im Meer von einer Strömung mitgerissen. Louis hat mich gerettet, ansonsten hätte ich es da wohl nicht mehr heraus geschafft", flüsterte er kaum hörbar. 

Ich beobachtete, wie Gemmas Augen riesengroß wurden und ihr der Mund aufklappte. Für einen kurzen Moment blickte sie zu mir, als würde sie bei mir Bestätigung suchen, ob das wirklich der Wahrheit entsprach. Doch als ich nur bestätigend nickte, traten ihr sogleich Tränen in die Augen und sie schlug sich zitternd eine Hand auf den Mund. „Harry", flüsterte sie, dann fiel sie ihrem Bruder in die Arme. Kaum hatte sie sich wieder von ihm gelöst, zog sie auch mich in ihre Arme. „Danke, danke, danke, Louis. Danke, dass du meinen kleinen Bruder gerettet hast", schluchzte sie nahe an meinem Ohr. 

„Gemma, würdest du mit uns schwimmen gehen?", fragte Harry und begann dabei, seinen Pullover auszuziehen und zu meinen Sachen auf das Bett zu werfen. Sie musterte uns beide überrascht, dann nickte sie. „Wenn ihr das wollt, natürlich. Jetzt sofort?" Harry musste nur nicken, da war es für seine Schwester beschlossene Sache, weshalb sie sogleich aus dem Zimmer verschwand. 

„Hast du Angst vor dem Wasser?", wollte Harry mit ehrlichem Interesse in der Stimme wissen, als er sich langsam die Hose von den Beinen zog und sich anschließend vollends entblößte. Ich setzte mich aufs Bett und beobachtete ihn dabei. Währenddessen schüttelte ich meinen Kopf. „Nein. Damals im Pool, das war eine völlig andere Situation. Heute habe ich jeden Grund, mich wieder an die Oberfläche zu kämpfen. Außerdem hatte ich auch im Meer keine Angst vor dem Wasser. Ich hatte nur Angst um dich", erklärte ich ihm, was in mir vorging.

Harry nickte, dann schlüpfte er in seine gelbe Badehose, während ich zwei Bademäntel aus dem Schrank zog. „Diese Badehose könnte mich glatt auf andere Gedanken bringen", schmunzelte ich und zerstörte dadurch die ernste Atmosphäre, die noch zuvor zwischen uns geherrscht hatte. „Heb dir den Gedanken für heute Nacht auf", entgegnete Harry und zwinkerte mir dabei lächelnd zu. Irgendwie bekam ich das Gefühl, dass er genau diese Art von Ablenkung im Moment nötig hatte. Schnell griff ich nach seiner Hand und verschränkte unsere Finger, dann ging ich mit ihm gemeinsam durch das Haus und nach draußen, wo Michal noch immer im Becken umhertollte. 

Gemma trat kurze Zeit später neben uns und blickte uns nachdenklich an, dann lächelte sie uns aufmunternd zu und hüpfte anschließend zu ihrem Freund ins Becken. Ich beobachtete Harry dabei, wie er den beiden eine Weile beim Schwimmen zusah, bevor er meine Hand losließ und seinen Bademantel auszog.

Ich bemerkte, wie sich augenblicklich eine Gänsehaut auf seinem Oberkörper ausbreitete, denn die Dezemberluft hüllte uns in eine unangenehme Kälte. Schnell warf auch ich meinen Bademantel auf den Boden und griff wieder nach seiner Hand. Gemeinsam liefen wir zu dem Ende des Pools, an welchem breite Stufen ins Wasser hinein führten.

Mein Freund verstärkte den Druck auf meine Hand, weshalb mein Blick automatisch wieder zu ihm wanderte. Ich sah Besorgnis in seinen Augen, die auch ich empfand. Doch außerdem entdeckte ich noch Unbehagen, weshalb ich mich an einem zaghaften Lächeln versuchte. „Wir kriegen das hin", murmelte ich, dann betraten wir die oberste Stufe. Das warme Wasser, das uns nun bis zu den Knöcheln stand, bildete einen enormen Kontrast zu der kühlen Umgebungstemperatur und entfachte in mir den Wunsch, mich vollkommen in diese Wärme zu hüllen.

Ich ging eine Stufe weiter hinab, sodass ich bis zu den Knien im Wasser stand und musterte meinen Freund, der seinen Blick fest an die Wasseroberfläche geheftet hatte. „Du hast keine Angst?", erkundigte er sich im Flüsterton, während sein Blick sich mit meinem verhakte. „Nein", erwiderte ich lächelnd und erhöhte gleichzeitig den Druck auf seine Hand. Ich hatte wirklich keine Angst. In diesem Moment wollte ich einfach nur für ihn da sein.

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[1465 Wörter, 12.12.2020]

Was denkt ihr über Gemma? Von Michal wissen wir ja noch nicht allzu viel, was erwartet ihr noch von ihm? Und was haltet ihr von dieser ganzen Pool-Aktion? Und spürt ihr auch die Liebe zwischen Larry?

Übrigens, wer sieht sich heute Abend Louis' Konzert an? Ich habe ein 'Ticket' und bin super gespannt. Ich wünsche euch einen wunderschönen Abend:)

Only The Brave || Larry AUGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt