Kurze Zeit später lagen wir zusammengekuschelt unter Harrys Decke und genossen die Nähe zueinander. Meinen Kopf hatte ich auf seine Brust gebettet, wo ich die dumpfen Geräusche seines Herzschlages unter meinem Ohr hören konnte. Harry hatte außerdem seine Arme um mich geschlungen, mit denen er mich festhielt, als wollte er mich nie wieder loslassen.
„Louis?", brummte er in die Dunkelheit hinein. „Ja?", flüsterte ich zurück. Ich hörte, wie er schluckte und anschließend seinen Atem anhielt. „Ach nichts", kam seine Antwort. Mit geschlossenen Augen atmete ich einmal tief durch, dann raffte ich mich auf und suchte in der Dunkelheit nach dem Lichtschalter. Als Helligkeit das Zimmer durchflutete legte ich mich wieder zu Harry und griff nach seiner Hand. „Was ist los?", erkundigte ich mich, wohl wissend, dass wir jetzt eine ernsthafte Unterhaltung führen würden. Und mir graute es vor solchen Unterhaltungen.
„Ich denke, ich würde es nicht ertragen, dich wieder mit Eleanor zu sehen", gab er leise zu. Ich bemerkte, wie schwer es ihm fiel, diese Worte laut auszusprechen, denn er stockte immer wieder und hatte seine Stirn nachdenklich in Falten gelegt. Ich nickte, denn ich konnte ihn verstehen. Ich könnte es auch nicht ertragen, ihn mit einem anderen Mann zu sehen. Alleine der Gedanke daran verursachte Übelkeit in mir. Und doch wusste ich, dass ich Eleanor nicht einfach aufgeben konnte.
„Sie ist die Mutter meines Kindes", versuchte ich ihm mein Dilemma zu erklären. Harry kniff seine Augen zusammen und nickte langsam. „Ich weiß. Aber man sollte nicht des Kindes wegen an einer Beziehung festhalten. Das geht nie gut aus." Diesen Spruch hatte ich auch von meiner Mutter immer zu hören bekommen. Ich hatte gerade das große Bedürfnis, sie um Rat zu bitten. Doch das war leider nicht mehr möglich.
„Was willst du von mir, Harry", fragte ich ihn, da ich im Moment mit meinen eigenen Emotionen vollkommen überfordert war. Harry löste seine Hand aus meiner und raufte sich die Haare. „Bitte, Louis. Denk wenigstens darüber nach, dich komplett von ihr zu trennen", sprach er aus, was für mich Traum und Albtraum zugleich bedeutete. „Und was dann, Harry? Dann laufe ich händchenhaltend mit dir in der Öffentlichkeit herum, verkünde der Welt, dass ich schwul bin und was dann? Dann kann ich meinen Traum, in der Nationalmannschaft zu spielen, in der Pfeife rauchen."
Ich hatte mich vollkommen in Rage geredet, obwohl ich wusste, dass es Harry gegenüber unfair war. „Ich habe ja nicht gesagt, dass du dich outen sollst. Ich will doch einfach nur wissen, was ich für dich bin. Bin ich eine billige Affäre? Der Spaß für zwischendurch?" Verzweifelt über seine Worte setzte ich mich auf, lehnte mich an den Kopfteil des Bettes und zog meine Beine an meine Brust.
„Das bist du nicht. Ich dachte, du hättest das bemerkt", gab ich zu und schluckte meine verletzten Gefühle hinunter. Nein, Harry war wirklich keine Affäre für mich. Ich konnte nicht leugnen, dass ich ihm gegenüber Zuneigung empfand. Vielleicht auch etwas mehr. „Ich würde gerne mehr Zeit mit dir verbringen, Louis. Dich kennenlernen", offenbarte er mir. Diesen Wunsch teilte ich mit ihm. „Das würde ich auch gerne. Aber du wirst dich mit mir nie in der Öffentlichkeit blicken lassen können", erklärte ich ihm, in der leisen Hoffnung, dass das für ihn in Ordnung war. Ich wollte Harry wirklich kennenlernen.
