Ich konnte sehen, wie sich Tränen in Lotties Augen anstauten, bevor sie zitternd einatmete. „Ich kann das nicht länger mit ansehen", ertönte da plötzlich Dans Stimme und unterbrach die Flut an Gedanken, die durch meinen Kopf kreiste. „Lottie. Louis. Ich möchte, dass ihr diesen Streit hier und jetzt beendet. Eure Mutter hätte gewollt, dass ihr zusammenhaltet. Vor allem in einer solchen Situation", redete er mit kräftiger Stimme eindringlich auf uns ein.
„Lottie, ich will, dass du damit aufhörst, Louis die Schuld an Fizzys Tod zu geben, denn die hat er nicht. Félicité und du habt dasselbe Leben geführt, mit dem Unterschied dass du damit klargekommen bist und sie eben nicht. Also hör auf, deinen Bruder dafür zu beschuldigen. Und Louis, hör verdammt nochmal auf, dir selbst die Schuld dafür zu geben. Ihr werdet beide an diesen Schuldzuweisungen zugrunde gehen, wenn ihr nicht schleunigst damit aufhört. Und ich kann das nicht länger mit ansehen. Ich habe eurer Mutter versprochen, auf euch aufzupassen. Aber das geht nicht, wenn ihr nicht endlich lernt, füreinander da zu sein", appellierte Dan und stellte sich zwischen uns.
„Aber...", stotterte Lottie und sah mich entgeistert an. Ich erwiderte ihren Blick und versuchte etwas Beruhigendes hineinzulegen. Wir hatten uns früher immer ohne Worte verstanden, vielleicht klappte das ja heute noch. Lottie schnaubte lautstark, erwiderte jedoch meinen Blick. „Ich will auch, dass wir wieder füreinander da sind", gestand ich und machte einen Schritt auf meine Schwester zu.
Lottie drehte ihren Kopf zur Seite, offensichtlich um mich nicht ansehen zu müssen. Doch da hatte sie die Rechnung ohne unseren Stiefvater gemacht, der seine Hand auf ihren Rücken legte und sie in meine Richtung lotste. „Los, sag deinem Bruder, dass du nicht wusstest, wie du mit der Trauer umzugehen hast und ihm nur deshalb die Schuld angehängt hast. Tief in dir drin weißt du, dass keiner von uns Schuld an dem Tod deiner Schwester trägt", legte Dan ihr Worte in den Mund und machte dabei keine Anstalten, seine Hand von ihrem Rücken zu nehmen. Doch ich sah, wie er nun vorsichtig auf und ab streichelte, als wollte er ihr Trost spenden.
„Ich... Ich kann das nicht...", hauchte Lottie verzweifelt. Kurz spürte ich einen Stich im Herzen, doch gleich darauf wandte meine Schwester mir wieder ihren Blick zu und sah mich hilfesuchend an. „Noch nicht", ergänzte sie leise. Es waren nur zwei kleine, unbedeutende Worte, doch ich spürte sofort wie sich Erleichterung in mir breit machte. Diese beiden Worte zeigten, dass noch immer Hoffnung bestand. Hoffnung, mich wieder mit meiner gesamten Familie auszusöhnen. „Danke", erwiderte ich und rang mir ein Lächeln ab, dann legte ich kurz meine Hand auf Lotties Schulter. Es war zwar noch nicht perfekt, doch dies war ein Anfang, von dem ich nicht einmal zu träumen gewagt hatte.
Lottie nickte langsam, als müsse sie diese Unterhaltung noch verarbeiten, dann ging sie uns voran ins Wohnzimmer. Ich nahm mir einen Moment, um tief durchzuatmen, dann folgte ich ihr ebenfalls. Dan wartete derweil noch am Fuße der Treppe. Wahrscheinlich hatte er den Zwillingen aufgetragen, sich noch die Zähne zu putzen, bevor sie ihre Geschenke auspacken durften. Ich schenkte ihm ein dankbares Lächeln, dann betrat zögernd das Wohnzimmer. Dort bemerkte ich, dass Harry besorgt meine Schwester musterte, die sich mittlerweile am anderen Ende des Sofas niedergelassen hatte und ziemlich zerknirscht aussah.
„War der Weihnachtsmann schon da?", rief eine aufgeregte Doris vom Flur aus, dann kamen sie und ihr Zwillingsbruder rasant ins Wohnzimmer gestürmt. Kurz darauf folgten auch Daisy und Phoebe die noch ziemlich verschlafen aussahen. Ich setzte mich neben meinen Freund und griff wie selbstverständlich nach seiner Hand, während ich die beiden Jüngsten dabei beobachtete, wie sie zum Kamin rannten. „Ja, der Weihnachtsmann war schon da", freute sich Ernest, als er den Teller mit den wenig verbliebenen Keksen sah. Überglücklich strahlten die Zwillinge in die Runde. „Daddy, verteilst du die Geschenke?", rief Doris und schielte schon ungeduldig zum Weihnachtsbaum, wo sich einige bunt eingepackte Pakete stapelten.
Dan machte sich sogleich daran, die Socken vom Kamin zu verteilen und die Geschenke unter dem Baum an die neuen Besitzer zu verteilen. „Ich habe ja auch eine Socke", stellte Harry verwundert fest, als Dan sie ihm reichte. „Natürlich, Dan hat erzählt, dass Doris ganz begeistert eine für dich gebastelt hat", erwiderte ich und konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen. Denn laut Doris gehörte Harry nun zur Familie. „Ich liebe deine Schwester", flüsterte Harry mir ins Ohr, während ich eines der Geschenke in die Hand nahm, die Dan vor mir abgelegt hatte. „Das ist übrigens von mir", meinte mein Freund und deutete mit einem Kopfnicken in die Richtung des Geschenks.
„Ist es etwas Versautes? Muss ich es öffnen, wenn wir zwei alleine sind?", erkundigte ich mich und dachte dabei an Zipfelmütze, die als Verpackung für mein Geburtstagsgeschenk gedient hatte. Harry schien gerade den selben Gedanken zu haben, denn er lachte los und ließ anzüglich seine Augenbrauen wackeln. „Nein, keine Sorge. Wobei du zugeben musst, dass dein Geburtstagsgeschenk unglaublich gut war", säuselte er und zwinkerte mir dabei zu. „Ja, das war es", bestätigte ich und machte mich daran, das Geschenk auszupacken. Kaum hatte ich das Papier entfernt, kam ein großer Bilderrahmen zum Vorschein.
„Ich... ich... ich wusste gar nicht, dass hiervon ein Foto existiert", gestand ich, als ich meinen Blick über das Bild schweifen ließ. Es zeigte Harry und mich bei meinem Fotoshooting, als er sich neben mich gestellt hatte, um mir die Pose zu erklären. Mein Freund sah aus wie ein professionelles Modell, während ich mit miserabler Haltung in Boxershorts neben ihm stand und dabei nur Augen für ihn hatte. „Ich liebe es, danke", murmelte ich, als ich schließlich meinen Blick von der Fotografie abwenden konnte. „Du warst so abgelenkt, du hast gar nicht mitbekommen, wie der Fotograf ein Bild von uns gemacht hat. Als du dich dann gerade umgezogen hast, habe ich ihn gebeten, das für mich auszudrucken. Er hat es danach gleich gelöscht. Das hier ist die einzige Kopie", erläuterte mein Freund, was Sekunden zuvor noch Unbehagen in mir ausgelöst hatte.
„Danke, Harry", wiederholte ich und lehnte mich nach vorne, um meine Lippen auf seine zu legen. „Das hängen wir auf, sobald wir daheim sind", plante ich und erhielt dafür ein zufriedenes Lächeln von meinem Freund. „Dreh es um", forderte dieser nun und sah mich dabei erwartungsvoll an. Wie befohlen drehte ich den Bilderrahmen um und entdeckte, dass die schwarze Rückseite mit einem silbernen Stift beschrieben worden war. 'Ich liebe dich für dein großes Herz', 'Ich liebe dich, weil du mich mit einem Lächeln zum glücklichsten Menschen der Welt machst' und weitere solche Sätze las ich mit stetig wachsendem Erstaunen.
„Du hast zu meiner Mutter gesagt, dass du nicht weißt, warum ich dich mag. Ich mag dich nicht, Louis. Ich liebe dich. Und es gibt tausend Gründe, warum ich das tue. Ich will nicht, dass du je wieder an dir zweifelst. Als kleine Gedankenstütze habe ich das aufgeschrieben", erklärte Harry. Sprachlos sah ich wieder zu den kurzen Sätzen, in denen er mir seine Liebe gestand, bis mich einer förmlich fesselte. 'Ich liebe dich, weil ich mit dir mein Leben verbringen will. Ich will nie wieder ohne dich sein'.
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[1183 Wörter, 31.10.2020]
Was haltet ihr von Dans Eingreifen? Und von Harrys Geschenk?
Habe ich gerade aus Versehen einen halben Liter Weinschorle geleert, weil ich vergessen habe, dass ich meine fast ausgetrunkene Wasserflasche mit Wein aufgefüllt habe? Möglich... Werde ich heute virtuell eine Halloweenparty feiern? Wahrscheinlich... Wie feiert ihr Halloween? Ich hatte ursprünglich all meine Freundinnen und Freunde zu einer kleinen Halloweenparty eingeladen, aber das geht ja dank dem Corona-Gesetz nicht mehr... Bin deshalb minimal deprimiert. Wünsche euch einen schönen Abend und voraussichtlich bis Montag:)
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Only The Brave || Larry AU
Fiksi PenggemarLouis ist Profi-Fußballer, dessen Leben zur Zeit nicht besser laufen könnte. Wäre da nicht eine Begegnung, die ihn nicht loslassen wollte. [ziemlich lange Larry Au] ACHTUNG TRIGGERWARNUNG: Diese Geschichte thematisiert Suizid und Missbrauch. Diese K...
