Halbzeitpause

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Angespannt stand ich auf dem Platz und starrte auf den Ball vor mir. Heute war etwas anders als sonst. Meine Muskeln waren nicht zum Zerreißen angespannt und auch meine Konzentration ließ zu wünschen übrig. Ich sah den Ball und war dennoch meilenweit davon entfernt. Gedanklich jedenfalls. Denn diese waren bei Harry und was mit ihm los sein könnte. Er hatte zwar nicht gesagt, was ihn beschäftigte, doch sein Tonfall machte deutlich, dass da etwas war, was ihn aufwühlte.

Der schrille Ton aus der Trillerpfeife des Schiedsrichters hallte plötzlich durch das Stadion und sorgte dafür, dass Bewegung in die Menge kam. Der Ball wurde angestoßen und von meinen Teamkollegen kreuz und quer über den Platz gejagt. Immer gefolgt von Männern in schwarz-weißen Trikots, die versuchten in Ballbesitz zu gelangen. 

Als Zayn schließlich in Tornähe dribbelte, lief ich mich frei und bereitete mich schon darauf vor, den Ball im Tor zu versenken. Doch kaum war der Ball gegen meine Brust geprallt und vor meine Füße geflogen, war auch mein Gleichgewichtssinn verschwunden und ich schlug am Ball vorbei, statt ihn geradewegs ins Tor zu donnern. 

Schnell versuchte ich die Situation zu retten, indem ich ausholte um erneut den Ball zu schießen. Doch die paar Sekunden, die ich vergeudet hatte, waren genug für die Spanier, um das Tor zu decken. Verzweifelt passte ich den Ball zurück zu Zayn, der ihn wieder nach hinten spielte und damit begann, eine neue Torchance vorzubereiten. 

Während der gesamten ersten Halbzeit hatte ich enorme Schwierigkeiten, mich zu fokussieren und meine komplette Konzentration dem Spiel zu widmen. Noch immer geisterte Harry durch meinen Kopf und die Sorge um ihn belastete mich so sehr, dass ich nicht zur Bestform auflaufen und mein Können unter Beweis stellen konnte. Als ich mich dann kurz vor der Halbzeitpause in Tornähe aufhielt, war ich so abgelenkt, dass ich zu spät bemerkte, dass Paul in Ballbesitz war und ihn mir zu passen wollte. 

Ich zog meine rechte Schulter zurück und drehte meinen Körper um hundertachtzig Grad, sodass ich wieder meinem Mitspieler zugewandt war. Jedoch war der Ball da schon längst in der Luft. Wie in Zeitlupe kam er auf mich zu geflogen, doch es war zu spät, auszuweichen, oder ihn mit Kopf, Brust oder Fuß anzunehmen. Stattdessen kam es wie es kommen musste und der Ball knallte geradewegs in meine Mitte, sodass ich nur Sekunden später schmerzerfüllt zu Boden sank.

In dem Moment, in dem meine Knie den Boden erreichten und ich meine Hände auf meine schmerzenden Eier presste, hörte ich, wie der Schiedsrichter die erste Halbzeit beendete. „Sorry, Kumpel", ertönte Pauls Stimme, die mich sofort wieder aufblicken ließ. „Nicht deine Schuld", antwortete ich, dann versuchte ich langsam wieder aufzustehen. Schwerfällig folgte ich meinen Kollegen in die Umkleidekabine, wo ich an meinem Platz niedersank und gleich nach meiner Wasserflasche griff. Ich trank die ganze Flasche in einem Zug, darauf hoffend, dass das Wasser sich konzentrationsfördernd auswirken könnte.

„Das war katastrophal", brüllte unser Trainer, als er die Umkleide betrat und jeden einzelnen von uns mit seinem scharfen Blick taxierte. „Tomlinson, weißt du eigentlich, wie viele Torchancen du zunichte gemacht hast? Ich habe dich mitspielen lassen, weil du gestern voll dabei warst und dich einzig und allein auf den Ball und das Tor fokussiert hast. Ich bin am überlegen, die nach der Halbzeit auf die Ersatzbank zu verbannen", fauchte er aufgeregt. Da ich wusste, dass eine Antwort nur noch weiter aufregen würde, hielt ich meine Klappe und lauschte stumm seinen Schimpftiraden, die so laut waren, dass bestimmt die Zuschauer im Stadion noch jedes einzelne Wort verstehen konnten. 

Als es dann an der Zeit war, in den Spielertunnel zurückzukehren und uns zur zweiten Halbzeit aufzustellen, bemerkte ich, wie Zayn sich zurückfallen ließ. Skeptisch wartete ich auf ihn, sodass wir bald nur noch zu zweit in der Umkleide standen. „Was ist los mit dir? Gestern im Training hast du alles gegeben und jeden Pass verwandelt, heute hast du schon Schwierigkeiten damit, den Ball überhaupt zu treffen!", fauchte Zayn leise und deutete dabei in Richtung Spielfeld, das man von hier aus natürlich nicht sehen konnte. 

„Ich...", setzte ich an, dann raufte ich mir verzweifelt die Haare. „Ich mache mir Sorgen um Harry. Er klang vorhin ziemlich aufgewühlt. Was, wenn die Paparazzi rausgefunden haben, wo ich wohne und jetzt Harry belagern? Was wenn sie ihn bedrängen oder Schlimmeres? Du weißt doch auch, wie die manchmal sein können. Was...?", redete ich mich in Rage, was erst gestoppt wurde, als Zayns Hand klatschend gegen meine Wange prallte.

„Seit wann bist du denn eine solche Memme?", fragte er leise. „Du bist doch sonst nicht so gefühlsduselig?", erkundigte er sich flüsternd. Mit zusammengepressten Lippen zuckte ich mit den Schultern, denn ich konnte mir das alles auch nicht wirklich erklären. „Ich will doch nur, dass es Harry gut geht. Dass er glücklich ist", gestand ich dann, als mir klar wurde, dass alleine meine tiefen Gefühle für Harry einen solchen Wandel in mir hervorrufen konnten.

Ich sah dabei zu, wie Zayn gefährlich seine Augenbrauen zusammenzog und lautstark einatmete, bevor er seine Arme vor seiner Brust verschränkte. „Ich versuche wirklich damit klarzukommen, dass du einen Mann liebst. Obwohl mir meine ganze Karriere lang eingebläut wurde, dass das etwas Verbotenes ist. Etwas, an das wir nicht einmal im Traum denken dürfen. Trotzdem gebe ich mir Mühe, einfach weil du mein Kumpel bist und mir deine Freundschaft echt viel bedeutet. Aber wenn dieser Mann dir so sehr den Kopf verdreht, dass deine Karriere darunter leidet, dann kann ich das nicht unterstützen", schloss er seine kleine Rede und reckte dabei bedrohlich sein Kinn in die Höhe.

„Es tut mir leid", seufzte ich daraufhin und raufte mir dabei erneut die Haare. „Ich... ich versuche wirklich, mir mehr Mühe zu geben." Zayn nickte zufrieden, bewegte sich aber dennoch nicht von der Stelle. „Hör auf dir Sorgen zu machen, Louis. Ihm wird schon nichts passiert sein", redete er nun auf mich ein, wobei er lange nicht mehr so harsch wie noch vorhin klang. „Stell dir einfach vor, wie er bei sich zu Hause..." - „Bei uns zu Hause", fiel ich ihm direkt ins Wort, woraufhin Zayn verwirrt blinzelte. „Was?", zischte er irritiert. „Ich bin zu Harry gezogen. Wir wohnen jetzt zusammen", klärte ich ihn auf, wobei ich zusehen konnte, wie Zayn erstaunt seine Augen aufriss und schwer schlucken musste. 

„Nun... also, stell dir vor, dass er bei euch zu Hause auf dem Sofa sitzt und sich das Spiel ansieht. Du hast doch gesagt, dass er dich liebt. Bestimmt will er es nicht verpassen, wenn sein Freund im Fernsehen kommt. Was wird er also sagen, wenn der einzige Ballkontakt den du hast, der mit deinen Nüssen ist?", erkundigte er sich und verzog daraufhin seine Lippen zu einem aufgesetzten Grinsen, das deutlich zeigte, dass er sich dessen bewusst war, dass er recht hatte.

Zayns Worten folgend, versuchte ich mir während der zweiten Halbzeit fast schon krampfhaft, das Bild von meinem Freund, der von Paparazzi belagert wird, aus dem Kopf zu schlagen. Stattdessen stellte ich mir vor, wie er in seinen knappen weißen Boxershorts auf dem Sofa saß, die Füße auf den Couchtisch bettete und genüsslich ein Bier trank. Dabei hatte ich genau vor Augen, wie er seine Stirn in Falten legen würde, jedes Mal, wenn ich auf dem Boden lag oder einen Pass vermasselt hatte. Alleine diese Vorstellung reichte aus, um in mir den Drang zu erwecken, das Beste aus mir herauszuholen.

Ich sprintete wieder über den Platz, passte Bälle und dribbelte was das Zeug hielt, einfach nur, weil ich Harry, der zu Hause vor dem Fernseher saß, ein Lächeln auf die Lippen zaubern wollte. Schließlich schaffte ich es sogar noch kurz vor Abpfiff, einen Ball, den Zayn mir in hohem Bogen zugespielt hatte, zu verwandeln und per Kopfball in die linke obere Ecke zu stoßen, sodass der spanische Torwart nicht den Hauch einer Chance hatte, das Tor noch zu verhindern.

Kaum war das Runde im Eckigen, ging ein Gebrüll durch die Menge, welches in mir die pure Erleichterung auslöste. Schließlich war Frank kurz davor, mich auf die Ersatzbank zu verbannen, was er beim nächsten Spiel sicherlich eisern durchgezogen hätte. „Ich wusste doch, dass du es drauf hast", jubelte Zayn, der mir in die Arme sprang. Er ließ mir jedoch keine Zeit zu antworten, denn er eilte sofort zurück auf seine Position, da das Spiel wieder in Bewegung kam. Doch egal wie sehr die gegnerische Mannschaft kämpfte, wir waren besser. So wurde das Spiel nur Minuten später mit Null zu Eins für uns beendet.

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[1408 Wörter, 18.09.2020]

Tja, scheint als hätte Harry ziemlichen Einfluss auf Louis... 

Was haltet ihr von Zayn?

Only The Brave || Larry AUGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt