Late Night Talking

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Da ich es hier nicht mehr aushielt, lief ich los. Ich lief und lief und lief immer schneller, so schnell mich meine zitternden Beine trugen. Den Brief hatte ich dabei fest in der Hand. Ich war mir sicher, dass er mittlerweile komplett zerknittert sein musste, doch dieses kleine Ding löste so viel Schmerz in mir aus, dass ich es am liebsten verbrennen würde.

Irgendwann überwältigte mich der Schmerz, den dieser Brief ausgelöst hatte und auch der Hass auf mich selbst, Harry einfach angelogen zu haben. Erneut. Ich vergoss unendlich viele Tränen und spürte auch, wie die Übelkeit mich letzten Endes so sehr übermannte, dass ich mir schließlich an Ort und Stelle die Seele aus dem Leib kotzte. Ich war nicht mehr Herr über mich selbst und mein Körper zitterte wie Espenlaub. Es war kalt und ich spürte, wie die Nachtluft an mir vorbei zog und das letzte bisschen Kraft, das ich noch hatte, mit sich mitnahm.

Ich stürzte auf meine Knie hinab und stütze mich mit einer Hand auf dem Boden auf und kotzte weiter. Ich konnte gar nicht anders, mein Körper hörte gar nicht mehr auf mich. Ich fühlte mich am Ende. Körperlich, geistig, komplett ausgebrannt. Es fühlte sich an, als hätte ich mein ganzes Leben verlassen, als ich vorhin die Tür hinter mir zugeworfen hatte.

Das Gefühl für Zeit hatte ich ganz und gar verloren, alles was ich wahrnahm, war die überwältigende Übelkeit, die Wut auf den Brief und vor allem die Wut auf mich selbst. Ich war viel zu schwach um aufzublicken und mich zu orientieren. Und vor allem war ich zu schwach, nach Hause zurückzukehren. Erneut spürte ich, wie ein Schwall an Galle den Weg durch meine Speiseröhre antrat und ins Freie drängte. Obwohl ich bereits unendlich geschwächt war, beugte ich mich wieder über das Erbrochene und kotzte erneut drauf.

Ich war schon halb im Delirium, als ich plötzlich Stimmen wahrnahm. Ich hatte gar nicht mitbekommen, dass ich nicht alleine war. Aber ich wusste auch nicht, wo ich war. „Drogen?" hörte ich ein Wort heraus. Kurz darauf spürte ich eine Hand an meiner Schulter, was mich augenblicklich komplett zusammenfahren ließ.

„Sir?", erneut diese Stimme. Ich zitterte immer heftiger und hoffte, dass er mich nicht noch einmal berühren würde. „Ich kenne ihn. Das ist Louis Tomlinson. Der Fußballer von Chelsea", ertönte eine weitere männliche Stimme. „Trotzdem ist das hier ein Spielplatz. Wir müssen ihn mitnehmen", vernahm ich wieder die erste Person. Ich zitterte, ob es wegen der Kälte oder meiner körperlichen Verfassung war, konnte ich nicht sagen. Dennoch versuchte ich nun, alle Kraft zusammenzuraffen, mich mit beiden Händen vom Boden abzudrücken und mich vorsichtig aufzurichten. Ich schaffte es aber kaum, meinen Oberkörper vom Boden zu heben.

„Sir, können Sie mich hören?" Ich blinzelte einige Male, bis ich scharf genug sehen konnte, um etwas zu hören. Dann versuchte ich vorsichtig zu nicken. „Können Sie aufstehen?", erkundige sich der Mann, der, soweit ich erkennen konnte, Polizeiuniform trug. Ich wusste nicht, ob mir überhaupt ein Muskel gehorchen würde, doch ich schaffte es, mit den Schultern zu zucken und nach dem Brief zu greifen, der neben mir lag. Als ich versuchte, endlich aufzusehen, spürte ich, wie der Mann mir unter die Arme griff und mir aufhalf. Schließlich stützen die beiden mich von jeder Seite und liefen langsam mit mir davon. Nur am Rande nahm ich dabei wahr, dass ich auf dem Spielplatz gelandet war, auf dem ich manchmal mit Freddie Halt machte.

Der Weg war lange und jede Sekunde fühlte sich an wie eine Qual. Denn in jedem einzelnen Augenblick konnte ich nur an Harry denken. Harry, der höchstwahrscheinlich in Gefahr war. Und Harry, der mir nie verzeihen würde, einfach gegangen zu sein. Harry, mit dem ich alt werden wollte. Und Harry, bei dem ich mein Herz zurückgelassen hatte.

Ich war wie in Trance, als wir schließlich mehrere Stufen hinauf gingen und ein hell erleuchtetes Gebäude betraten. Gleich im Eingangsbereich spürte ich, wie die beiden Polizisten mich losließen und stehen ließen, während sie zum Empfang hinüber gingen.

Only The Brave || Larry AUGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt