Schlägerei

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„Ich bin unglaublich stolz auf dich", wisperte Harry nahe an meinen Lippen, bevor er mich noch einmal kurz küsste und dann in seine Arme zog. Als mein Freund diese Worte aussprach, wallten Glücksgefühle durch meinen Körper, die mir erneut zeigten, dass es etwas gab, für das es sich zu kämpfen lohnte. Harrys Anerkennung war alles, was ich wollte.

„Und ab Morgen zeigst du der Welt, dass es dumm war, dich zu beurlauben. Zeig ihnen, was du drauf hast", flüsterte er und drückte noch einen Kuss auf meine Schläfe. „Also Louis, eines sei dir gesagt. Hätte es damals keine Schlägerei auf dem Platz gegeben, dann wäre Harry heute genauso ein Fußballfan wie ich es bin. Er ist einfach viel zu friedliebend, um so etwas mit anzusehen", erklärte mir Gemma, woraufhin ich bitter an Liams und mein erstes Zusammentreffen vor sieben Jahren erinnert wurde.

„Wie kam es eigentlich dazu? Die Medien haben den Grund für die Schlägerei praktisch totgeschwiegen", wollte die Schwester meines Freundes wissen. Tatsächlich wurde die Auseinandersetzung damals wirklich unter den Tisch fallen lassen, da das Management des anderen Clubs schlechte Presse verhindern wollte. 

Angestrengt versuchte ich meine Gedanken zu ordnen, da diese Geschichte so verzwickt war, dass ich nicht wusste, wo ich anfangen sollte. „Liam hatte ein paar Tage zuvor den dritten Platz bei X-Factor belegt und war dementsprechend in aller Munde. Trotzdem ließ er es sich nicht nehmen, einem Kindheitsfreund einen Gefallen zu tun", begann ich und erwiderte dabei Gemmas neugierigen Blick. 

„Ein schwuler Kumpel um genau zu sein. Er hatte sich erst ein paar Tage vorher vor seiner Familie geoutet und wollte nun ganz stolz beim Christopher Street Day mitmarschieren. Und Liam ist einfach ein herzensguter Mensch, der niemandem einen Wunsch abschlagen kann. Also hat er ihn begleitet. Er konnte ja nicht damit rechnen, dass er am nächsten Tag auf jedem Titelblatt erscheinen würde."

„Dann gingen die Fußballer nur auf ihn los, weil er anscheinend schwul war?", erkundigte sich Gemma, woraufhin ich nur mit den Schultern zucken konnte. Es war anzunehmen, dass das der Grund für die Eskalation war, schließlich galt diese Mannschaft schon immer als besonders homophob. Bereits während des Spiels hatten sie Freude daran, jeden Spieler der Donny Rovers mit schwulenfeindlichen Ausdrücken zu beleidigen, obwohl auch bei meiner alten Mannschaft alle als heterosexuell galten.

 „Als das Spiel zur Halbzeit abgepfiffen wurde, ging Liam auf den Platz um sich für seinen Auftritt bereit zu machen. Er hatte noch nicht einmal begonnen zu singen, da sind schon Spieler der anderen Mannschaft auf ihn losgegangen und haben auf ihn eingeschlagen." 

Erneut zuckte ich mit den Schultern und kuschelte mich mehr in Harrys Arme. Die Erinnerungen erneut vor Augen zu haben, erweckte in mir die Sehnsucht nach Geborgenheit, die nur Harrys Nähe mir spenden konnte. „Und du bist einfach dazwischen gegangen", vollendete Gemma die Geschichte. "Natürlich, ich konnte ja nicht einfach so dabei zusehen. Und seien wir mal ehrlich, Liam war damals noch ein richtiger Schwächling." Ich hörte, wie Harry grunzte, bevor er mit seinen Lippen zärtlich an meinem Hals entlang streifte und sie letztlich auf mein Ohrläppchen legte, wo er einen sanften Kuss platzierte. 

„Hatte Liam danach ernsthafte Verletzungen?", erkundigte Gemma sich neugierig. Ich atmete tief durch, dann schüttelte ich den Kopf. „Nichts weiter als ein paar blaue Flecken", erklärte ich. „Viel schlimmer war, was dieser Vorfall mit seiner psychischen Gesundheit gemacht hat. Ihm war zwar immer bewusst, dass es Menschen geben würde, die ihn als Sänger nicht mögen würden. Doch es war das erste Mal, dass er erfahren musste, dass es auch Menschen geben würde, die ihn als Person verachteten. Und das, obwohl er nur einem Freund zur Seite gestanden und das Richtige getan hat."

Harrys Schwester sah mich mit großen Augen an, während ich auch von meinem Freund ein paar erstaunte Ausrufe hörte. „War das der Beginn eurer Freundschaft?", fragte er leise, denn Liams Geschichte hatte für eine drückende Stimmung gesorgt, die uns alle nachdenklich stimmte. „Ja, ich hatte damals alle Mühe, ihn wieder aufzubauen. Für mich waren solche Anfeindungen schließlich nichts Neues. Ich stehe ja schon seit Kindertagen auf dem Platz, da lernt man auch früh mit der Feindseligkeit mancher Menschen umzugehen. Für Liam war das damals aber eine schmerzliche Erfahrung, die ihn ziemlich geprägt hat. Es hat Monate gedauert, bis er sich wieder aus dem Haus getraut hat und mit seiner Rolle umgehen konnte."

Als meine Worte verklangen, breitete sich eine Stille aus, die zeigte, wie sehr die Geschichte auch den Styles-Geschwistern zu schaffen machte. Um ihnen die Zeit zu geben, das Gesagte zu verarbeiten, schloss ich meine Augen und legte meinen Kopf auf Harrys Schulter ab. Mein Gesicht vergrub ich dabei in seiner Halsbeuge, um seinen vertrauten Duft einatmen zu können. Die Ruhe war herrlich erholsam, sodass ich bald spürte wie meine Augenlider immer schwerer wurden und ich allmählich wegdämmerte.

Das Klingeln meines neu erworbenen Telefons zerstörte die Stille und ließ mich augenblicklich vom Sofa aufspringen. Als ich es schließlich auf dem Küchentisch fand und die Nachricht las, die eben eingetroffen war, wünschte ich, ich hätte mir nie ein neues Telefon gekauft. Seufzend ließ ich mich zurück auf meinen Platz neben Harry fallen und zeigte ihm die Nachricht. „Eleanor wird bestimmt sauer, wenn ich sie nicht begleite", kommentierte ich die paar Wörter, die mich an den morgigen Ultraschalltermin erinnern sollten.

„Ich habe morgen aber Training, ich kann das nicht gleich am ersten Tag schwänzen", erklärte ich Harry meinen Zwiespalt. Ich konnte hören, wie er einmal tief die Luft einsog, bevor er mir antwortete. „Dann sag es ihr so. Erzähl ihr davon, dass du im Krankenhaus warst und du das Training jetzt nicht sausen lassen kannst. Sie wird es bestimmt verstehen. Beim nächsten Termin bist du ja wieder dabei."

Da ich keine andere Wahl hatte als Harrys Rat zu befolgen, erhob ich mich vom Sofa, beugte mich vor und legte meine Lippen liebevoll auf Harrys. „Ich rufe sie schnell an", erklärte ich ihm, dann eilte ich ins Schlafzimmer, wo ich die Tür hinter mir schloss und mich erschöpft aufs Bett fallen ließ. Auch wenn es mir vor dem Telefonat graute, sprang ich schnell ins kalte Wasser und wählte Eleanors Nummer.

„Louis?", erkundigte sie sich überrascht, als sie den Anruf entgegennahm. „Hallo Eleanor", begrüßte ich sie und legte mir im Kopf bereits ein paar Worte zurecht. „Wie geht es dir? Und wie geht es unserem Sohn?", fragte ich nach, dann zog ich meine Unterlippe zwischen meine Zähne und knabberte nervös daran herum. „Mir geht es den Umständen entsprechend gut, Louis. Man sieht sogar schon ein kleines Bäuchlein. Aber all meine Schuhe drücken mittlerweile und mir passt kein einziger Ring mehr", klagte sie, obwohl sich all meine Gedanken bereits um ihre erste Aussage drehten. Man konnte schon ein kleines Bäuchlein sehen. Wie gerne ich jetzt meine Hand darauf legen und meinen Sohn fühlen wollte.

„Das tut mir leid für dich, Eleanor", sprach ich die Wassereinlagerungen an, vor denen uns ihre Frauenärztin bereits gewarnt hatte. „Aber ich freue mich sehr, dass Freddie wächst", erzählte ich ihr, denn ich konnte es kaum erwarten, unseren Sohn in den Händen zu halten. „Ich freue mich auch, Louis", flüsterte Eleanor. „Hast du angerufen, weil du wissen wolltest, wie es uns geht?", erkundigte sie sich. „Auch", stammelte ich als Antwort, denn ich wusste, dass sie sich über die folgende Aussage nicht allzu sehr freuen würde. „Können wir den Ultraschalltermin vielleicht verschieben? Ich habe morgen Training und darf wirklich nicht fehlen", offenbarte ich ihr.

Einen Moment lang herrschte Schweigen am anderen Ende der Leitung. Ich konnte nur hören, wie sie schwer atmete und immer wieder zu einer Antwort ansetzte. „Willst du damit sagen, dass dir deine Karriere wichtiger ist als dein Sohn?"

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[1268 Wörter, 31.08.2020]

Jetzt wissen wir endlich, was Liam und Louis vor sieben Jahren erlebt haben...

Und Louis freut sich schon darauf, Vater zu werden:) Ob El ihm das mit dem Ultraschalltermin verzeihen kann?

Only The Brave || Larry AUGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt