Bildunterschrift

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Ich spürte, wie Harry mir einen Kuss auf die Wange drückte, bevor er leise lachte. „So kann man das natürlich auch sehen", stimmte  er Phoebe zu und zog mich näher zu sich. „Wie habt ihr euch eigentlich kennengelernt?", mischte Daisy sich in die Unterhaltung mit ein. „Wie heißt du überhaupt?" Mir wurde augenblicklich bewusst, dass ich meinen Freund tatsächlich noch nicht mit meinen Schwestern bekannt gemacht, was mich kurz zum Lachen brachte.

„Ich bin Harry", übernahm er für mich das Reden. Die Zwillinge lächelten ihn an und stellten sich daraufhin ebenfalls vor. Ihren Gesichtsausdrücken nach zu urteilen, waren sie von Harry genauso fasziniert, wie ich es war. Alles an ihm war in meinen Augen einfach unglaublich. Alleine seine tiefe Stimme reichte aus, um mir einen wohligen Schauer den Rücken hinab zu jagen.

„Und wir haben uns kennengelernt, als euer Bruder in meinen Blumenladen marschiert ist", plauderte er aus dem Nähkästchen. „Ich wollte eigentlich nur Blumen für Eleanor besorgen, aber irgendwie ging der Florist mir danach einfach nicht mehr aus dem Kopf", offenbarte ich. „Also waren du und Eleanor noch ein Paar, als ihr euch kennengelernt habt?", erkundigte sich Dan. Als ich zögernd nickte, konnte ich förmlich dabei zusehen, wie er seine Stirn kraus zog und mich nachdenklich musterte. „Du hast dich aber von ihr getrennt, bevor du und Harry euch nahe gekommen seid, richtig?", fragte er nun skeptisch.

Augenblicklich überkam mich wieder das schlechte Gewissen, sodass ich schwer schluckte und mein Körper sich unangenehm anspannte. „Nicht so richtig", gestand ich. „Er war aber ehrlich zu ihr", verteidigte Harry mich nun, obwohl das Gesagte nur der halben Wahrheit entsprach. Ich hatte ihr den Kuss und unsere Intimitäten auf dem Sofa schließlich lange genug verschwiegen.

„Ich habe wirklich versucht, das Richtige zu tun. Weil sie doch schwanger ist. Aber ich konnte mich nicht von Harry fernhalten", versuchte ich mich zu erklären, woraufhin Harry liebevoll mit einer Hand meinen Oberarm auf und ab streichelte. Ich bemerkte wie Dan seinen Blick einige Male zwischen uns her schweifen ließ, bevor er sich räusperte und nickte. „Gegen die Liebe ist alles andere machtlos", murmelte er, sein Blick sagte jedoch deutlich, was er von der Untreue hielt. 

„Was hat Eleanor eigentlich gepostet?", wollte ich von meinen Schwestern wissen, um von dem unangenehmen Thema abzulenken. Sofort zog Phoebe ihr Telefon aus ihrer hinteren Hosentasche und tippte etwas darauf herum. „Hier", sagte sie und reichte mir das hell erleuchtete Telefon. Ich nahm es entgegen und sah mir das Bild an. Es war ein Schnappschuss von uns beiden aus unserem letzten Italienurlaub, auf welchem ich hinter ihr stand und meine Hände vor ihrem Bauch verschränkt hatte. Dass ich für dieses Foto auf Zehenspitzen stehen musste, sah man zum Glück nicht.

„Sie sagt kein Wort von eurer Trennung", flüsterte Harry nahe an meinem Ohr, sodass ich sogar seinen heißen Atem fühlen konnte. „Sie ist wirklich eine tolle Frau, Lou. Sie nimmt dich sogar noch jetzt in Schutz." Ich drehte meinen Kopf, sodass ich sehen konnte, wie Harry seine Lippen zu einem schiefen Grinsen verzogen hatte. Dann wandte ich meinen Blick zurück zu der Bildunterschrift. Eleanor hatte wirklich kein schlechtes Wort über mich verloren. Sie schrieb nur, dass sie schwanger war und wir uns auf unser gemeinsames Kind freuten. 

Trotz der Schuldgefühle ihr gegenüber spürte ich, wie sich Hoffnung in mir breit machte. Hoffnung darauf, mit Harry glücklich werden zu können, ohne meinen Traum aufgeben zu müssen. Wenn Eleanor und ich vor den Augen der Öffentlichkeit nur lange genug als verlobt galten, könnten Harry und ich im Geheimen unsere Zuneigung ausleben und niemand würde davon erfahren. 

Ich küsste Harry zärtlich auf die Lippen, dann gab ich meiner Schwester ihr Smartphone zurück. „Nächsten Sonntag darf ich wieder spielen. Mögt ihr uns in London besuchen kommen und das Spiel ansehen?", lud ich meine Schwestern und meinen Stiefvater ein. „Meinst du, du bist fit genug, um nächste Woche schon wieder spielen zu können?", raunte Harry mir ins Ohr. Ich nickte vorsichtig, dann drehte ich meinen Kopf, um ihm in die Augen sehen zu können. „Der Sport letzte Nacht hat mir ja auch nicht geschadet, oder?", gab ich flüsternd zurück, woraufhin ein eindeutiges Funkeln in Harrys Augen erschien. Auch meine Gedanken schweiften ab zu letzter Nacht, sodass ich fast schon reflexartig mit meiner Zunge über meine Lippen leckte.

„Ich würde euch ins Stadion begleiten", sagte Harry dann schon etwas lauter, sodass meine Familie ihn wieder hören konnte. „Das ist eine tolle Idee", schwärmte Daisy und schenkte uns ein verträumtes Lächeln. „Vielleicht können wir ja Lottie fragen, ob sie uns auch begleiten möchte", machte sie einen Vorschlag, der mir aber sofort das Lächeln aus dem Gesicht wischte. Harry spürte wohl, wie mein Körper sich verspannte, denn er streichelte sanft über meinen Oberschenkel. 

„Vielleicht wäre es ganz gut für dich, die Unterstützung deiner Familie zu haben, wenn du dich mit Lottie aussprichst", erklärte nun Harry, der genau wie Dan wusste, wie Lottie gerade zu mir stand. „Gut, dann fahren wir nächste Woche nach London", beschloss mein Stiefvater schließlich und erhob sich vom Tisch. „Ich nehme an, ihr beiden bleibt zum Essen?", fragte er und begann sogleich in der Küche zu hantieren. Ich kuschelte mich derweil mehr an Harry und schloss dabei genießerisch die Augen.

Nach so vielen Jahren, in denen ich meine Sexualität verheimlichen musste, hatte ich es endlich geschafft, mich meiner Familie gegenüber zu offenbaren. Ich fühlte mich frei wie nie zuvor. Auch wenn ich meine Gefühle für Harry noch einige Zeit vor der Öffentlichkeit würde verbergen müssen, war es eine unglaubliches Genugtuung vor meiner Familie offen zu ihm stehen zu können.

„Louis, kommst du kurz mit an die frische Luft?", forderte Dan mich auf, nachdem er einen Topf auf den Herd gestellt hatte. Ich rümpfte meine Nase, erhob mich aber und gab Harry einen kurzen Kuss auf die Lippen. Der lächelte nur und vereinte unsere Lippen erneut zu einem liebevollen Kuss, bevor er mich Dan folgen ließ. „Was gibt's?", fragte ich, als ich die Terrassentür hinter mir schloss und zu ihm in den Garten trat. „Du hast mich heute ziemlich geschockt, Louis. Ich bin natürlich stolz darauf, dass du es geschafft hast, Fizzys Grab zu besuchen. Und uns wieder zu besuchen. Doch ich hätte nie erwartet, dass du statt mit Eleanor mit einem Mann hier auftauchen würdest. Oder du schon Vater wirst."

Dan vergrub seine Hände in seinen Hosentaschen und ließ seinen Blick durch den Garten schweifen. „Ich weiß, du hast mit deiner Mutter nie über deine Sexualität gesprochen. Aber sie hat es geahnt. Sie hat mir praktisch befohlen, mich um dich zu kümmern, solltest du dich outen." Er sah mir direkt in die Augen und lächelte mich mit einer Wärme an, die ich so kaum von ihm kannte. „Ich soll dir von ihr sagen, dass sie dich liebt und sie dir alles Glück der Welt wünscht. Sie hat gesagt, dass sie unendlich stolz auf das ist, was du erreicht hast. Sie hat aber auch gesagt, dass du dich selbst in diesem ganzen Trubel nicht vergessen sollst."

Er schwieg einen Moment, in welchem ich seine Worte sacken lassen konnte. Nie hätte ich erwartet, dass meine Mutter sich Gedanken über meine Sexualität gemacht hätte. Doch sie hatte mich oft genug mit ihrem Wissen überrascht. Oft hatte ich den Eindruck, dass sie besser wusste wer ich war, als ich selbst.

„Ich bin froh, dass du jetzt Harry hast", setzte Dan seine kleine Rede fort. „Er scheint genau das zu sein, was du gebraucht hast."

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[1225 Wörter, 12.08.2020]

Daisy und Phoebe scheinen Harry zu mögen:)

Und Mütter scheinen immer Bescheid zu wissen... Gut, dass Dan Jays Worte weitergeben kann

Only The Brave || Larry AUGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt