„Was ist passiert?", wollte ich wissen, verspürte dabei aber nicht die Nervosität, die ich erwartet hatte zu verspüren. Stattdessen fühlte ich, wie eine seltsame Art der Gleichgültigkeit meinen Körper vereinnahmte. Als hätten mich die Grausamkeiten der letzten Nacht bereits derart abgestumpft, dass jede Art der Schreckensnachricht nur noch halb so schlimm sein konnte.
„Louis... Ich bin eine furchtbare Journalistin. Mir ist etwas passiert, das nie hätte passieren dürfen. Ich... Ich habe...", stotterte sie unter Tränen. Ich seufzte, dann schnappte ich die Box, die neben ihr stand, stellte diese auf den Boden und setzte mich auf den frei gewordenen Platz. Ohne weiter nachzuhaken, legte ich einfach meinen Arm um ihren Rücken und streichelte mit der Hand über ihren Oberarm.
„Ich habe mein Diktiergerät verloren", schluchzte Gemma plötzlich und vergrub ihr Gesicht in beiden Händen. „Verloren sagst du?", bat ich nun doch um eine Antwort. Schließlich wusste ich bereits, dass die Aufnahme irgendwie in fremde Hände gelangt war. Gemma nickte und schniefte, dann sprang sie auf und schritt aufgeregt durch die Umkleidekabine. „Ich habe mein Versprechen gebrochen... Ich habe dir versprochen, dass ich das Interview diskret behandeln werde und dass niemand von deiner Identität erfahren wird... von deiner und von der von zwei Turnerinnen", schluchzte Harrys Schwester, dann blieb sie vor mir stehen.
„Louis. Es war wirklich keine Absicht, ich weiß nicht, wie das passieren konnte. Ich war vorgestern noch bis spätabends in der Redaktion. Als ich fertig war, wollte ich noch schnell die Aufnahmen löschen, aber ich war spät dran... also habe ich das Diktiergerät in meine Tasche gepackt und bin mit der U-Bahn dann zu euch gefahren. Also zu Michal. Und als ich dann am nächsten Morgen endlich die Aufnahmen löschen wollte, konnte ich das Gerät nicht mehr finden. Es war einfach weg... Ich muss es verloren haben... oder jemand hat es mir in der U-Bahn aus der Tasche geklaut", erklärte Gemma mit immer leiser werdenden Stimme. Gleichzeitig war die Reue in ihrem Tonfall kaum mehr zu überhören.
Ich musterte meine Schwägerin in spe für einen Moment. Sie trug ein babyblaues Kleid, das bis unter die Knie ging und schwarze Schuhe dazu. Ihre langen, braunen Haare hatte sie gewellt und ihre tränenverquollenen Augen zeugten noch von dem schlichten Make-up, das sie immer trug. „Du hast das Diktiergerät also nicht absichtlich an jemanden weitergegeben?", fragte ich, um die Sachlage zu klären. „Nein", rief Gemma und schüttelte schnell den Kopf. Dann strich sie mit ihren Zeigefingern am unteren Augenlid entlang und entfernte so einige Make-up-Reste und viele Tränen. Anschließend setzte sie sich neben mich und atmete tief durch.
„Louis, auf keinen Fall würde ich absichtlich etwas weiterreichen, das so brisant ist", meinte Gemma nun ruhig und sah mich dabei ernst an. „Ich weiß, dass ich über ein äußerst sensibles Thema berichtet habe und ich weiß auch, wie viel Überwindung es euch und vor allem auch dich gekostet hat, mir Rede und Antwort zu stehen. Ich weiß doch, dass du dein Outing sorgfältig planst und du dir auch genügend Zeit gibst, dich mit dem Gedanken daran abzufinden. Glaub mir, wenn ich die Macht dazu hätte, ich würde es sofort ungeschehen machen. Ich würde die Zeit zurückspulen und die Aufnahme noch in der Redaktion löschen", sagte Gemma und legte blinzelnd den Kopf in den Nacken.
„Hast du es den beiden Turnerinnen auch schon mitgeteilt?", wollte ich nun wissen, denn Vorwürfe konnte ich ihr keine machen. Das machte sie selbst schon zur Genüge. „Nein, noch nicht", seufzte Gemma und stellte wieder Blickkontakt her. „Es war mir wichtig, dass du zuerst davon erfährst. Schließlich gehörst du zur Familie", erklärte sie. Ich nickte, wobei meine Gedanken wieder zum gestrigen Abend wanderten, weshalb ich mich nervös räusperte. „Nur um das klarzustellen: Du hast keine Einwände gegen die Hochzeit, oder?", bat ich mit schwitzenden Händen um eine Antwort. „Nein, Louis. Ich habe bestimmt keine Einwände. Am Anfang, da konnte ich mir wirklich nicht vorstellen, wie das zwischen euch beiden funktionieren soll und ich war wirklich besorgt, dass du ihn nur ausnutzen könntest. Aber du hast mich eines Besseren belehrt. Und ich kann dir gar nicht sagen, wie froh ich bin, dass sich meine anfänglichen Sorgen nicht bestätigt haben", beantwortete Gemma nachdenklich meine Frage.
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Only The Brave || Larry AU
FanfictionLouis ist Profi-Fußballer, dessen Leben zur Zeit nicht besser laufen könnte. Wäre da nicht eine Begegnung, die ihn nicht loslassen wollte. [ziemlich lange Larry Au] ACHTUNG TRIGGERWARNUNG: Diese Geschichte thematisiert Suizid und Missbrauch. Diese K...
