Den folgenden Tag verbrachten Harry und ich komplett im Bett. Doch auch wenn wir beide halbnackt aneinander gekuschelt waren, hatten wir keinen Sex. Wir redeten einfach nur und lernten uns kennen. Ich stellte fest, dass das auch eine Form des Näherkommens war. Ein Näherkommen, wie ich es zuvor nicht gekannt hatte, und trotzdem erfüllend war. Auf eine emotionale Art und Weise.
Harry erzählte, dass er eine Schwester namens Gemma hatte, die die Buchhaltung in seinem Blumenladen erledigte, aber eigentlich Journalistin und Autorin war und schon für zahlreiche Publikationen Artikel geschrieben hatte, die hauptsächlich von unserer Gesellschaft und Social Media handelten.
Im Gegenzug erzählte ich ihm auch von meinem Leben. Von meiner Mutter, die mich schon früh im Fußballverein angemeldet hatte, weil ich bereits im Kindergarten den Fußball nicht aus der Hand geben wollte. Ich erzählte ihm, wie sie kein einziges Spiel verpasst hatte und praktisch mein größter Fan war. Auch verschwieg ich ihm nicht, wie schwer die Zeit für mich war, als im Frühjahr vor zwei Jahren eine besonders aggressive Form von Leukämie bei ihr diagnostiziert wurde und wie schlimm ihr Tod mich getroffen hatte.
Harry hatte mich dabei die ganze Zeit gehalten und mir Trost gespendet. Da hatte ich bemerkt, dass ich den Tod meiner Mutter noch lange nicht verarbeitet hatte. Und dennoch fühlte ich mich in diesem Moment unendlich geborgen. Ich hatte das Gefühl, von Harry akzeptiert und verstanden zu werden. Daher offenbarte ihm auch, dass meine Schwester Fizzy diesen März an einer Medikamentenüberdosis gestorben war, obwohl wir die Öffentlichkeit in dem Glauben gelassen hatten, dass die Todesursache ein Herzinfarkt gewesen war. Wir wollten einfach Fizzys Andenken bewahren und sie beschützen.
Harry ließ mich alles von der Seele reden, er unterbrach mich zu keinem Zeitpunkt, er war nur für mich da und tröstete mich. So ließ ich auch nicht aus, dass ich mich selbst für Fizzys Tod verantwortlich machte. Durch mich war sie in die Öffentlichkeit geraten. Und dadurch hatte sie immer öfter Angstzustände und Panikattacken erlitten, weshalb sie Medikamente nehmen musste.
Noch nie hatte ich jemandem davon erzählt. Nie wollte ich diesen Teil preisgeben. Doch Harry schien sich wirklich etwas aus mir zu machen. Nicht nur aus dem Louis wie er in den Medien dargestellt wurde. Harry kannte diesen Louis gar nicht. Er interessierte sich für den echten Louis. Den, der sich im Laufe der Zeit selbst in eine Box gesperrt und vor der Außenwelt sicher verstaut hatte.
Fußballspieler zu sein war mein Kindheitstraum. Das reichte für mich ursprünglich als Motivation, all die Hürden in Kauf zu nehmen und mich immer weiter nach oben zu kämpfen. Jetzt waren auch meine verlorenen Familienmitglieder mitunter ein Grund, warum ich es an die Spitze schaffen wollte. Ich hatte schon zu viele Hindernisse überwunden, um auf halbem Wege einfach aufzuhören. Fizzys Tod sollte nicht umsonst sein. Außerdem wollte ich, dass meine Mutter stolz auf mich sein konnte. Auch wenn sie nicht mehr da war.
Bei dieser Aussprache lernte ich, wie wundervoll Harry wirklich war. Die Zweisamkeit mit ihm war so anders als die mit Eleanor. Eleanor und ich hatten nicht besonders häufig über Probleme geredet. Und wenn es zwischen uns einmal gekriselt hat, dann sind wir meist im Bett gelandet. Im Nachhinein betrachtet war das vielleicht keine so gute Problemlösetechnik. Harry allerdings forderte mich auf, auch über die Schattenseiten des Lebens zu sprechen. Er war der Ansicht, dass man gerade darüber sprechen sollte.
So etwas hatte ich bis dato gar nicht gekannt. Aber wenn man einmal einer bestimmten Gehaltsklasse angehörte und auch überwiegend Bekanntschaften aus dieser hatte, wurde kein Wert mehr auf den echten Menschen gelegt. Ein jeder redete nur noch von wundervollen Reisen, perfekten Beziehungen und teuren Villen, die er rund um den Globus besaß.
Dank Harrys Unterstützung schaffte ich es dann, am Dienstagmorgen einigermaßen motiviert aufzustehen. Er überraschte mich mit Frühstück im Bett, was zwar nicht einmal ansatzweiße meinem Ernährungsplan entsprach, mich aber trotzdem freute. Die Geste zählte. Und diese machte mich wirklich mehr als glücklich. Als wir schließlich kurze Zeit später im Flur standen, bereit zur Arbeit zu gehen, wollte ich mir meinen Abschiedskuss nicht nehmen lassen. Ich legte eine Hand an seine Wange und vereinte unsere Lippen zu einem leidenschaftlichen Kuss, den er nur zu gerne erwiderte.
„Kommst du heute Abend wieder zu mir?", fragte er leise. Ich zuckte mit den Schultern. „Gerne." Eigentlich hatte ich vorgehabt, noch einmal mit Eleanor zu reden. Harry hatte mir in der Zeit, die wir zusammen verbracht hatten, nicht erlaubt, die Nachrichten anzuschauen, oder im Internet nach meinem Namen zu suchen. Er hatte gemeint, dass ich eine medienfreie Zeit mehr als nötig hatte, wobei ich nicht widersprechen konnte. Und doch wusste ich jetzt nicht, ob Eleanor mein Geheimnis der Welt verraten hatte. Ich würde heute zum Training gehen, ohne zu wissen, ob ich überhaupt noch Teil der Mannschaft war.
Ein Gefühl der Angst machte sich in mir breit, als ich daran dachte, was heute vielleicht auf mich zukommen würde. Trotzdem verabschiedete ich mich von Harry, der versprochen hatte, noch ein paar Minuten in der Wohnung zu warten, bis ich weg war. Mit Sonnenbrille und Kapuze getarnt rannte ich schon fast zu meinem Auto, das ich gestern gemeinsam mit frischen Klamotten noch geholt hatte.
An der Cobham Sportanlage angekommen, machte ich mich sofort auf den Weg in das Gebäude hinein. Es war viertel nach Neun, die Zeit, zu der die meisten Spieler ankamen. Zayn traf ich noch im Eingangsbereich des Gebäudes, er winkte mir zu, dann schloss er sich mir schnell an und erzählte mir direkt, was in seinem Leben aufregendes passiert war. Ich reagierte immer nur, indem ich nickte, oder zustimmende Laute von mir gab, denn die Ereignisse in meinem Leben warfen mich bereits genügend aus der Bahn.
Schließlich öffnete er die Tür zur Umkleide und ging hinein, wobei ich ihm direkt folgte. Kaum hatte ich die Tür hinter mir zugeschlagen, knallte ich gegen Zayn, der plötzlich standen geblieben war. „Was soll das denn?", rief er empört in die Runde. Verwirrt ließ ich meinen Blick durch die Umkleide schweifen. Einige Spieler hatten sich peinlich berührt umgedreht, andere sahen mich herausfordernd an. Erst dann bemerkte ich, was Zayn so verstört hatte.
Dort, auf der Bank, an meinem Platz, waren zwei Sexpuppen festgebunden worden. Männliche Sexpuppen. Die eine mit einer lockigen, braunen Perücke auf dem Kopf, die andere mit vier Pfeilen am Unterarm, genau wie Liam sie hatte.
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[1055 Wörter, 07.07.2020]
Da hat Louis eine böse Überraschung erwartet. Was das nur soll?
Was haltet ihr von Harry? Er scheint Louis ja ganz neue Welten zu eröffnen...
Morgen kommt dann leider kein Kapitel, ich bin den ganzen Tag unterwegs.
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Only The Brave || Larry AU
ФанфикшнLouis ist Profi-Fußballer, dessen Leben zur Zeit nicht besser laufen könnte. Wäre da nicht eine Begegnung, die ihn nicht loslassen wollte. [ziemlich lange Larry Au] ACHTUNG TRIGGERWARNUNG: Diese Geschichte thematisiert Suizid und Missbrauch. Diese K...
