Gesamtsituation

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„Fuck", stieß ich aus, während ich mich mit einer Hand in meinen Haaren festkrallte und aufgeregt durchs Zimmer tigerte. „Was, wenn das ein Journalist ist?", fauchte ich und deutete mit einer Hand in Richtung Tür. Ich sah, wie Harry schluckte und nervös seine Hände über seine Oberschenkel rieb, bevor er aufstand und langsam auf mich zukam. „Was, wenn er mich erkannt hat?", flüsterte ich, wobei ich spürte, wie meine Hände zu zittern begannen. Unsere Pläne wären zerstört, bevor sie überhaupt richtig begonnen hatten. 

Und meine Karriere wäre somit auch im Eimer.

Harry griff nach meinen Händen und hielt sie fest umschlossen, während ich an meiner Unterlippe knabberte und ihm in die Augen sah. Langsam ließ das Zittern nach und wurde durch eine Wärme ersetzt, die sogar die Übelkeit verdrängte, die einen Moment zuvor aufgekommen war.

„Harry?", ertönte eine Männerstimme von der anderen Seite der Wohnungstür. „Harry?", stotterte ich. „Er kennt dich?", hauchte ich erleichtert, woraufhin auch mein Freund aussah, als wäre ihm eine Last von den Schultern gefallen. „Willst du im Schlafzimmer warten? Vielleicht hat er dich ja gar nicht erkannt", schlug Harry vor, woraufhin ich schnell nickte, ihm einen Kuss auf die Lippen drückte und im Schlafzimmer verschwand. Die Tür lehnte ich nur an, sodass ich hören konnte, was im Hauptraum der Wohnung vor sich ging. 

„War das gerade Louis Tomlinson? Der Fußballer, den deine Schwester so mag?", hörte ich den für mich fremden Mann fragen, bevor eine Tür ins Schloss fiel. Alleine dieser Satz reichte, um mir in Gedanken schon mein Grab zu schaufeln. Jemand wusste Bescheid. Was, wenn dieser jemand nicht dichthalten würde?

„Du irrst dich, Michal. Wobei ich zugeben muss, dass mein Freund ihm zum Verwechseln ähnlich sieht", hörte ich nun Harrys ruhige Stimme, die auch meinen kurzen Moment der Verzweiflung dämpfen ließ. „Du bist in einer Beziehung? Das freut mich, Harry", sagte nun der Unbekannte, der wohl Michal hieß, in einem Tonfall, der ehrliche Freude vermittelte. „Also, der Grund warum ich eigentlich hier bin, Harry...", begann Michal nun und klang dabei, als wären ihm seine Worte überaus peinlich. 

„Also, naja, dein Badezimmer grenzt an mein Badezimmer. Da ist ja nur diese schmale Wand dazwischen", erklärte der Mann, der wohl Harrys Nachbar sein musste. Schnell presste ich meine Faust gegen meine Lippen, um nicht sofort laut loszuprusten. „Vielleicht könntet ihr mich das nächste Mal ja vorwarnen, dann verlasse ich rechtzeitig das Badezimmer. Oder die Stadt", murmelte Michal, woraufhin ich nur Harrys lautes Gelächter hören konnte. 

„Wer ist eigentlich dein Freund? Kenne ich ihn?", fragte der Fremde schließlich, offensichtlich um von dem - für ihn - peinlichen Thema abzulenken.  „Oh, er... also... er...",  druckste Harry herum, wobei ich nicht anders konnte, als meine Mundwinkel zu einem liebevollen Lächeln zu verziehen und belustigt mit den Augen zu rollen. So langsam verstand ich Gemmas Besorgnis. Harry konnte wirklich nicht lügen. 

Das Klopfen an der Tür unterbrach ihn bei seiner mühsamen Suche nach den richtigen Worten. Da das nur noch Eleanor sein konnte und ihre Anwesenheit ohnehin Fragen aufwerfen würde, zog ich mir seufzend ein Shirt über und atmete tief durch, bevor ich die Schlafzimmertür öffnete und zu den anderen beiden ins Wohnzimmer hinein spazierte.

„Hallo, du musst Michal sein. Ich bin Louis", begrüßte ich Harrys Nachbarn, der nun völlig verwirrt aus der Wäsche schaute. Dann wandte ich meinen Blick zu meinem Freund. „Gehst du an die Tür? Ich will nicht noch einmal das Risiko eingehen", raunte ich ihm leise zu, woraufhin er mich anlächelte, kurz seine Lippen auf meine legte und dann hinter der kleinen Wand verschwand, die die Küchenzeile von dem Eingangsbereich abtrennte. 

„Hallo Eleanor", hörte ich Harrys Stimme, während ich Michals ungläubigen Blick auf mir spürte. „Hallo Harry." Dass das für beide eine unangenehme Situation war, war mir klar. Doch ich hatte es nicht auf einen zweiten Versuch ankommen lassen wollen. Schließlich konnte man nie wissen, ob hinter der Tür nicht ein Journalist oder Fotograf lauerte, der eins und eins zusammenzählen konnte. „Dir ist hoffentlich klar, dass all das nie passiert ist? Kein Wort an die Öffentlichkeit!", erklärte ich Harrys Nachbarn eindringlich, während Eleanor und Harry auf uns zu kamen. Michal nickte schnell und versicherte mir, die Klappe zu halten. 

„Harry, richte deiner Schwester bitte liebe Grüße aus, ich werde dann jetzt gehen", erklärte er meinem Freund in einem gehetzten Tonfall, der deutlich machte, wie unwohl er sich gerade fühlte. Harry schmunzelte, verabschiedete sich aber sogleich von seinem Nachbarn, der sogleich zur Tür hinaus verschwand. „Er steht schon seit Ewigkeiten auf meine Schwester, traut sich aber nicht, sie um ein Date zu bitten", plauderte Harry, während er sich der Küchenzeile zuwandte und den Wasserkocher mit Wasser befüllte. 

Schmunzelnd wandte ich mich wieder meiner Ex-Verlobten zu, die ich sogleich begrüßte. Eleanor, die unschlüssig im Raum stand, erwiderte meine Begrüßung, während sie ihre Blicke naserümpfend durch Harrys Wohnung schweifen ließ. „Schön, dass das so schnell geklappt hat", sagte sie in einem versöhnlichen Tonfall, woraufhin ich nur nickte und einladend zu dem Sessel deutete, auf welchem sie sich sogleich niederließ. 

Ich setzte mich zurück aufs Sofa und sah sie gespannt an. „Ich habe über die Gesamtsituation nachgedacht, Louis", begann sie mit gekräuselter Stirn, aber höflichem Lächeln im Gesicht. Planlos nickte ich erneut und beobachtete sie dabei, wie sie scheinbar nach Worten suchte. Bevor aber einer von uns beiden weitersprach, stellte Harry zwei Tassen Tee vor uns auf dem Couchtisch ab. „Ich gehe dann ins Schlafzimmer, damit ihr ungestört miteinander reden könnt", stammelte er unsicher, wodurch sich automatisch wieder ein Lächeln auf mein Gesicht schlich. 

Glücklich sah ich den Mann an, der mein Herz höher schlagen ließ und der meiner Exfreundin mit so viel Höflichkeit begegnete. „Das wird nicht nötig sein, Harry. Gewissermaßen betrifft es dich ja auch", sagte Eleanor daraufhin, wodurch ich zwar etwas verdutzt war, Harry sich aber gleich mit gebührendem Abstand neben mich aufs Sofa setzte und seine Teetasse auf dem Tisch abstellte. Er wollte wohl nicht noch Salz in Eleanors Wunde streuen.

„Louis", seufzte Eleanor und legte eine Hand auf ihren Bauch, der mir in all dem Trubel gar nicht aufgefallen war. Er war wirklich gewachsen! „Wenn du jetzt wieder spielst, wirst du sicher auch Interviews führen müssen", begann Eleanor und lenkte meine Aufmerksamkeit wieder zu ihrem Gesicht. „Ich will, dass wir endlich unsere Trennung bekannt geben. Ich könnte es nicht ertragen, zu hören, wie du über unsere Beziehung sprichst." Noch bevor ich antworten konnte, hörte ich ein erleichtertes Schnauben von Harry. Schnell wandte ich meinen Kopf, um ihn anzusehen. 

Mein Freund räusperte sich etwas, dann streckte er seinen Arm aus und griff nach meiner Hand, die bisher auf meinem Oberschenkel geruht hatte. „Ich kann mich da nur anschließen, Lou", seufzte er, während er liebevoll mit seinem Daumen über meinen Handrücken streichelte. „Es würde mir auch wehtun, zu sehen, wie du in der Öffentlichkeit von Eleanor schwärmst." Kurz öffnete ich meinen Mund, um etwas zu erwidern, schloss ihn aber sogleich wieder, da mir die Worte im Mund stecken blieben. „Habe ich richtig verstanden, dass ihr das vor der Welt geheim halten wollt?", erkundigte sich Eleanor und deutete ein paar Mal zwischen Harry und mir her. 

Ich presste meine Lippen zusammen und verzog diese dann zu einem unnatürlichen Grinsen, dann nickte ich. „So lange es nur geht", antwortete ich ihr. Eleanor nickte, dann lehnte sie sich im Sessel zurück. „Werdet ihr beiden dann zurück in das Haus ziehen?", wollte sie wissen, doch ich sah, wie sehr ihr dieser Gedanke zu schaffen machte. Ohne zu zögern schüttelte ich den Kopf. „Mich kriegen keine zehn Pferde mehr in die Nähe des Pools. Ich wohne jetzt hier. Du kannst das Haus haben", erwiderte ich bestimmt, dann sah ich wieder zu Harry, dem die Erleichterung ins Gesicht geschrieben war.

Meine Hand hatte er nicht wieder losgelassen, worum ich wirklich froh war. Seine Nähe war wie eine Droge für mich. Sie war berauschend und gab mir genügen Kraft, all das durchzustehen. 

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[1306 Wörter, 08.09.2020]

Der Mann von nebenan war's. Da haben einige von euch richtig getippt:) Was haltet ihr von Michal?

Und viel wichtiger: Was haltet ihr von Eleanor und der Gesamtsituation? Was sollten Eleanor und Louis noch besprechen?

Only The Brave || Larry AUGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt