Wasserball

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Schritt für Schritt und Hand in Hand gingen wir die Treppe weiter nach unten, bis ich auf der untersten Stufe und Harry auf dem Grund des Beckens zum Stehen kamen. Auf dieser Seite des Pools war das Wasser weniger tief als auf der anderen, weshalb meine Schultern knapp unter der Wasseroberfläche waren und meinem Freund das Wasser wortwörtlich bis zum Hals stand. 

Wie fühlst du dich?", fragte ich und verschränkte derweil beide Hände mit Harrys, sodass wir einander zugewandt im warmen, fast schon heißen Wasser standen. Harry zuckte mit den Schultern und sah mich deutlich verwirrt an. Es... es ist nicht so schlimm, wie ich erwartet hätte", murmelte er, sah aber dennoch mit ängstlich aufgerissenen Augen hinter sich, wo Michal und Gemma im tiefen Teil des Beckens plantschten. Als er seinen Blick wieder mir zuwandte, sah er mir einfach nur wortlos in die Augen. Minutenlang harrten wir so aus, während sanfte Wellen, die durch Gemmas und Michals Bewegungen ausgelöst wurden, an uns entlang streiften. 

Hatte ich anfangs noch nervös den Atem angehalten, so fiel es mir mit der Zeit deutlich einfacher, mich zu entspannen und mich an das Gefühl des Wassers an meinem Körper zu gewöhnen. Auch spürte ich, wie Harrys Händedruck langsam schwächer wurde, als würde er nicht mehr so viel Halt benötigen. Ich... möchte etwas ausprobieren", raunte ich ihm leise zu und streichelte mit meinen Daumen über seine Handrücken. Im Meer, da war ich nur auf dich konzentriert. Aber ich muss wissen, dass ich wieder auftauchen kann", erklärte ich mich, woraufhin Harry besorgt seine Stirn in Falten legte. 

Tauchen wir gemeinsam ab", entgegnete er mir in bestimmten Tonfall, weshalb ich ihm auch nicht widersprechen wollte. Ich nickte langsam, dann verstärkte ich erneut den Druck auf seine Hände. Harrys Blick war fest mit meinem verhakt, sogar als wir gemeinsam tief Luft holten, uns kurz bestätigend zunickten und schließlich gemeinsam unter der Wasseroberfläche verschwanden. Kaum hatte das Wasser mein Gesicht umhüllt, musste ich heftig blinzeln, doch als ich mich Sekunden später an das Gefühl gewöhnt hatte und meinem Freund wieder in die Augen sehen konnte, bemerkte ich, welcher Kampf sich darin abspielte. 

Vorsichtig näherte ich mich ihm und lehnte meine Stirn gegen seine. Ich wandte meinen Blick nicht eine Sekunde von ihm ab. Immer wieder stieß er etwas Atemluft aus, doch mit der Zeit verschwand auch das nervöse Zucken seiner Pupillen. Wir verharrten noch einen Augenblick, in welchem er sich schließlich zu entspannen schien, dann schien ihm wohl die Luft auszugehen, denn er deutete mit einem Finger nach oben und tauchte auf.

Ich ließ währenddessen bewusst seine Hände los und lehnte mich nach hinten. Konzentriert spitzte ich meine Lippen und entließ etwas Atemluft aus meinem Mundraum, während ich mit Blick nach oben langsam tiefer sank. Als ich schließlich weit genug gesunken war und nur das Schimmern des Sonnenlichts vor Augen hatte, fühlte ich mich automatisch zu der Szene im Sommer zurückversetzt, als ich alleine im Pool dem Tod ins Auge geblickt hatte.

Doch anders als damals konzentrierte ich mich nun bewusst auf meine Muskeln. Immer wieder spannte ich diese an und entspannte sie kurz darauf wieder, einfach nur, um mir selbst zu beweisen, dass ich die Macht über meinen Körper hatte. Dass ich die Entscheidung selbst fällen konnte, ob und wann ich auftauchen wollte. Als mir dann nach kurzer Zeit ebenfalls die Luft ausging, hielt ich die Anspannung in all meinen Gliedmaßen, dann drehte mich um, sodass ich parallel zum Boden ein paar Züge schwimmen konnte. In vollem Bewusstsein meiner Bewegungen genoss ich, anders als damals, volle Kontrolle über meinen Körper zu haben, weshalb ich kurze Zeit später mit einem unbändigen Gefühl der Erleichterung in mir meinen Kopf über die Wasseroberfläche hob und meinen Freund von hinten umarmte. 

Kaum hatte mein Kopf das warme Wasser verlassen, holte ich tief Luft und füllte meine Lunge mit dem ersehnten Sauerstoff. Dann verschränkte ich meine Arme vor seiner Brust und meine Beine vor seinem Bauch, sodass ich mich vollkommen an ihn klammerte, bevor ich ihm glücklich einen Kuss auf die Wange drückte. Harry drehte seinen Kopf zur Seite, dann verhakte sein zufriedener Blick augenblicklich mit meinem. 

Only The Brave || Larry AUGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt