„Harry ist überfallen worden?", wiederholte Zayn ungläubig meine Worte und erwiderte mit weit aufgerissenen Augen meinen Blick. In diesem Moment spürte ich gar nichts mehr. Ich war wie gelähmt. Sogar meinen Atem hatte ich angehalten, als würde mein Körper mir den Sauerstoff verwehren wollen.
„Tomlinson?", hörte ich meinen Namen aus Gareths Mund, als dieser direkt vor mich trat. „Ruf doch nochmal an. Vielleicht ist es ja gar nichts Schlimmes. Dann kannst du hier bleiben und wenigstens noch das Finale spielen. Wir brauchen dich hier." Nachdem ich die ermahnenden Worte meines sonst so verständnisvollen Trainers gehört hatte, kam endlich wieder Bewegung in meinen Muskelapparat. Entschlossen schüttelte ich den Kopf. „Harry ist verletzt. Ich gehe", sagte ich mit bestimmtem Tonfall, dann gab ich dem Hotelangestellten das Telefon zurück, blickte noch einmal kurz durch den Poolraum und holte mein Smartphone und meine Geldbörse aus meiner Schwimmtasche, bevor ich schließlich nach draußen eilte.
Als ich mit festen Schritten auf die Rezeption zu eilte, überschlugen sich meine Gedanken. Es war schon spät abends. Ich wusste nicht, ob ich von hier aus überhaupt noch nach London kommen würde. Dennoch forderte ich den Mann hinter der Rezeption, so höflich ich in diesem Moment konnte, dazu auf, mir ein Taxi zu bestellen. Mein Herz klopfte wie verrückt, als ich schließlich einen Blick auf mein Smartphone warf und drei verpasste Anrufe sah. Das Krankenhaus hatte wohl schon vor zehn Minuten versucht, mich privat zu erreichen. Ich ärgerte mich wie verrückt über mich selbst, dennoch versuchte ich das hinten anzustellen und wählte schnell die Nummer meines Beraters.
„Louis, was gibt's?", hörte ich Jacks Stimme am anderen Ende der Leitung noch bevor das erste Tuten verklungen war. Noch bevor ich ihm antworten konnte, hörte ich, wie jemand auf mich zugerannt kam. „Moment", sagte ich ins Telefon, dann drehte ich mich um und beobachtete, wie Gareth durch die Eingangshalle sprintete. „Louis, warte kurz", rief er atemlos, woraufhin ich ungeduldig die Augenbrauen hochzog. Ich musste dringend hier weg. Ich musste hier weg. Ich stand so unter Strom, dass ich mir schon einbildete, die Hauptschlagader am Hals pulsieren zu spüren.
Als Gareth vor mir stand, sah er mich schon beinahe flehend an. „Louis, wenn du jetzt gehst, gibt es kein zurück. Dann darfst du beim Finale nicht dabei sein", sagte er streng. Und doch wirkte er auf eine merkwürdige Art und Weise genauso gehetzt wie ich. „Ich gehe", wiederholte ich kurz und knapp meine Entscheidung. Da änderte sich plötzlich Gareths Gesichtsausdruck. „Bitte Louis, geh nicht. Nur mit dir habe ich eine ernste Chance zu gewinnen. Bitte geht nicht. Lass uns jetzt nicht im Stich", bettelte er schon fast verzweifelt. Doch für mich stand das gar nicht zur Debatte. „Gareth. Ich würde gerne bleiben. Aber mein Ehemann ist verletzt. Er braucht mich jetzt mehr."
Damit drehte ich mich um und lies ihn stehen. Als ich nur in Badelatschen, Badehose und Bademantel bekleidet das Hotel verließ, hob ich wieder mein Smartphone an mein Ohr. „Jack? Ich muss sofort nach London. Ich bin in 20 Minuten am Flughafen. Bitte buche mir schnell einen Flug und sorge dafür, dass ich dort so schnell wie möglich vom Flughafen zum Krankenhaus komme." Ich grüßte nonverbal den Fahrer des Taxis, das soeben vor mir hielt, und stieg ein. „Geht klar", sagte Jack, dann war der Anruf auch schon beendet.
___________________
[546 Wörter, 01.07.2026]
Mit diesem sehr kurzen Kapitel melde ich mich nach einer Schreib-Flaute zurück. Ich habe immer gesagt, dass ich die Geschichte zu Ende bringen werde. Nur hätte ich selbst nie geglaubt, wie lange ich dafür brauchen würde.
Ehrlich gesagt, hatte ich in all den Jahren, in denen ich schon an der Geschichte schreibe schon häufiger Momente, in denen ich kurz dachte, dass das echte Leben, also die Geschehnisse im und um den realen Fußball, diese Geschichte einfach überholen würde. Und dann lese ich in den sozialen Medien Gerüchte über die Sexualität eines unserer Nationalspieler und entsprechend widerliche Kommentare dazu. Gerade Kommentare wie "Mit so einem würde ich als Teamkollege nicht duschen wollen" zu lesen, wie sie auch hier in der Geschichte thematisiert wurden, tun einem einfach nur im Herzen weh. Die Vorstellung, dass da echte Menschen sitzen und meinen, solche Kommentare, solche hasserfüllten Kommentare teilen zu müssen, ist für mich unbegreiflich.
Ich weiß nicht, ob es noch jemanden gibt, der nach so langer Zeit überhaupt noch diese Geschichte liest. Aber falls ja, dann freue ich mich sehr. Denn ich will diese Geschichte nach wie vor noch zu Ende bringen.
Viele Grüße
DU LIEST GERADE
Only The Brave || Larry AU
Fiksi PenggemarLouis ist Profi-Fußballer, dessen Leben zur Zeit nicht besser laufen könnte. Wäre da nicht eine Begegnung, die ihn nicht loslassen wollte. [ziemlich lange Larry Au] ACHTUNG TRIGGERWARNUNG: Diese Geschichte thematisiert Suizid und Missbrauch. Diese K...
