Geschenke

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„Bist du fertig?", rief Harry aus dem Wohnzimmer. Ich war gerade dabei, eine seiner Windjacken in meinen Koffer zu werfen und im Geiste noch einmal meine Packliste durchzugehen, die nicht gänzlich Harrys entsprach. „Ja, einen Moment", rief ich zurück, dann zog ich den Reißverschluss meines Koffers zu und zog ihn hinter mir her ins Wohnzimmer. Dort stand Harry und musterte einen der Teddybären, den er in den Händen hielt. „Meinst du, wir kommen eine ganze Woche ohne Loubär und Hazzabär aus?", fragte Harry schmunzelnd und setzte den Bären zurück aufs Sofa. Doch die Antwort darauf blieb mir im Halse stecken. Es war, als würde eine ganze Flut an Erinnerungen meine Gedanken aufwühlen und mir den Boden unter den Füßen wegnehmen.

Ich schloss meine Augen und hielt den Atem an, um mit dem Karussell an Gefühlen zurechtzukommen, das mich gerade mit sich riss. „Lou? Was ist los", hörte ich Harrys alarmierte Stimme. Ich nahm einen tiefen Atemzug, dann öffnete ich wieder meine Augen und sah meinen Freund an. „Nichts", stotterte ich. „Es ist nur so, dass meine Mutter mich immer Boobär genannt hat. Du hast mich grade daran erinnert. Und noch dazu ist mein Geburtstag, irgendwie kam eben alles wieder hoch", verriet ich ihm in einem leisen und bemüht kontrollierten Tonfall. Doch ich war mir sicher, dass Harry meine Verzweiflung dennoch gehört hatte. „Oh Lou", flüsterte er und legte schützend seine Arme um mich. 

„Wenn es dir zu viel ist, dann sagen wir heute einfach alles ab und bleiben zu Hause. Wir können auch zu zweit Weihnachten feiern. Nur du und ich", redete er in beruhigendem Tonfall auf mich ein. Langsam schlang ich meine Arme um seinen Hals und schüttelte mit dem Kopf. „Nein, ich... Also... Bleib einfach bei mir, okay? Ich brauche dich, Harry", erklärte ich ihm leise, woraufhin ich ein liebevolles Lächeln von meinem Freund erhielt. „Natürlich, Liebster", sagte Harry und gab mir einen kurzen Kuss auf die Lippen.

„Lass uns gehen", beschloss ich und versuchte mich dadurch auf andere Gedanken zu bringen. Harry schnappte sich gleich einen der Koffer und ging voraus. Ich ging noch einmal durch die Wohnung, um zu kontrollieren, dass alles abgeschaltet war, dann griff ich auch nach meinem Koffer und verließ die Wohnung. Die Geschenke hatte Harry schon alle im Auto verstaut. Schließlich war es für ihn unverfänglich, mehrere Male zum Auto zu laufen. Ich dagegen, würde bei jedem einzelnen Schritt erwarten, dass mich jemand erkannte. Obwohl ich mich in den letzten Monaten daran gewöhnt hatte, mit tief ins Gesicht gezogener Kapuze durch das Treppenhaus zu laufen und anderen Menschen so gut es ging aus dem Weg zu gehen.

Ich warf meinen Koffer in den überfüllten Kofferraum und setzte mich dann schnell auf den Fahrersitz. Wie so oft war ich froh, dass die Scheiben verdunkelt waren. „Magst du nachher wieder fahren?", bot ich an, denn ich wusste genau, wie sehr Harry dieses Auto liebte. Auch wenn er das niemals zugeben würde. „Wenn ich darf?", kam es zögerlich von meinem Freund, was mir ein kurzes Lachen entlockte. „Natürlich darfst du, Harry. Du darfst immer damit fahren, wann du willst", erklärte ich ihm mit einem Lächeln auf den Lippen, während ich das Auto in Richtung von Max Haus lenkte. Doch heute war auf den Straßen die Hölle los, sodass wir nur sehr stockend vorankamen. 

„Schau mal, da bist du", rief Harry plötzlich und deutete auf eine Plakatwand, die an einem der Hochhäuser hing. Tatsächlich, war dort ein Bild von mir in Calvin Klein-Boxershorts zu finden. Ich erinnerte mich noch genau an dieses spezielle Bild, denn ich hatte erst begriffen, welche Pose der Fotograf von mir sehen wollte, als Harry sie mir vorgemacht hatte. Er wollte unbedingt beim Shooting dabei sein und um ehrlich zu sein, wollte ich das auch. Überraschenderweise war ich mit dem Ergebnis sogar zufrieden. Obwohl ich Bella während des Shootings näher kommen musste als mir lieb war. 

„Ich kann gar nicht fassen, dass das mein Freund ist", seufzte Harry und ließ seinen verträumten Blick nun zu mir schweifen. „Oh wirklich?", fragte ich scheinheilig. „Ich dachte, letzte Nacht wäre ziemlich klargeworden, dass das dein Freund ist", lachte ich. Am Abend zuvor hatte ich noch ein Gespräch mit meinen Anwälten und meinem Finanzberater zwecks der Finanzierung eines neuen Ausbildungszentrums für Doncaster. Als ich dann weit nach Mitternacht nach Hause gekommen war, hatte mich ein Weg an Rosenblättern in das kerzenhelle Schlafzimmer geführt. Dort hatte Harry mich nur mit einer Zipfelmütze bekleidet erwartet und gemeint, dass ich mein Geburtstagsgeschenk nun auspacken dürfe. „Das war übrigens das beste Geschenk, das ich je bekommen habe", erklärte ich meinem Freund zwinkernd. 

Only The Brave || Larry AUGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt