Ich schloss meine Augen und erzählte Harry, was Eleanor mir gesagt hatte. Als ich wieder über ihre Worte nachdachte, wurde mir bewusst, dass ich gerade vor dem Scherbenhaufen meines Lebens stand. Noch vor wenigen Wochen hatte ich alles. Karriere, Frau, Haus, Kind. Und nun stand ich hier, mit einem Mann, der mein Herz zum Pochen brachte, wie meine Verlobte es nie geschafft hatte. Und trotzdem war der Stein ins Rollen gebracht worden, der meine Karriere, meinen Traum mit sich reißen würde.
Ein Zittern breitete sich in meinem ganzen Körper aus, woraufhin ich meine Augen zusammenkniff und mein Gesicht in meinen Händen vergrub. Mein Atem ging stockend, als ich über die Konsequenzen des heutigen Abends nachdachte. Ich würde alles verlieren, wofür ich mein ganzes Leben gekämpft hatte. Den Fußball, meine Karriere, die Nationalmannschaft.
Harry machte einen vorsichtigen Schritt auf mich zu. Alleine diese Nähe reichte aus, um meinen ganzen Körper zum Glühen zu bringen. Ich spürte, wie er behutsam seine Arme um mich legte und mich an seine Brust zog. Augenblicklich breitete sich eine innere Wärme in mir aus, die das Zittern ein wenig beruhigte. „Traust du Eleanor wirklich zu, so etwas zu tun?", fragte Harry leise. Ich nahm meine Hände von meinem Gesicht und legte sie stattdessen auf seinen nackten Bauch. Anschließend hob ich leicht meinen Kopf an, um ihm in die Augen sehen zu können.
„Ich weiß es nicht", flüsterte ich, bevor ich darüber nachdachte. Dann schüttelte ich meinen Kopf. „Nein, ich glaube nicht, dass sie so etwas tun würde. Eleanor war eigentlich immer sehr korrekt und anständig." Harry nickte und schenkte mir ein zaghaftes Lächeln, bevor er sich mir entgegen neigte und liebevoll seine Lippen auf meine Stirn legte. „Ich sollte trotzdem zu ihr fahren und mit ihr reden", überlegte ich. Harry nickte, dann löste er sich von mir und bückte sich, um mir meine Klamotten vom Boden zuzuwerfen. „Ich fahre dich."
Wenig später saßen wir in dem Van, welcher das Logo von Harrys Blumenladen zur Schau trug und welchen er immer benutzte, um Bestellungen auszuliefern oder abzuholen. Ich saß auf dem Beifahrersitz, die Beine auf dem Armaturenbrett und die Hände verzweifelt in meinen Haaren vergraben. So lotste ich ihn durch den Londoner Stadtverkehr, bis wir vor Max' Haus zum Stehen kamen. „Wartest du auf mich?", fragte ich, als ich die Tür aufdrückte und nach draußen hüpfte. „Wenn du möchtest?", meinte Harry und griff nach meiner Hand.
Nachdenklich ließ ich meinen Blick zu unseren verschlungenen Händen wandern. Meine Hand passte perfekt in Harrys, wie ich feststellen musste. Als wären sie füreinander gemacht. Ich fragte mich, wie es wohl wäre, mit ihm anstelle von Eleanor durchs Leben zu gehen. Alleine der Gedanke daran verursachte ein angenehmes Kribbeln in meinem Bauch. Verwirrt hob ich meinen Blick, um Harry in die Augen zu sehen.
„Kann ich danach wieder mit zu dir?", flüsterte ich, denn plötzlich schien die ganze Welt in Flammen zu stehen. „Wenn du nicht vorhast, dich jetzt mit Eleanor zu versöhnen?", konterte er. Diese Aussage brachte mich zum Schlucken. Ich wusste nicht, was ich wollte. Gerade, als ich überfordert meine Hand aus seiner lösen wollte, erhöhte er den Druck auf meine Hand und sah mich eindringlich an. „Ich werde um dich kämpfen, Louis Tomlinson. So lange du mich nur lässt."
