Harry hatte seinen Kopf auf meine Schulter gebettet und seine Hand vorsichtig auf meinem oberen Bauch abgelegt, als hätte er Angst, ich könnte darunter ersticken. Meine Atmung ging zwar noch schwer, doch seine Hand war für mich dabei kein Hindernis. Im Gegenteil, diese Geste ließ mich so sicher und geborgen fühlen, dass ich gar nicht mehr verstehen konnte, was die letzten Tage in meinem Kopf vorgegangen war. Denn Harry sorgte sich um mich. Seine Reaktion vorhin hatte das gezeigt.
Auch wenn ich im Pool keine Kraft mehr hatte, mich zu retten, so war mein Überlebenswille nun stärker denn je. Ich wollte es schaffen. Ich wollte gesund aus diesem Krankenhaus hinausmarschieren können. Und ich wollte die Kraft haben, für diesen Mann zu kämpfen. Vielleicht würde die Zukunft gar nicht so schlimm werden, wie ich sie mir immer ausgemalt hatte.
Ich spürte, wie Harry seinen Kopf etwas drehte und mir einen liebevollen Kuss auf die Schulter drückte, bevor er ihn wieder ablegte und durch seine langen Wimpern zu mir hoch sah. Er musterte mich nachdenklich aus seinen grünen Augen heraus und ich war mir sicher, dass er ein Gespräch beginnen wollte. Da ich aber nichts als ein Krächzen von mir geben konnte, schenkte ich ihm ein entschuldigendes Lächeln und hoffte, dass er diese Unterhaltung auf später verschieben würde. Im Moment wollte ich einfach nur seine Nähe genießen und nicht noch mehr Schuldgefühle anhäufen.
In den letzten Tagen war mir bewusst geworden, wie ungerecht ich mich ihm gegenüber verhalten hatte. Ich hatte ihn an mich herangelassen, nur um ihn im nächsten Moment wieder von mir zu stoßen. Dabei hatte ich wirklich die Absicht, das Richtige zu tun. Harry musste sich dabei wohl wie auf dem Abstellgleiß gefühlt haben. Doch die Tatsache, dass er trotz allem hier bei mir im Krankenbett lag, zeigte wie verständnisvoll und einfühlsam Harry doch war. Er war viel zu gut für mich.
Um ihm meine Zuneigung auszudrücken, legte ich meine Hand vorsichtig auf seinem Hals ab und streichelte zärtlich mit meinem Daumen über seine Wange. Es war wirklich erstaunlich, wie schnell er es geschafft hatte, mein Vertrauen zu gewinnen. Ich hatte nicht eine Sekunde Angst, er könnte etwas ausplaudern. Ich hatte ihm so vieles von mir erzählt, vieles von dem nicht einmal Eleanor die leiseste Ahnung hatte.
Über die Jahre hatte ich gelernt, immer mehr von mir geheimzuhalten. Je weiter ich die Karriereleiter hinaufgeklettert war, desto mehr wurde ich in der Öffentlichkeit zum Schauspieler. Denn der Fußballer-Louis, der ich außerhalb meines Zuhauses war, wog jedes Wort auf der Goldwaage ab und achtete genauestens darauf, was über seine Lippen kam und wie er sich verhielt. Ich gab nur wenige persönliche Dinge von mir preis. Doch Harry hatte mich von der ersten Sekunde an um seinen Finger gewickelt und mir mit seiner Art das Gefühl zu geben, dass es okay war, einfach ich selbst zu sein. Dass es vollkommen ausreichte, ich selbst zu sein.
„Louis", murmelte er leise. „Ich hatte solche Angst um dich." Harry hatte seine Augen geschlossen, doch seine angespannte Mimik sagte mir, wie sehr ihn diese Situation belastete. Seine ehrliche Sorge um mich gab mir ein wohliges Gefühl, welches ich so schon lange nicht mehr gespürt hatte. „Harry", krächzte ich leise und streichelte vorsichtig von seiner Stirn über seine Schläfe bis zu seinem Kiefer. Langsam verzogen sich seine Lippen zu einem zaghaften Lächeln, während er seine Augen öffnete und mich liebevoll ansah. Glücksgefühle rauschten durch meinen ganzen Körper und brachten auch meine Mundwinkel dazu, vorsichtig nach oben zu wandern.
Bevor wir allerdings noch mehr Gesten der Zuneigung austauschen konnte, wurde schwungvoll die Tür aufgerissen und ein Arzt betrat das Zimmer. „Herr Tomlinson", begann er, stockte aber, als er Harry bemerkte. Ich sah, wie er die Augen verdrehte und dann zügig auf uns zu eilte. „Ich muss Sie bitten, diesen Raum zu verlassen, ich muss Herrn Tomlinson untersuchen", forderte der Arzt, seinen Blick fest an Harry gerichtet.
Panisch zog ich meine Augenbrauen in die Höhe und schüttelte vehement meinen Kopf. Ich wollte nicht, dass Harry ging. Er sollte bei mir bleiben. Aus Angst, Harry würde der Aufforderung des Arztes nachkommen, nahm ich schnell seine Hand in meine und verschränkte unsere Finger. Dann blickte ich ihm tief in seine vertrauten Augen, führte unsere Hände zu meinem Mund und hauchte einen zarten Kuss auf seinen Handrücken.
Harry belohnte mich dafür mit einem überschwänglichen Lächeln, bei dem man sogar deutlich seine Grübchen sehen konnte. Erneut fiel mir auf, wie wunderschön er doch war. Und dieses strahlende Lächeln gab wohl jedem Hoffnung auf eine bessere Welt. Denn Harry war eine reine Frohnatur. „Sie sind dann also der...", begann der Arzt und unterbrach somit unseren kleinen Moment der Zweisamkeit. Harry warf mir noch einen aufmunternden Blick zu, dann setzte er sich im Bett auf. Meine Hand ließ er dabei nicht los.
„Ich bin Harry Styles. Louis' Lebensgefährte", antwortete er dem Arzt. Mir war klar, dass Harry diese Worte nur gewählt hatte, um mich während der Untersuchung nicht alleine lassen zu müssen. Doch sie bewirkten, dass mein Körper praktisch von Glücksgefühlen überschwemmt wurde und das stetige Piepsen, dass schon fast in den Hintergrund gerückt war, plötzlich wie verrückt an Fahrt gewann und die Aufmerksamkeit aller anwesenden Personen auf sich zog. „Das muss Liebe sein", kommentierte der Arzt die Unregelmäßigkeit in meinem Puls und lachte etwas. „Nun gut, Sie können bleiben. Aber Sie müssen raus aus dem Bett."
Harry folgte den Anweisung des Arztes und setzte sich auf den Stuhl neben dem Bett. Während der gesamten Untersuchung ließ er meine Hand nicht los, wofür ich ihm nicht genug danken konnte. Ich brauchte Harry, genau wie seine Lieblingsblumen die Sonne brauchten. Denn Harry war meine persönliche Sonne. Und genau das würde ich ihm beweisen, sobald ich hier raus war.
Als der Arzt schließlich meinen Gesundheitszustand aufs Genaueste überprüft und mir allerlei Fragen gestellt hatte, schien er sehr zuversichtlich zu sein. Jedoch erklärte er mir, dass sich das schlagartig ändern könnte. Das Wasser in meiner Lunge könnte Entzündungen hervorrufen, die unbehandelt zum Tod führen konnten. Damit dieser Fall aber nicht eintreten würde, zählte er eine lange Liste an Symptomen auf, bei deren Auftreten wir schleunigst eine Schwester rufen sollten. Ich war froh, dass Harry bei mir war, denn als der Arzt das Zimmer verließ, hatte ich die Hälfte davon schon wieder vergessen.
Lange Zeit der Ruhe blieb uns nach der Untersuchung nicht, denn kaum hatte der Arzt die Tür hinter sich ins Schloss gezogen, wurde sie erneut aufgestoßen, sodass sie lautstark gegen die Wand krachte. „Hallo Jungs", begrüßte uns ein grinsender Liam. In seiner Hand trug er eine Babyschale, in der ein aufgeweckter Bear lag und fröhlich vor sich hin gluckste. Bevor wir seine Begrüßung erwidern konnten, hatte er die Schale am Fußende meines Bettes abgestellt und Bear in seine Arme gehoben. „Schau mal, Bear. Da sind Onkel Louis und Onkel Harry", erklärte er seinem fröhlichen Sohn und kitzelte ihn etwas am Bauch. Bear kicherte begeistert und griff mit seinen kleinen Händchen in die Luft.
„Magst du ihn mal halten?", fragte Liam dann an Harry gewandt. Dieser zog schnell seine Schuhe wieder an und ging auf Liam zu. Mein bester Freund erklärte ihm kurz, worauf er zu achten hatte und legte dann seinen Sohn in Harrys Arme. „Magst du Kinder, Harry?", fragte er und warf mir einen bedeutsamen Blick zu. „Ich liebe Kinder. Aber ich bin schwul. Der Zug ist für mich abgefahren." Ich schluckte und konnte nicht verhindern, dass mein Herz wie wild pochte, was von den anderen beiden nicht unentdeckt blieb. Leise hörte ich Liams Lachen im Hintergrund, doch mein Blick war fest an Harry geheftet, der gerade liebevoll auf Bear einredete.
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[1265 Wörter, 19.07.2020]
Louis ist wohl noch nicht komplett über den Berg. Aber rührend, wie Harry sich um ihn kümmert, nicht wahr?
Und Liam tut echt alles, um es offensichtlich zu machen...
Tut mir leid, dass gestern kein Update kam. Aber ich habe demnächst eine Klausur und ich muss auch noch arbeiten gehen, also bleibt da kaum mehr Zeit zu schreiben. In den nächsten zwei Wochen werde ich wahrscheinlich nur sehr unregelmäßig posten, aber ab dem 29. dann wieder täglich:)
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Only The Brave || Larry AU
FanfictionLouis ist Profi-Fußballer, dessen Leben zur Zeit nicht besser laufen könnte. Wäre da nicht eine Begegnung, die ihn nicht loslassen wollte. [ziemlich lange Larry Au] ACHTUNG TRIGGERWARNUNG: Diese Geschichte thematisiert Suizid und Missbrauch. Diese K...