„Besteht die Chance, dass du dich von Eleanor trennen wirst?", fragte Harry mit einem Unterton, der ziemlich deutlich machte, was er von meiner Verlobten hielt. „Ich weiß es nicht, Harry. So gerne ich es auch tun würde, ich kann dir keine Hoffnungen machen. Sie ist nun einmal meine Verlobte und die Mutter meines Kindes", gab ich verärgert von mir, denn diese ganze Situation zehrte ganz schön an meinen Nerven. „Du bist dir sicher, dass du der Vater bist?", erkundigte sich Harry. Obwohl die Frage selbst einen abfälligen Beigeschmack hatte, verriet Harrys Stimme nichts als pure Neugierde.
„Natürlich bin ich der Vater. Sie hat es mir gesagt", verteidigte ich meinen Sohn. „Und du glaubst ihr?", wollte er wissen. Schnell nickte ich, denn ich war mir wirklich sicher, dass ich der Vater war. „Der einzige Mann, mit dem sie außer mir Zeit verbringt ist ihr bester Freund. Und der verabscheut Kinder. Deshalb hat er letzten Sommer eine Vasektomie bei sich machen lassen." Ich beobachtete, wie Harry schmerzerfüllt seine Stirn in Falten legte, bevor er langsam nickte und mich dabei eindringlich musterte. „Ich glaube, es würde mir mein Herz zerreißen, wenn sich herausstellen sollte, dass das doch nicht mein Sohn ist."
Harry schenkte mir nun ein liebevolles Lächeln und griff nach meiner Hand. „Dann solltest du vielleicht seine Mutter nicht komplett verärgern", schmunzelte er. Ich schüttelte den Kopf. „Das sollte ich wirklich nicht. Aber dafür ist es jetzt schon zu spät." -„Wie meinst du das?", hakte er nach, während er beruhigend über meinen Handrücken streichelte. „Ich habe ihr versprochen, mich von dir fernzuhalten. Ich bin mir sicher, dass das auch beinhaltet hat, keinen Sex mit dir zu haben", seufzte ich, während ich meinen Blick zu unseren verschränkten Händen wandern ließ.
„Ich dachte, ihr wärt getrennt?" Seufzend nickte ich. „Sie braucht Zeit, um über alles nachzudenken." - „Wenn das so ist, dann solltest du sie anrufen und ehrlich zu ihr sein", riet Harry mir. Skeptisch zog ich eine Augenbraue in die Höhe. „Liegt dir etwas an mir?", fragte Harry, als ich nichts darauf antwortete. Schnell nickte ich und erhöhte den Druck auf seine Hand. „Gut, denn mir liegt auch etwas an dir, Louis. Aber nur, wenn ich weiß, dass du mit offenen Karten spielst. Ich will keinen Lügner in meinem Leben haben."
Ich schluckte und ließ mich auf meinen Rücken fallen. Mein Blick glitt an die weiße Zimmerdecke. Mir war bewusst, dass ich Eleanor ein für alle mal verlieren würde, sollte sie herausfinden, dass Harry und ich Sex hatten.
Als ich meinen Blick wieder zu Harry wandte, sah dieser mich auffordernd an. Tief durchatmend nickte ich. Eleanor hatte es wohl verdient, dass ich endlich ehrlich zu ihr war. Außerdem würde sie wahrscheinlich sowieso von meinem Treffen mit Harry erfahren. Da sollte sie es besser von mir hören.
Ich rollte mich zur Seite und stieg langsam aus dem Bett. Dann verließ ich das Schlafzimmer, durchquerte das Wohnzimmer und fand dann meine Tasche in dem kleinen Flur, der neben der offenen Küche war. Seufzend kramte ich nach meinem Handy. Als ich es schließlich fand, trottete ich langsam zurück zu Harry.
Im Schlafzimmer schlug ich die Tür zu, dann lehnte ich mich erschöpft dagegen. Ich wusste, dass es das Richtige war, Eleanor die Wahrheit zu erzählen, dennoch fühlte ich mich, als würde ich geradewegs das Schafott besteigen.
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[1098 Wörter, 04.07.2020]
Was haltet ihr von der Beziehung der beiden? Hat Harry recht, sollte Louis Eleanor wirklich alles erzählen? Oder wird ein Geständnis die Sache nur noch schlimmer machen?
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Only The Brave || Larry AU
FanfictionLouis ist Profi-Fußballer, dessen Leben zur Zeit nicht besser laufen könnte. Wäre da nicht eine Begegnung, die ihn nicht loslassen wollte. [ziemlich lange Larry Au] ACHTUNG TRIGGERWARNUNG: Diese Geschichte thematisiert Suizid und Missbrauch. Diese K...