Mit großen Augen betrachtete ich den Mann, der mir gerade eine solche Ansage gemacht hatte. Da ich nicht wusste, was ich tun oder antworten sollte, ließ ich seine Hand los und schlug die Autotür zu. Dann rannte ich schon beinahe zu Max' Haus und klingelte dort am Tor. „Wer ist da?", ertönte die Stimme von Eleanors bestem Freund in der Gegensprechanlage. „Hier ist Louis", antwortete ich so ruhig wie möglich. „Du traust dich was, hier her zu kommen", wetterte Max wütend. Ich atmete tief durch, denn gerade schienen all meine Emotionen eine Party veranstalten zu wollen. Ich wusste nicht mehr, wo oben und unten war.
Schließlich ging ich durch das Tor, das sich mir öffnete. Dann eilte ich zur Haustüre, die bereits offen stand. Ich schlüpfte hindurch und schlug die Tür hinter mir zu. Max wartete vor der Tür zum Wohnzimmer auf mich. Hastig streifte ich meine Schuhe ab und ging langsam auf ihn zu. In Gedanken versuchte ich schon die richtigen Worte zu finden.
Doch bevor ich überhaupt den Mund aufmachen konnte, schallte ein knackendes Geräusch durch die Stille und Schmerz breitete sich in meinem Gesicht aus. Mit vor Schock aufgerissenem Mund legte ich meine Hand an meine schmerzende Wange und sah dabei zu, wie Max seine Hand in der Luft herumwedelte. Der Schlag hatte offensichtlich nicht nur mir wehgetan.
„Sag mal tickst du noch ganz richtig?", fuhr ich ihn an. Max schüttelte seinen Kopf und bedachte mich mit einem abfälligen Blick, der meinen Standpunkt in diesem Haus klarmachte. „Ich soll nicht mehr richtig ticken? Wer betrügt denn hier seine schwangere Verlobte mit einem Mann und hat nicht einmal die Eier in der Hose, es ihr persönlich zu sagen?", rief er, während er mit seinen Armen wild in der Luft herumfuchtelte. Augenblicklich hielt ich inne. „Ich habe das doch nicht mit Absicht getan", rief ich ihm entgegen, ohne darüber nachgedacht zu haben.
Ich beobachtete, wie Max zornig seine Stirn in Falten legte und kurze Zeit hatte ich das Gefühl, dass er mich gleich noch einmal schlagen würde. „Kann ich mit ihr reden?", erkundigte ich mich so freundlich wie es nur ging, um die Situation zu entschärfen. Max zog zornig seine Augenbrauen zusammen, dann deutete er aber in Richtung Wohnzimmer. Schnell ging ich an ihm vorbei, stockte aber, als ich Eleanor bemerkte. Sie saß heulend auf dem Sofa, beide Hände hatte sie schützend auf ihren Bauch gelegt. „Eleanor", machte ich auf mich aufmerksam, dann ging ich langsam auf sie zu. Ich setzte mich vor sie auf einen Hocker und nahm mir Zeit, sie ausgiebig zu mustern. Schuldgefühle machten sich in mir breit, als ich sah, wie sehr ich sie verletzt hatte. Und trotzdem war die Angst davor, sie könnte alles erzählen, noch nicht verschwunden.
„Es tut mir leid, Eleanor. Es tut mir wirklich leid", entschuldigte ich mich, woraufhin sie herzzerreißend schluchzte. „Wieso, Louis? Wieso tust du mir das an?", schniefte sie und zog ein Taschentuch aus der Box, die neben ihr auf dem Sofa lag. Dann wischte sie sich mit zitternden Händen die Tränen aus dem Gesicht. Bevor ich allerdings versuchen konnte, die richtigen Worte zu finden, kam Max zurück und stellte ein Glas vor Eleanor auf dem Couchtisch ab. Anschließend setzte er sich neben sie und legte einen Arm um ihren Rücken. Mit hochgezogener Augenbraue nahm ich diese Geste zur Kenntnis.
-------------------------------
[1092 Wörter, 05.07.2020]
Louis scheint Gefühle zu entwickeln....<3
Was haltet ihr von Max?
DU LIEST GERADE
Only The Brave || Larry AU
FanfictionLouis ist Profi-Fußballer, dessen Leben zur Zeit nicht besser laufen könnte. Wäre da nicht eine Begegnung, die ihn nicht loslassen wollte. [ziemlich lange Larry Au] ACHTUNG TRIGGERWARNUNG: Diese Geschichte thematisiert Suizid und Missbrauch. Diese K...
