„Geht es wieder?", fragte Harry besorgt. „Wenn nicht, dann fahre ich dich sofort zurück ins Krankenhaus." Ich bewegte meinen Kopf mehrmals von links nach rechts und verneinte somit nicht nur seine Frage, sondern versuchte auf diese Weise auch, diesen Albtraum von mir abzuschütteln. „Alles gut", erklärte ich ihm. Denn im Moment war es das wirklich. „Louis, willst du wirklich deine Karriere beenden?", wollte Harry nun wissen. Auch wenn ich da drin ebendies von meinem Berater verlangt hatte, war ich mir nicht sicher, ob ich diese Frage mit einem klaren 'ja' beantworten konnte.
Als ich schließlich nichts dazu sagte, streichelte Harry mit seinen Daumen über mein Gesicht. Meine Hände hatte ich noch immer in seinem Hemd festgekrallt, denn obwohl ich nicht mehr das Gefühl hatte zu ertrinken, brauchte ich jetzt diesen Halt. „Hör zu, Louis. Du hast es mir selbst gesagt. Fußball ist dein Leben. Du brennst für diesen Sport und es war schon immer dein Traum in der Nationalmannschaft zu spielen. Wirf das doch jetzt nicht alles weg", flehte Harry.
Ich atmete einmal tief durch. Nicht, weil meine Lunge Probleme machte, sondern weil seine Worte mir zu schaffen machten. „Es ist noch immer mein Traum", gab ich leise zu. Auf dem Platz zu stehen und zu spielen war meine Leidenschaft, das würde sich wohl niemals ändern. Erneut nahm ich einen tiefen Atemzug, denn folgende Worte kosteten mich viel Kraft. „Ich kann das aber nicht mehr, Harry. Ich habe keine Kraft mehr zu kämpfen." In Harrys Gesicht spiegelte sich gleichermaßen Verständnis wie Verwirrung wieder, weshalb ich gleich weiterredete.
„Es war kein Unfall, dass ich im Pool gelandet bin. Ich bin nicht ausgerutscht und auch nicht gestolpert. Ich habe mich mit voller Absicht ins Wasser gestürzt", erklärte ich ihm. Eigentlich wollte ich es noch eine Weile vor ihm geheim halten, doch in diesem Moment fühlte es sich richtig an, es ihm zu sagen. „Du, du meinst...", stotterte Harry, nach ein paar Sekunden, in denen seine Augen immer größer wurden und meine Worte langsam zu ihm durchzudringen schienen.
Langsam nickte ich, woraufhin Harry mich gleich in seine Arme zog und sich fest an mich klammerte. „Ich bin so froh, dass Liam dich rechtzeitig gefunden hat", sagte er mit gequälter Stimme. Ich zog scharf die Luft ein, denn mir wurde gerade bewusst, dass ich damit nicht nur mich selbst, sondern auch Liam und Harry verletzt hatte. Wenn auch auf andere Weise.
Als Harry sich wieder von mir löste, sah er mich nachdenklich an. „Willst du das noch immer?", fragte er schüchtern, als hätte er Angst, seine Worte könnten mich geradewegs zurück in den Pool treiben. Schnell schüttelte ich den Kopf. „Nein, bestimmt nicht." Ich ließ vorsichtig meine Fingerspitzen seinen Arm hinab gleiten, bevor ich unsicher nach seiner Hand griff. „Es schien mir wie der letzte Ausweg. Aber als ich im Krankenhaus war und du bei mir warst, da wurde mir klar, dass es noch einen anderen Weg gibt. Zwar kann ich dann nicht mehr spielen, dafür muss ich mich aber nicht mehr verstecken. Und ich könnte in aller Öffentlichkeit mit dir ausgehen, so wie du es verdient hast."
Ich sah, wie Harry schluckte, bevor er gedankenverloren nickte. „Das ist der Grund? Du willst deinen Traum an den Nagel hängen, damit du mit mir zusammen sein kannst?" Langsam nickte ich und kräuselte meine Stirn. Nach meinem Geständnis legte Harry schockiert eine Hand auf seinen Mund und entfernte sich ein paar Schritte von mir. Ich sah, wie er schmerzvoll sein Gesicht verzerrte, bevor er mir den Rücken kehrte.
Es verging eine halbe Ewigkeit bis Harry sich wieder zu mir umdrehte und seine Hand fallen ließ. Langsam setzte er einen Fuß vor den anderen und kam schließlich kurz vor mir zum Stehen. „Louis", hauchte er und legte eine Hand an meinen Hals. Seine Augen musterten mich neugierig, während sein Blick mich gefangen hielt. „Ich würde gerne mit dir ausgehen", sagte er leise, dann lehnte er sich mir entgegen und küsste mich. Augenblicklich breitete sich ein Prickeln von meinen Lippen an aus, das meinen ganzen Körper durchzog. Der warme Sommertag schien noch wärmer zu werden, als ich mich ihm weiter entgegen lehnte und zärtlich meine Lippen an seinen bewegte.
Als Harry schließlich den Kuss unterbrach und wieder etwas Abstand zwischen uns brachte, war mir unglaublich heiß, dabei hatten sich die letzten Tage angefühlt als wäre ich in einer Gletscherspalte gefangen. „Ich will mit dir ausgehen, aber ich brauche das alles gar nicht. Ich muss nicht in die Öffentlichkeit, um mit dir Zeit zu verbringen. Das ist eine Sache zwischen dir und mir und meiner Ansicht nach geht das auch sonst niemanden etwas an. Ich will nicht, dass du für mich deinen Traum aufgibst. Aber wenn du mich auch nicht aufgeben willst, dann bin ich ab jetzt einfach dein heimlicher Geliebter."
Ich spürte, wie mein Herz zu rasen begann und kurz hatte ich Panik, es könnte eines der Symptome für sekundäres Ertrinken sein, wie der Arzt es genannt hatte. Doch es pochte nur so schnell, weil Harry mir eine Möglichkeit gegeben hatte, beides zu haben. Ihn und den Fußball. Auch wenn es trotzdem noch nicht alle Probleme löste. „Ist das dein Ernst?", hakte ich nach, woraufhin Harry bestimmt nickte. „Ja, also ich meine, sich zu verstecken wird bestimmt keine dauerhaft Lösung sein, aber vielleicht schaffen wir das, bis du in der Nationalmannschaft spielen kannst. Danach hast du noch immer die Möglichkeit, die Welt zu verändern."
Glücklich sah ich ihm in die Augen und dachte über die Bedeutung seiner Worte nach. Er sagte das so, als ob es unvermeidlich wäre, dass wir ein Paar würden. Er plante sogar bis zur Fußballweltmeisterschaft, die ja erst nächsten Sommer war. „Ich möchte nicht, dass du dir jetzt noch mehr Druck machst, aber ich wäre bei dir und könnte dich unterstützen, Lou." Kaum hatte er den Satz beendet, war meine Entscheidung gefallen. „Lass es uns versuchen", stimmte ich schließlich seinem Vorschlag zu.
Harry lächelt, dann legte er erneut seine Lippen auf meine. „Wollen wir wieder reingehen? Dein Berater wartet schon auf uns", flüsterte Harry zwischen zwei Küssen. Schnell nickte ich, dann verschränkte ich unsere Hände und ging an seiner Seite zurück ins Wohnzimmer. „Na endlich", rief Jack, als er uns bemerkte. Dieses Mal wartete er aber, bis Harry und ich Platz genommen hatten, bevor er weiterredete.
„Louis", begann er und warf einen kurzen Seitenblick zu Harry, der nun seinen Arm um meinen Rücken legte. „Hör zu, du bist einer der besten Spieler, die Chelsea zu bieten hat und du solltest auf gar keinen Fall über ein Karriere-Aus nachdenken. Dafür bist du einfach zu gut. Außerdem hat das Management auch zugestimmt, von Beurlaubungen auf Grund schlechter Presse abzusehen." Jack legte eine kurze Pause ein, dann seufzte er kurz. „Mir persönlich ist es vollkommen egal, was du in deiner Freizeit treibst. Und mit wem du es treibst. Und wenn das..." Er deutete ein paar Mal mit seinem Finger zwischen Harry und mir hin und her. „...der Grund für diesen Wunsch war, dann finden wir auch dafür eine Lösung. Was immer du willst, aber hör nicht auf zu Spielen."
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[1168 Wörter, 25.07.2020]
Was haltet ihr von Jack?
Und Louis scheint Harrys Idee ja ziemlich gut zu finden, obwohl er sich dann auch weiterhin verstecken muss...
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Only The Brave || Larry AU
Fan-FictionLouis ist Profi-Fußballer, dessen Leben zur Zeit nicht besser laufen könnte. Wäre da nicht eine Begegnung, die ihn nicht loslassen wollte. [ziemlich lange Larry Au] ACHTUNG TRIGGERWARNUNG: Diese Geschichte thematisiert Suizid und Missbrauch. Diese K...
