Kaum hatte ich meinen Satz beendet, konnte man Dan förmlich dabei zusehen, wie ihm ein Licht aufging. Er räusperte sich kurz, dann sah er zu den Zwillingen. „Doris, Ernest, ab ins Bett mit euch. Ich bin sicher, Louis kommt noch vorbei, um euch gute Nacht zu sagen." Man sah den beiden an, dass sie gerne noch länger geblieben wären, dennoch verließen sie kurze Zeit später schmollend den Raum. „Verstehe ich das richtig? Ihr seid ein Paar? Oder seid ihr einfach nur sehr gute Freunde?", fragte Dan ohne Umschweife, als wir wieder unter uns waren. Ich spürte, wie Harry meine Hand etwas fester drückte, woraufhin ich meinen Blick ihm zuwandte.
Als ich in sein Gesicht sah, schien die Welt um uns herum vergessen. Alles was ich wahrnahm war Harry, der seine Lippen zu einem freudigen Grinsen verzog und dessen Augen geradezu funkelten. Ein sanftes Gefühl der inneren Zufriedenheit rauschte durch meinen Körper, als ich mich immer mehr in seinen Augen verlor. „Ich schätze, wir sind mehr als nur gute Freunde", gab ich zu und hob unsere verschränkten Hände an. Obwohl ich immer Angst davor gehabt hatte, mich zu outen, fühlte es sich jetzt überraschend einfach an.
„Das kommt jetzt unerwartet", rief Dan aus und zerstörte somit unseren Moment. „Louis, ich wusste gar nicht, dass du..." Er ließ den Rest der Frage in der Luft hängen, doch ich wusste auch so, was er wissen wollte. „Ich bin bisexuell. Ich habe bisher aber nur Lottie davon erzählt. Und Eleanor weiß mittlerweile auch Bescheid", klärte ich ihn auf. Dan schwieg einen Moment, in welchem er wohl das Gesagte verarbeiten musste. „Also ist Eleanor nur deine Scheinfreundin?", erkundigte er sich gedankenverloren. Schnell schüttelte ich den Kopf. „Sie war wirklich meine Freundin."
Ich löste meine Hand aus Harrys und kuschelte mich stattdessen an ihn. Zufrieden nahm ich wahr, wie er seinen Arm um mich legte und mich noch näher zu sich zog. „Da gibt es noch etwas", eröffnete ich, als mir einfiel, dass ich ein wichtiges Detail vergessen hatte zu erwähnen. „Eleanor ist schwanger. Ich werde Vater." Dans Augenbrauen wanderten nach oben und seine Augen schienen ihm aus dem Kopf zu fallen, während er seinen erstaunten Blick von mir zu Harry wandern ließ.
„Also du verstehst es wirklich, mich zu überraschen, Louis. Ich freue mich natürlich für euch. Werden du, Harry und Eleanor das Kind dann zusammen großziehen?" Kaum hatte Dan seine Frage gestellt, hatte ich wieder das Bild im Kopf, wie Harry im Krankenhaus Bear gehalten hatte. Wie liebevoll er sich um ihn gekümmert hatte. Ein sanftes Lächeln zierte mein Gesicht, als ich mir vorstellte, es wäre Freddie, der in seinen Armen lag.
Harry sah mich neugierig an und knabberte an seiner Unterlippe, als wäre er selbst auf die Antwort gespannt. „Das kann ich dir leider noch nicht beantworten, Dan", erklärte ich ihm wahrheitsgetreu, wissend, dass ich erst mit Harry und Eleanor darüber reden sollte. Dans Neugierde schien vorerst gestillt zu sein, denn er verabschiedete sich kurz darauf, um schlafen zu gehen. Harry holte daraufhin unsere Taschen aus dem Auto, dann machten wir uns auf in mein altes Zimmer, welches er ausgiebig in Augenschein nahm.
Währenddessen spickte ich in das Zimmer der Zwillinge, aus welchem noch verhaltenes Gekicher zu hören war. „Schlaft ihr denn noch nicht?", fragte ich leise in die Dunkelheit hinein, was mit noch mehr Gekicher belohnt wurde. Vorsichtig bahnte ich mir einen Weg durch das Zimmer und ließ mich dann auf Doris Bettkante nieder. „Wir haben dich vermisst, Lou", hörte ich sie flüstern, als ich mich vorbeugte und ihr einen Kuss auf die Stirn drückte. „Ich habe euch auch vermisst", gestand ich und streichelte ihr sanft über die Wange.
„Kommst du uns ab jetzt wieder häufiger besuchen?", wollte Ernest wissen. „Ja, ich werde euch wieder öfter besuchen kommen. Oder ihr kommt zu mir nach London. Übrigens werdet ihr beide bald Onkel und Tante, Eleanor und ich bekommen nämlich ein Kind", informierte ich sie, woraufhin die beiden so laut kreischten, dass ich glaubte, mir würden jeden Moment die Ohren abfallen. Ernest schaltete dann das Licht an und kam aufgeregt zu uns herübergerannt, während Doris Augen leuchteten, als würden Weihnachten und Ostern auf einen Tag fallen.
„Und wann werde ich Tante?" Doris war ganz hibbelig, als wollte sie, dass Freddie schon Morgen zur Welt käme. „In fünf Monaten ungefähr." Ich schmunzelte etwas, dann streichelte ich Ernest durch die Haare. „Dann will ich in fünf Monaten bei dir und Eleanor wohnen", beschloss Doris voller Tatendrang. Auch wenn diese Vorstellung zu schön wäre, wurde sie gedämpft von der Tatsache, dass Eleanor und ich unseren Sohn nicht gemeinsam aufziehen würden. „Das wäre zu schön. Nur leider wohne ich nicht mehr mit Eleanor zusammen. Wir sind kein Liebespaar mehr", versuchte ich ihr meine Situation zu erläutern.
„Nicht?", fragte Ernest mit großen Augen. Ich schüttelte den Kopf und lächelte verschmitzt. „Ich bin jetzt in jemand anderen verliebt", erzählte ich, während meine Gedanken automatisch wieder zu Harry wanderten und meine Mundwinkeln in die Höhe zuckten. „Jetzt aber ins Bett", bestimmte ich, da ich weiteren Fragen noch nicht gewappnet war. „Gute Nacht, ihr beiden. Schlaft gut", wünschte ich noch und verließ den Raum.
Als ich in mein Zimmer zurückkehrte, lag Harry nur in Boxershorts bekleidet in meinem Bett. „An diesen Anblick könnte ich mich gewöhnen", beschloss ich und betrachtete ausgiebig seinen halbnackten Körper. Ich kickte die Tür hinter mir zu, dann zog ich mich ebenfalls bis auf die Boxershorts aus und setzte mich auf Harrys Mitte. Meine Hände ließ ich zärtlich über seinen Oberkörper gleiten, während ich meinen Blick fest mit Harrys verhakt hatte. Bevor ich allerdings seine Boxershorts erreichen konnte, griff Harry nach meinen Händen und verschränkte unsere Finger.
Als ich seinen ernsten Gesichtsausdruck sah, schwenkte auch meine Stimmung um. Seufzend schloss ich meine Augen, um den Tag Revue passieren zu lassen. „Heute hast du viel geschafft, Lou", fasste Harry es treffend zusammen. Ich nickte und erwiderte seinen forschen Blick. Da gab es eine Sache, die mich noch immer beschäftigte. „Ich werde Vater", versuchte ich einen Anfang für das zu finden, was ich eigentlich sagen wollte. Harry nickte langsam und lächelte mich an. „Du wirst ein großartiger Vater, Louis. Es war heute schön mit anzusehen, wie du mit deinen Geschwistern umgehst."
Ich kräuselte meine Stirn und dachte über seine Worte nach. Schließlich hatte ich mich in den letzten Monaten als kein besonders guter Bruder erwiesen. „Wenn Freddie da ist, wird er wahrscheinlich die Wochenenden bei mir verbringen...", überging ich seine Aussage und kam meiner eigentlichen Frage ein wenig näher. „Könntest du dir überhaupt vorstellen, einen Freund zu haben, der schon ein Kind hat?", sprach ich endlich aus, was mich schon seit Dans Fragerei verfolgt hatte.
„Freund?", erwiderte Harry schmunzelnd und zog neckisch eine Augenbraue in die Höhe. Als ich bemerkte, was ich da gesagt hatte, knabberte ich unsicher an meiner Unterlippe. Harrys Lächeln schien nur noch breiter zu werden, während wir uns minutenlang einfach nur in die Augen sahen.
„Ja, Louis. Ich kann mir vorstellen, einen Freund zu haben, der bereits ein Kind hat. Und ich kann mir auch vorstellen, dein fester Freund zu sein."
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[1172 Wörter, 04.08.2020]
Louis kommt seiner Familie langsam näher... und Harry auch :)
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Only The Brave || Larry AU
FanfictionLouis ist Profi-Fußballer, dessen Leben zur Zeit nicht besser laufen könnte. Wäre da nicht eine Begegnung, die ihn nicht loslassen wollte. [ziemlich lange Larry Au] ACHTUNG TRIGGERWARNUNG: Diese Geschichte thematisiert Suizid und Missbrauch. Diese K...
