„Wie würdest du deine Sexualität definieren und inwiefern lebst du diese aus?", startete Gemma nun das Interview. Ich verzog meine Lippen einen Augenblick lang zu einem verschmitzten Grinsen, dann zog ich meine Beine neben mich auf die Bank. „Ich bin bisexuell, hatte aber schon immer mehr für Männer übrig als für Frauen. Dennoch habe ich mich in meiner Vergangenheit immer nur auf Frauen eingelassen. Harry ist der erste Mann für mich", erklärte ich. Gemma nickte, dann kritzelte sie mit ihrem Kugelschreiber etwas auf den vorgedruckten Bogen. „Du hast vorhin erwähnt, dass es nicht immer einfach für dich war, deine Sexualität zu verbergen. Gab es Mannschaftskollegen, die du eingeweiht hast?", hakte sie weiter nach.
Ich schüttelte den Kopf, dann atmete ich tief durch. „Nein, ich habe es nie jemandem erzählt. Erst seit ich mit Harry zusammen bin, habe ich einen Grund und auch genügend Mut, meine Freunde und Familie einzuweihen. Aber aus meiner Mannschaft weiß es bisher nur Zayn. Hoffe ich", antwortete ich in ruhigem Tonfall. Denn mir wurde bewusst, wie sehr Harry mein Leben auf den Kopf gestellt hatte. „Sprich, du hattest in deiner Jugend niemanden, dem du dich anvertraut hast? Würdest du sagen, dass die Homophobie in der Gesellschaft dich in deiner persönlichen Entwicklung und auch in deiner Freiheit eingeschränkt hat? Und wie erging es dir damit, mit niemandem über dieses Thema reden zu können?"
Einen Augenblick musterte ich Harrys Schwester überfordert, dann ließ ich meinen Blick über die Landschaft und die Bucht schweifen, in der ich fast meinen Freund verloren hätte. Schnell wandte ich mich wieder Gemma zu und dachte mit einem Kloß im Hals über ihre Frage nach. „Du musst verstehen, für mich gab es immer nur den Fußball. Meine persönlichen Belange waren für mich immer Nebensache. Ich habe das immer, so gut es ging, verdrängt. Auch wenn es wirklich nicht einfach für mich war, mir selbst gegenüber einzugestehen, dass Jungs, beziehungsweise Männer, so eine Wirkung auf mich haben. Ich habe mich irgendwann daran gewöhnt, einen Teil von mir verbergen zu müssen. Daher war ich schon immer sehr vorsichtig, was ich in der Öffentlichkeit von mir preisgegeben habe", begann ich ihre Frage zu beantworten, wissend, dass das noch nicht die Antwort war.
„Stell dir vor, du hättest in einer Parallelwelt gelebt, in der Menschen sich nicht mehr outen müssten, egal welche Sexualität sie haben. Stell dir vor, du hättest nie ein Geheimnis daraus machen müssen und ausnahmslos jeder in deiner Umgebung hätte dich und deine Persönlichkeit akzeptiert. Und jetzt vergleiche die Gefühle, die du bei diesen Gedanken empfindest, mit denen, die du damals gefühlt hast", half Gemma mir auf die Sprünge. Erschlagen von ihren Worten atmete ich tief die kühle Dezemberluft ein, dann räusperte ich mich. „Ich schätze, das ist eine Art von Freiheit, die ich nie erleben werde", gab ich leise von mir. „Was fühlst du?", hakte Harrys Schwester sogleich nach.
„Neid", flüsterte ich, dann räusperte ich mich erneut. Ich war nie jemand, der gerne über Gefühle sprach, doch Gemma schien jede Emotion aus mir heraussaugen zu wollen. „Ich hätte mich weniger gestresst gefühlt. Irgendwie... freier. Ich hätte nicht so sehr aufpassen müssen, was ich über mich preisgebe, ich hätte mich zu hundert Prozent auf den Fußball konzentrieren können", sagte ich im Flüsterton, während ich bemerkte, wie der Gedanke an diese Parallelwelt mich freier atmen ließ. „Hast du jemals den Mannschaftspsychologen aufgesucht, wenn du dich schon niemandem aus deinem Team anvertraut hast?", wollte Gemma wissen und sortierte derweil einige Blätter. „Nein", entgegnete ich mit fester Stimme. „Warum?", kam sogleich die Reaktion auf meine Antwort. Ich zuckte unbeholfen mit den Schultern, denn ich hatte nie auch nur einen Gedanken daran verschwendet. „Ich habe dem nie genug vertraut. Die arbeiten doch alle mit dem Management zusammen."
Gemma nickte mit traurigem Blick und zusammengezogenen Augenbrauen, dann schien sie sich wieder etwas zu entspannen. „Du hast vorhin die Mannschaftsdusche angesprochen, Louis. Du sagtest, dass es gerade dort eine Herausforderung war, deine Sexualität zu verbergen. Was genau hast du dabei empfunden? Gibt es Veränderungen zwischen deinem Teenie-Ich und jetzt?", wollte Gemma wissen und sah mich dabei neugierig an.
DU LIEST GERADE
Only The Brave || Larry AU
FanfictionLouis ist Profi-Fußballer, dessen Leben zur Zeit nicht besser laufen könnte. Wäre da nicht eine Begegnung, die ihn nicht loslassen wollte. [ziemlich lange Larry Au] ACHTUNG TRIGGERWARNUNG: Diese Geschichte thematisiert Suizid und Missbrauch. Diese K...
