Der Eine

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Ich schloss meine Augen und atmete tief durch. An Eleanors Stimme konnte ich hören, wie verletzt sie war. Verübeln konnte ich ihr das nicht, schließlich hatte ich mich in letzter Zeit auch nicht besonders um sie oder unser ungeborenes Kind gekümmert. „Nein, Eleanor. Freddie steht für mich immer an erster Stelle. Nur habe ich bereits die letzten zwei Wochen gefehlt, wenn ich morgen nicht dabei bin, werfen die mich sicher aus der Mannschaft. Bitte, Eleanor. Ich werde nie wieder einen Termin verpassen, aber morgen kann ich einfach nicht", redete ich mich um Kopf und Kragen.

„Warum hast du die letzten zwei Wochen gefehlt?", fragte sie verwirrt. "Ich...", begann ich eine Erklärung, brach aber sofort wieder ab, als mir auffiel, dass ich ihr das nicht am Telefon erzählen wollte. „Ich erkläre es dir, wenn wir uns das nächste Mal sehen", versprach ich ihr. Eleanor schnaubte kurz und vor meinem inneren Auge konnte ich schon sehen, wie sie ihre Augen verdrehte. Ich wusste, dass sie jetzt eine Erklärung von mir wollte und keine weiteren Ausreden duldete. „Es gab einen Zwischenfall bei dem ich fast in unserem Pool ertrunken wäre", erklärte ich ihr widerwillig. 

„Du wärst fast ertrunken?", hauchte sie erschrocken ins Telefon. Ich nickte, bis mir auffiel, dass sie das ja gar nicht sehen konnte. „Liam hat mich zum Glück noch im letzten Moment gerettet", war alles, was ich dazu sagte. „Du kannst doch schwimmen, Louis. Wie kann es sein, dass du fast ertrunken wärst? Warst du auf Drogen? Oder alkoholisiert?", hakte sie nach, woraufhin ich schmerzerfüllt meine Lippen aufeinander presste, nicht wissend, was ich sagen sollte.

„Als du und Harry mich verlassen habt...", begann ich und tauchte dabei so tief in meine Erinnerungen, dass ich die Gefühle, die ich vor dem Sturz in den Pool verspürt hatte, wieder allzu deutlich fühlen konnte. „Ich habe nicht mehr weiter gewusst, Eleanor. Ich... ich habe mich einfach in das Wasser fallen lassen und ich wäre auch nie wieder herausgekommen, hätte Liam mich nicht rechtzeitig gefunden." Ich hörte wie Eleanor lautstark die Luft einsog, bevor sie verzweifelt meinen Namen stammelte.

„Louis", sagte sie mit zitternder Stimme. „Ist das wahr? Du wolltest dich umbringen?" Wie schon bei Harrys Ankunft im Krankenhaus wurde ich förmlich von Schuldgefühlen überrollt. Schuldgefühle, die mich daran erinnerten, was ich den Menschen in meinem Umfeld mit meiner Tat angetan hatte. „Leider ist es die volle Wahrheit. Aber ich kann dir versichern, dass es mir wieder besser geht. Ich werde das, was ich getan habe, kein zweites Mal versuchen. Ich will da sein für Freddie."

„Ich bin gerade etwas mit der Situation überfordert", gestand Eleanor, woraufhin ich verstehend nickte. „Ich wünsche mir natürlich, dass es dir wieder besser geht, Louis. Dass Freddie mit seinem Vater aufwachsen kann." Auch wenn so vieles noch zwischen Eleanor und mir stand, zauberten ihre Worte mir nun ein Lächeln aufs Gesicht. „Ich wünsche mir auch, Freddie ein guter Vater zu sein, Eleanor."

„Wohnst du eigentlich noch in unserem Haus, Louis?", fragte Eleanor besorgt. „Mehr oder weniger", gab ich zu. „Aber seit dem Unfall war ich nur einmal kurz dort." Ich konnte hören, wie Eleanor einmal geräuschvoll einatmete, bevor sie die nächste Frage aussprach. „Wo wohnst du seitdem?", erkundigte sie sich, wobei sie klang, als wollte sie die Antwort gar nicht wissen. Angespannt knabberte ich an meiner Unterlippe, denn ich wollte nach dem kurzen Moment der Annäherung nicht wieder Zwistigkeiten herbeiführen.

„Ich wohne gerade bei Harry. Er wollte mich nicht mehr in der Nähe des Pools wissen", beantwortete ich ihre Frage, was mit schier endlos dauerndem Schweigen quittiert wurde. Die Stille hielt so lange an, dass ich mich zwischenzeitlich sogar fragte, ob sie bereits aufgelegt hatte. Aber als ich gerade den roten Knopf drücken und das Gespräch beenden wollte, ertönte erneut ihre Stimme aus dem Lautsprecher. „Ich werde versuchen, den Termin auf nächste Woche zu verschieben. Schönen Abend noch, Louis." Kaum hatte sie den Satz beendet, zeigte mein Telefon, dass Eleanor aufgelegt hatte. 

Dass Eleanor das Gespräch so abrupt beendet hatte, irritierte mich einen Moment, jedoch wurde mir schnell klar, wie verletzend die ganze Situation für sie sein musste. Seufzend warf ich mein Smartphone aufs Bett, dann erhob ich mich und griff nach der Türklinke, um zu den anderen ins Wohnzimmer zurückzukehren. Doch gerade als ich die Tür einen Spalt öffnete, hörte ich meinen Namen, weshalb ich augenblicklich in meiner Bewegung innehielt.

„Du weißt, dass ich Louis mag, aber mir ist nicht ganz wohl bei der Sache", raunte Gemma ihrem Bruder zu, woraufhin ich mich neben der Tür gegen die Wand presste und den Atem anhielt. „Ich weiß, dass du immer erzählst, du hättest dich mit einem Leben ohne Kindern abgefunden. Aber ich kenne dich, Harry. Ich weiß genau, wie sehr du eigene Kinder willst. Meinst du wirklich, du kannst dabei zusehen, wie dein Partner ein Kind hat, du aber nicht? Schließlich wird es immer das Kind von Eleanor und Louis sein, egal wie sehr du dir ein eigenes wünschst." Ich konnte hören wie Harry mehrmals zu einer Antwort ansetzte, sich aber immer wieder selbst unterbrach.

„Weißt du was, Gemma? Bevor Louis und ich zusammengekommen sind, hat er mich gefragt, ob ich mir vorstellen könne, einen Freund zu haben, der bereits ein Kind hat. Und ich habe ja gesagt, weil ich mir genau das vorstellen kann", erklärte Harry seiner Schwester. Dennoch löste Gemmas Rede eine Eiseskälte in mir aus, die mir erneut vor Augen führte, wie viele Opfer Harry für diese Beziehung bringen musste. „Du belügst dich selbst, Harry. Ich weiß, dass du es nicht verkraften könntest, mit anzusehen, wie Louis in seiner Vaterrolle voll aufgeht, während du nichts weiter als Louis' Freund für das Kind bist", redete Gemma weiter auf ihn ein.

 „Ich werde einfach versuchen müssen, damit klarzukommen", seufzte Harry, wobei ich praktisch dabei zuhören konnte, wie mein Herz in zwei Hälften zerbrach. Ich war so geleitet von meinen Gefühlen, dass ich völlig außer Acht gelassen hatte, was das alles für Harry bedeuten würde. „Harry", sprach Gemma ihren Bruder an. „Selbst wenn Louis Kind kein Problem für dich ist, diese Geheimnistuerei ist es ganz bestimmt. Du trägst dein Herz auf der Zunge, Brüderchen. Wie willst du die Zeit bis zu seinem Outing überstehen? Und wer sagt dir, dass er nach der Weltmeisterschaft wirklich zu dir stehen wird? Es wird immer diesen einen Pokal oder diese eine Meisterschaft geben, für die es sich zu warten lohnt. Ich will nicht, dass du an dieser Beziehung zerbrichst", gestand sie ihm.

Ich schloss meine Augen und holte tief Luft, doch ich spürte, wie sehr ich beim Atmen zitterte. Gemmas Worte machten mir bewusst, dass Harry viel zu gut für mich war und ich ihn gar nicht verdient hatte. „Du verstehst das alles nicht, Gemma", fuhr Harry seine Schwester an. „Er ist nicht einfach nur ein Freund oder ein Fußballer", erklärte er ihr und stockte kurz. „Ich habe Gefühle für ihn. Gefühle, die manchmal so überwältigend sind, dass es mir fast schon Angst macht. Außerdem weiß ich, dass es ihm mit mir genauso geht. Ich sehe es in seinen Blicken. Und auch seine Taten sprechen für sich. Er wollte seine Karriere aufgeben, um mit mir zusammen sein zu können."

„Aber...", stotterte die Schwester meines Freundes, wurde aber gleich wieder von ihm unterbrochen. „Gemma, ich glaube er ist der Eine. Denn in jeder Sekunde, in der er nicht bei mir ist, sehne ich mich nach ihm. Und wenn er bei mir ist, dann will ich ihn nie wieder loslassen. Mit ihm fühle ich mich komplett. Ich kann mir wirklich vorstellen, mein ganzes Leben mit ihm zu verbringen." 

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[1256 Wörter, 31.08.2020]

Louis hat Eleanor also endlich von seinem Selbstmordversuch erzählt. War das nötig oder hätte er es weiter vor ihr geheim halten sollen?

Und was haltet ihr von Harrys Geständnis?<3 

Only The Brave || Larry AUGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt