Schwester

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„Louis, Harry! Ihr seid ja schon da!", rief Dan erfreut, als er uns die Tür öffnete. „Hallo Dan", erwiderte Harry und auch ich begrüßte meinen Stiefvater. Harry und ich stellten unsere Koffer im Flur ab, da legte Dan eine Hand auf meinen Rücken und zog mich in eine halbe Umarmung. „Alles Gute zum Geburtstag, Louis", wünschte er, da wurde er von lautem Gebrüll unterbrochen. Schnell wanderte mein Blick hinter ihn, wo gerade meine jüngsten Geschwister angerannt kamen. „Lou!", rief Doris, während sie mir freudig in die Arme hüpfte und ihre Beine um meinen Oberkörper schlang. Glücklich erwiderte ich die Umarmung und drückte sie fest an mich. „Hallo Doris", begrüßte ich meine kleine Schwester und drückte ihr einen Kuss auf ihr Haar. 

„Louis?", flüsterte sie nun leise und lehnte sich etwas zurück, um wohl über meine Schulter zu Harry zu blicken. „Ja?", fragte ich leise im selben bedeutungsvollen Tonfall wie sie auch. „Dad hat uns ein Geheimnis verraten", gestand sie leise. Dann lehnte sie sich zu meinem Ohr und kicherte etwas, bevor sie weiterredete. „Er hat gesagt, dass du jetzt Harry liebst anstatt Eleanor", meinte sie mit einem verwirrten Unterton. 

„Das stimmt wohl", erwiderte ich und drehte meinen Kopf, um sie ansehen zu können. Ein Grinsen konnte ich mir dabei nicht verkneifen. „Aber er ist doch ein Mann?", hakte Doris mit skeptischer Mine nach. „Ist das ein Problem?", wollte ich schmunzelnd wissen. Doris zog ihre Stirn kraus und formte eine nachdenkliche Schnute, bevor sie mir antwortete. „Nicht?", fragte sie und sah wieder zu Harry. Ich folgte ihrem Blick und sah ebenfalls zu meinem Freund. „Nein, Doris. Das spielt keine Rolle", erklärte ich.

„Also seid du und Harry ein Liebespaar?", führte sie ihre Gedanken zusammen. „Hallo Doris", hörte ich Harrys Stimme. Im selben Augenblick spürte ich, wie er sich hinter mich stellte und eine Hand an meine Hüfte legte. „Und ja, dein Bruder und ich sind ein Liebespaar. Aber das darfst du niemandem erzählen", sagte er in ruhigem Tonfall, woraufhin Doris große Augen machte. „Indianerehrenwort", versprach sie und hielt dabei eine Hand in die Luft.

Zufrieden nickte ich und setzte meine Schwester wieder am Boden ab, dann begrüßte ich auch meinen Bruder. „Jungs, wollt ihr Kaffee? Wir haben auch noch ein paar Sachen vom Frühstück übrig, bis zum Mittagessen müsst ihr euch allerdings noch eine Stunde gedulden, ich habe euch gar nicht so früh erwartet", erzählte Dan, während er eine Hand auf Ernests Rücken legte und ihn in Richtung Essküche führte. „Kaffee wäre wunderbar", entgegnete ich. Dann drehte ich mich zu meinem Freund um und musste gerührt feststellen, dass Doris ihn an die Hand genommen hatte und begeistert auf ihn einredete. Harry grinste bis über beide Ohren und stimmte ihr immer wieder zu, während er ihr folgte. Im Vorbeigehen ließ er noch seine Hand von meiner Hüfte auf meinen Po gleiten, bevor er nach meiner Hand griff und mich hinter sich her zog.

In der Küche stand Dan schon am der Kaffeemaschine und sah dabei zu, wie das schwarze Gold in eine Tasse floss. Aus einer zweiten kam mir schon herrlicher Kaffeegeruch entgegen, weshalb ich Harrys Hand losließ und mich zu Dan an die Küchenzeile gesellte. „Ich habe Ernest und Doris von dir und Harry erzählt, genau wie du es wolltest", sagte Dan und stelle Milch und Zucker neben den beiden Tassen ab. „Das habe ich schon mitbekommen. Danke, Dan", erwiderte ich und goss einen Schuss Milch in eine der beiden Tassen, bevor ich auch noch zwei Löffel Zucker hinzu gab, genau wie Harry es am liebsten hatte.

„Sie haben mir hoch und heilig versprochen, dass es ein Geheimnis bleibt", fuhr er fort. Ich nickte, dann griff ich nach den beiden Tassen und trottete gemeinsam mit meinem Stiefvater zum Esstisch, wo bereits Harry und meine beiden Geschwister saßen. „Für dich", erklärte ich meinem Freund und stellte seine Tasse vor ihm ab. Den ungesüßten und schwarzen Kaffee stellte ich vor meinem Platz ab, dann setzte ich mich neben Harry.

Mein Freund legte sogleich einen Arm hinter meinem Rücken auf meiner Stuhllehne ab, woraufhin ich mich zufrieden an ihn kuschelte. „Ich bin ehrlich gesagt überrascht, dass du Dan erlaubt hast, es den beiden zu erzählen. Immerhin sind sie noch Kinder und verstehen vielleicht gar nicht, wie ernst die Lage ist", raunte Harry mir zu. Ich nickte, dann drehte ich meinen Kopf zur Seite, um ihn ansehen zu können.

„Es ist wirklich gefährlich, das stimmt. Aber dann hätten wir uns auch hier verstecken müssen. Und du hast es nicht verdient versteckt zu werden, Harry. Wenigstens vor unseren Familien will ich zu dir stehen können. Ich würde es am liebsten in die ganze Welt hinaus schreien. Aber das wird wohl noch ein paar Monate warten müssten", gab ich ihm flüsternd eine Antwort. Ich konnte förmlich dabei zusehen, wie Harrys Augen zu funkeln begannen, bevor er sich mir entgegen lehnte und seine Lippen sanft auf meine legte. „Ich liebe dich, Louis", hauchte er und küsste mich erneut.

„Was?", brüllte da eine verzweifelte Frauenstimme durch den Raum. Schnell wandte ich meinen Blick zum Eingang der Küche und konnte nicht fassen, wen ich da zu sehen bekam. „Lottie", stotterte ich schockiert, wobei mir vor Schreck mein Herz stehen blieb. Völlig überfordert mit der Situation sprang ich auf und starrte meine Schwester an. „Was?", presste sie erneut hervor, bevor sie eine zitternde Hand zu ihrem Kopf führte und durch ihre Haare kämmte. Sie schüttelte einige Male mechanisch ihren Kopf, dann drehte sie sich herum und verschwand zur Tür hinaus. Im selben Moment erwachte ich aus meiner Schockstarre und ließ meinen Blick zu meinem Stiefvater schnellen, der ziemlich schuldbewusst aus der Wäsche blickte. 

„Du hast sie eingeladen?", warf ich ihm vor. Dan nickte langsam und sah immer wieder nervös zur Tür. Ich spürte, wie Harry währenddessen vorsichtig nach meiner Hand griff und so meine komplette Aufmerksamkeit auf sich zog. „Du solltest ihr hinterher gehen, Lou. Vielleicht könnt ihr ja endlich miteinander reden", erklärte er mir mit leiser und sanfter Stimme. „Du schaffst das", motivierte er mich weiter und streichelte dabei aufmunternd mit seinem Daumen über meinen Handrücken.

Als würde ich erst durch Harrys Worte wissen, was ich zu tun hatte, drückte ich kurz seine Hand, dann ließ ich sie los und rannte meiner Schwester hinterher.

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[1034 Wörter, 19.10.2020]

Der Geburtstag scheint nicht so friedlich zu beginnen, wie geplant. Was meint ihr, werden die beiden miteinander reden? Was denkt ihr, wie wird Lottie reagieren? Und was haltet ihr von Louis' jüngster Schwester?


Only The Brave || Larry AUGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt