Harry's Sunflowers

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Es dauerte mehr als eine Woche, bis es endlich wieder einen Abend gab, an dem sowohl Harry als auch ich nicht anderweitig verplant waren. Ich wusste, dass Harry freitags immer ziemlich lange arbeiten musste, weshalb ich den Nachmittag nutzte, um noch einige Dinge einzukaufen. Bevor ich allerdings wieder nach Hause fuhr, parkte ich mein Auto in der Nähe von Harry's Sunflowers und ging, mit Sonnenbrille auf der Nase, schleunigst in den Laden hinein. 

Mein Freund stand gerade hinter dem Verkaufstisch, eine ältere Frau stand ihm gegenüber und redete auf ihn ein, während er einen Blumenstrauß in Papier einwickelte. „Wissen Sie, Harry. Mein Mann weiß bis heute nicht, welches meine Lieblingsblumen sind. Er kauft mir immer Rosen, dabei mag ich die gar nicht", seufzte die Frau und legte einen Geldschein auf die Theke. Ich ging derweil weiter in den Laden hinein und tat so, als würde ich ein paar Blumensträuße in einer Ecke begutachten, obwohl ich aus den Augenwinkeln nur meinen Freund betrachtete. 

Harry blickte für den Bruchteil einer Sekunde mit einem Lächeln auf den Lippen zu mir, dann drückte er einen Knopf an der Kasse, die sofort mit einem 'Pling' aufsprang. „Wissen Sie, Mrs Jones, ihr Mann ist nicht der Einzige, der sich so etwas nicht merken kann. Ich habe einen Kunden, der wollte für seine Verlobte immer rosarote Blumen haben. Irgendwann hat sich dann aber herausgestellt, dass sie gerne weiße Lilien mag", erklärte Harry schmunzelnd. Ich konnte mir gerade noch verkneifen, empört aufzuschreien und den Kopf zu schütteln, da redete Harry schon weiter.

„Ich bin froh, dass mein Freund weiß, welche Blumen meine Lieblingsblumen sind", sagte Harry und grinste dabei glücklich. Ich bemerkte, wie er seinen Blick fest auf die Frau gerichtet hielt, aber dennoch einige Male unbemerkt in meine Richtung schielte. „Sie haben bereits einen Freund? Schade, ich hatte gehofft, ich könnte Sie mit meinem Neffen verkuppeln", seufzte die Frau und nahm den Blumenstrauß entgegen, den Harry ihr lächelnd hinhielt. „Ich bin sicher, ihr Neffe ist ein toller Mann, aber ich habe den Richtigen bereits gefunden, wie man so schön sagt. Sie wissen schon, den Mann fürs Leben, die große Liebe", redete Harry weiter, während ich ihn heimlich über meine Schulter hinweg musterte. „Dann wünsche ich Ihnen und Ihrem Partner natürlich alles Gute", erwiderte die Frau höflich und verließ gleich darauf das Geschäft.

Als die Tür hinter ihr ins Schloss fiel und das Gebimmel der Glocke verstummte, ging ich grinsend zum Verkaufstisch hinüber. „Sie haben also bereits einen Freund? Schade, ich hatte gehofft, ich könnte Ihnen mit einem Strauß Sonnenblumen eine Freude machen", seufzte ich und legte dabei lächelnd meinen Kopf schief. Harry grinste bis über beide Ohren, während er meinen Blick erwiderte.  „Ja, tut mir leid, aber ich bin wirklich glücklich mit meinem Freund. Er kennt sogar meine Lieblingsblumen", erwiderte Harry neckisch. „Unsere Lieblingsblumen", stellte ich richtig. Auch wenn ich nicht glaubte, dass das möglich war, wurde Harrys Grinsen noch breiter. 

„Machst du mir bitte einen Strauß Sonnenblumen? Dann hast du wenigstens etwas, an dem du dich heute Abend erfreuen kannst, ich muss nämlich noch ein paar Telefonate führen", erklärte ich, woraufhin Harry eine beleidigte Schnute zog, sich aber gleich an die Arbeit machte. „Ich hatte gehofft, ich hätte dich heute Abend ganz für mich alleine", schmollte er, bevor er mit einem Bündel Sonnenblumen im Nebenraum verschwand und kurze Zeit später mit einem fertigen Strauß zurückkam. Zufrieden legte ich eine Fünfzig-Pfund-Note auf den Tisch und nahm anschließend den Blumenstrauß entgegen. „Ich werde mein Bestes geben, die Telefonate so kurz wie möglich zu halten", versprach ich, dann schenkte ich ihm ein glückliches Lächeln und verließ schnell wieder den Laden. 

Zu Hause angekommen machte ich mich schnell daran, die Wohnung aufzuräumen und meinen Teil der Hausarbeit zu erledigen. Dafür schaltete ich im Wohnzimmer noch die Aufnahme des letzten Spiels der Donny Rovers ein, dann ging ich ins Badezimmer, wo ich mit einem Auge die Wäsche sortierte und mit dem anderen durch die geöffnete Türe das Spiel verfolgte. Anschließend warf ich einen Wäscheberg in die Maschine und holte das Waschmittel aus dem Regal, von welchem ich gleich ein wenig in die Maschine leerte. Gleichzeitig verrenkte ich mich etwas, um weiterhin das Spiel ansehen zu können. Als dann ein ehemaliger Mannschaftskollege von mir einen Eckball gekonnt durch einen Kopfball im Tor versenkte, riss ich begeistert meinen Arm in die Luft, vergaß dabei aber, dass ich noch die Waschmittelflasche in der Hand hielt, weshalb Sekunden später das rosafarbene Gel auf mich hinabtropfte.

Only The Brave || Larry AUGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt