„Befalls du es vergessen haben solltest, das ist immer noch unsere Familie", rief ich zurück und konnte augenblicklich Zorn in Lotties Augen auflodern sehen. „Du denkst, du wärst noch Teil der Familie, nachdem du eine von uns umgebracht hast?", schrie Lottie unter Tränen, wobei ihr Gesicht nur noch eine schmerzverzerrte Grimasse war. „Glaubst du, ich wollte, dass meine Schwester wegen mir stirbt?", antwortete ich genauso laut und wandte kurz meinen Blick ab, denn ihren ertrug ich nicht mehr länger. Es war die reinste Folter, so offen Lotties Wut und Trauer zu spüren.
„Glaubst du etwa, ich hätte ihr das Zeug gebracht, hätte ich gewusst, dass sie daran sterben könnte?", redete ich weiter, als ich all meinen Mut zusammennahm und ihr wieder in die Augen blickte. „Verdammte Scheiße, Lottie. Glaubst du wirklich, ich wollte das alles?", forderte ich brüllend eine Antwort. Meine Schwester schluchzte laut auf und vergrub ihr Gesicht wieder in ihren Händen. Sie ließ ihren Kopf hängen, doch ich konnte genau sehen, wie Tränen an ihren Händen hinabglitten und schließlich lautlos auf den Boden tropften.
„Du wusstest, dass es ihr schlecht ging", jammerte Lottie, als sie mich wieder aus ihren roten Augen heraus anblickte. „Du hast ihr die verdammten Medikamente gebracht, aber nie auch nur eine Minute Zeit genommen, dir ihre Probleme anzuhören. Sie könnte noch leben, wärst du ihr ein guter Bruder gewesen", wies sie mich zurecht. Wie ein Dolch bohrten sich ihre Worte in mein Herz und nahmen mir augenblicklich die Luft zum Atmen. Ich dachte an den Moment zurück, als ich im Pool immer tiefer gesunken war, da ich mein Leben nicht mehr für lebenswert hielt. Ich dachte an die Minuten, in denen ich keine Kraft mehr hatte, für mich zu kämpfen.
Und augenblicklich wurde mir bewusst, dass meiner Schwester nur eine rettende Hand gefehlt hatte. Mich hatte jemand gerettet. Mich hatte jemand aus dem Pool gezogen. Aber niemand hatte Fizzy geholfen, da wieder herauszukommen. „Fuck", stieß ich aus und spürte, wie mir die erste Träne über die Wange kullerte. Ich hatte ihr nicht zugehört, ich hatte keine Zeit für sie. Obwohl ich wusste, wie verzweifelt und ängstlich sie an diesem Tag war, hatte ich sie für ein Fußballspiel versetzt.
„Ich dachte damals, die Medikamente würden ihr über die Angst und ihre Phantasien hinweghelfen", flüsterte ich leise und wurde nur durch Vogelgezwitscher in der Ferne übertönt. „Ich hatte doch keine Ahnung, wie schlimm es wirklich um sie stand", entschuldigte ich mich, auch wenn ich genau wusste, dass es für so etwas keine Entschuldigung gab. Meine Schwester sah mich nur zornig an und schüttelte währenddessen immer wieder ihren Kopf, ganz als müsse sie sich selbst etwas ausreden.
„Wie denn auch... Es... es hat dich nie interessiert", stammelte Lottie und blickte mich aus ihren verweinten Augen aus an. „Du hast dich nie für uns interessiert. Nur der Fußball war für dich wichtig. Dass deine Schwester daran zu Grunde ging, hat dich nie auch nur im Ansatz gejuckt", redete sie schnell auf mich ein und wurde bei jedem Wort lauter, sodass ich am Schluss glaubte, ganz Doncaster könnte ihre Rede verfolgten. Schuldbewusst ließ ich meinen Blick von Lotties Gesicht zu dem Joint am Boden wandern. Als mir die Aussage hinter ihren Worten bewusst wurde, sah ich sie mit großen Augen an.
„Du... du wirst doch nicht", wollte ich schockiert wissen. Ich dachte eigentlich immer, dass Lottie die Aufmerksamkeit gefallen würde, die sie durch mich bekommen hatte. Schließlich verdiente sie ihr Geld mit sozialen Medien und konnte sich allen Luxus leisten. Ich war wirklich der festen Überzeugung, dass sie die Medien im Griff hatte und nicht anders herum. Erneut schüttelte meine Schwester den Kopf und vergrub dabei ihre Hände in den Taschen ihres Parkas. „Nein", sagte sie beängstigend ruhig. „Aber ich kann Fizzy gut verstehen", ergänzte sie.
Ich schloss für einen Moment meine Augen und kämmte mit einer Hand durch meine Haare. „Ich weiß, dass Fizzys Tod meine Schuld war, Lottie. Und ich werde es mir auch niemals vergeben können", gestand ich. Dabei ließ ich meinen Blick immer wieder über die Lettern auf Fizzys Grabstein gleiten. „Ich hätte nicht gedacht, dass du zu so etwas wie Reue fähig wärst, Arschloch", meinte Lottie, bevor sie höhnisch auflachte. „Ich dachte echt, es würde dir an deinem arroganten Fußballerarsch vorbeigehen, dass deine Schwester tot ist", sagte sie und zog dabei bedrohlich ihre Augen zusammen.
„Du bist doch schon dabei, das nächste Supermodel flachzulegen. So oberflächlich wie du bist, geht es dir sowieso nicht um innere Werte. Dünn und dämlich muss sie sein, nicht war?", wollte sie lachend wissen, wodurch sie mich an meine Jugend erinnerte. Da meine ganze Konzentration schon immer dem Fußball galt, hatte ich während meiner Zeit bei den Donny Rovers hin und wieder One-Night-Stands mit weiblichen Fußballfans, die ganz Lotties Beschreibung entsprachen. Sie verschafften mir zwar kurzzeitig Befriedigung, aber hatten mich nie wirklich erfüllt. Meine erste Beziehung war die mit Eleanor, obwohl auch die kein Vergleich war zu dem, was ich nun mit Harry hatte.
„So ist das nicht und das weißt du wohl am besten", antwortete ich nun wütend. „Ich mochte Eleanor wirklich. Außerdem sind weder sie noch Bella dämlich", ergänzte ich, denn ihre Aussage konnte ich nicht so stehen lassen. „Dann ist das alles nur Show? Wegen dem Typen, dem du gerade die Zunge in den Hals gesteckt hast? Oder ist er auch nur eine schnelle Nummer zwischendurch?", rief sie so laut, dass ich schon meine Karriere den Bach runter gehen sah. „Nein", entgegnete ich mit fester und klarer Stimme. „Harry ist keine Nummer für zwischendurch. Es ist mir wirklich ernst mit ihm", gestand ich und machte dabei einen Schritt auf meine Schwester zu, in der Hoffnung, sie würde dadurch leiser reden.
„Tu nicht so, als ob du tatsächlich Gefühle hättest", zischte Lottie und krallte sich mit einer Hand in ihren Haaren fest, die mittlerweile kaum mehr an das sonst so gepflegte Äußere von ihr erinnerten. „Wie darf ich das denn bitte verstehen?", fauchte ich zurück und unterstrich meine Frage mit wilder Gestik. „Du hast unserer Schwester keine Träne hinterhergetrauert. Du warst nicht einmal bei ihrer Beerdigung, so wenig hast du dich für sie interessiert. Ganz zu schweigen davon, dass du nach ihrem Tod die ganze Familie gemieden hast. Ich meine, es ist mehr als offensichtlich, dass es dich einen Dreck interessiert, was mit uns geschieht", sagte Lottie bedrohlich und funkelte mich dabei wütend an.
Ich schluckte schwer und taumelte ein paar Schritte zurück, denn ihre Anschuldigungen trafen mich mit voller Wucht. „Lottie", krächzte ich. „Ich... wie soll ich bitte zu Fizzys Beerdigung gehen, wenn ich weiß, dass alle Leute mich dort hassen, weil ich ihr Mörder bin? Wie soll ich meiner Familie unter die Augen treten, wenn ich weiß, dass ihr mich verachtet? Verdammt, Lottie, glaubst du etwa, für mich war das Ganze leicht zu verkraften? Glaubst du wirklich, der Tod meiner Schwester hätte mich nicht weiter gekümmert? Mir ging es dreckig, verdammt. Wäre Liam nicht so ein guter Freund, würde ich heute hier neben Fizzy liegen", redete ich mich in Rage und fuchtelte dabei unterstreichend mit meinen Händen in der Luft herum, bis ich schließlich auf den Grabstein unserer Schwester deutete.
„Was... was meinst du damit?", ruderte Lottie zurück und sah mich schockiert mit großen Augen an. Ich versuchte ihrem Blick standzuhalten, dann schluckte ich schwer und rieb nervös meine Hände ineinander. „Ich... ich hätte mich beinahe umgebracht, Lottie. Mir war alles zu viel. Fizzy, der Hass von dir, der Hass von unserer Familie und dann diese ganze Sache mit Harry. Ich konnte nicht mehr", offenbarte ich ihr leise. „Du hast versucht, dich umzubringen?", hauchte sie tonlos und ging mit offenem Mund einige Schritte zurück. Ich konnte dennoch erkennen, wie sie zitterte und nur stockend atmete. Sie presste ihre Augen zusammen, woraufhin ein Schwall an Tränen unter ihren Lidern hervorschoss und über ihre Wangen preschten.
Ich zuckte mit den Schultern, obwohl sie das gerade gar nicht sehen konnte. Es war mehr für mich selbst, um mit der Situation klarzukommen. „Ich hatte keinen Grund mehr... ich brauche euch. Ich brauche meine Familie. Und genauso brauche ich dich, Lottie. Du weißt doch, dass ich nichts alleine hinkriege", flüsterte ich und griff mit meinen Händen nach den Ellbogen der anderen Arme. Ich verkrampfte mich in dieser Abwehrhaltung, während ich meiner Schwester dabei zusah, wie sie meine Worte verarbeitete.
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[1375 Wörter, 21.10.2020]
Lottie und Louis... reden... Meint ihr, sie können endlich gegenseitiges Verständnis aufbringen und Frieden schließen? Oder haben sie diesen Punkt längst überschritten? Was haltet ihr von Louis? Und von Lottie?
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Only The Brave || Larry AU
FanfictionLouis ist Profi-Fußballer, dessen Leben zur Zeit nicht besser laufen könnte. Wäre da nicht eine Begegnung, die ihn nicht loslassen wollte. [ziemlich lange Larry Au] ACHTUNG TRIGGERWARNUNG: Diese Geschichte thematisiert Suizid und Missbrauch. Diese K...
