Ringe

3.7K 244 218
                                        

„Wie geht es dir eigentlich, Harry? Dich betrifft es ja genauso wie mich", fragte ich, während ich meinen Verlobten dabei beobachtete, wie er sein T-Shirt glatt strich und seine Hose wieder bis an die Taille hochzog.

Harry sah mich traurig an, dann streckte er seine Hände aus und nestelte an meinem Hemdkragen herum. „Ich versuche darüber zu stehen... für dich, Louis. Aber es zerreißt mich innerlich, mir so etwas anzuhören. Außerdem finde ich es furchtbar, dass man sich dafür rechtfertigen muss, wenn man auf etwas wie Homophobie im Profisport aufmerksam machen will. Verstehen die denn nicht, dass nicht die Frage ist, ob man darüber diskutieren sollte, sondern wann sich endlich jeder an der Diskussion beteiligt und damit beginnt, jeden zu akzeptieren, wie er ist", erklärte Harry, dem die Trauer nur so in den Augen glänzte.

Schnell legte ich meine Hände um seine Handgelenke, um seine Hände an meiner Halsbeuge zu halten. „Wenn doch nur jeder Mensch so wäre, wie du, Harry. Du bist unglaublich", flüsterte ich mit gequält verzerrtem Gesicht, dann stellte ich mich auf Zehenspitzen und legte meine Lippen sanft auf seine. Mit geschlossenen Augen genoss ich das Prickeln, das von dem unschuldigen Kuss ausgelöst wurde und sich nun in meinem ganzen Körper ausbreitete. Ich spürte, wie allmählich wieder etwas Leben und Hoffnung in meinen Körper zurückkehrten, wie Harrys positive Art auf mich überging und ich wieder so etwas wie Kampfgeist entwickelte.

Dennoch presste ich meine Lippen so lange es nur ging auf Harrys. Es war nur ein Kuss und doch bedeutete es so viel mehr für mich. Auch als mein Verlobter sich wieder von mir löste, klammerte ich mich noch immer mit meinen Händen um seine Handgelenke und hielt die Augen geschlossen um weiter das berauschende Gefühl auszukosten, das die Berührung mit ihm ausgelöst hatte. „Wir sollten wieder reingehen", flüsterte Harry und lehnte seine Stirn gegen meine. „Harry", murmelte ich angespannt. „Ich... ich habe Angst", gestand ich nach einem Moment der Überwindung. „Ich weiß, Lou. Die habe ich auch", erwiderte mein Verlobter.

„Ich will mich wirklich outen... für dich, für uns... aber ich habe Panik. Und vielleicht findest du mich jetzt ja auch nicht mehr attraktiv, weil ich dich vollheule wie ein kleines Mädchen, aber ich habe wirklich Angst. Wie soll ich mich jemals vor der ganzen Welt outen, wenn ich es nicht mal vor diesen Leuten schaffe?", wollte ich wissen, nachdem ich meine Augen geöffnet hatte. Ich konzentrierte mich auf Harrys weiche Haut unter meinen Händen, auf seinen warmen Atem, der gegen mein Gesicht prallte und auf seinen Blick, der meinen gefangen nahm.

„Zuerst einmal, Louis, du bist für mich der attraktivste Mensch der Welt. Und nur weil du mir deine Gefühle offen zeigst, ändert sich das nicht. Im Gegenteil. Das ist menschlich, das macht dich für mich noch viel liebenswerter", antwortete Harry leise. „Außerdem werden wir uns jetzt gleich beide outen. Sollte die Situation eskalieren, dann bekommen wir das beide ab. Aber wir sind Partner, Louis, zusammen schaffen wir das. Wir helfen uns gegenseitig da durch. Also wenn du das überhaupt noch willst", murmelte mein Verlobter, woraufhin ich es zum ersten Mal seit Stunden wieder schaffte, mit meinen Lippen ein Lächeln zu formen.

„Wir sind sogar mehr als Partner. Wir sind verlobt, hoffentlich sogar bald verheiratet", erwiderte ich und schöpfte aus meinen eigenen Worten unheimlich viel Hoffnung. Ich legte noch einmal meine Lippen auf Harrys, dann trat ich einen Schritt zurück und ließ auch endlich seine Hände los. „Einen Moment noch, Lou", bat Harry und zog mich mit seinem Zeigefinger, den er an meinem Hosenbund eingehakt hatte, wieder etwas näher zu sich. Mit hochgezogenen Augenbrauen beobachtete ich, wie er anschließend den Knopf öffnete und den Schieber des Reißverschlusses hinab zog. „Ist das dein Ernst, Harry? Ich steckte in einer Lebenskrise und du willst es jetzt mit mir treiben? Hier, wo uns alle hören können?", entrüstete ich mich leise, woraufhin Harry mich mit großen Augen anstarrte. „Na gut, aber lass uns beeilen", schob ich noch hinterher und versuchte gleichzeitig meine chaotischen Gedanken zu ordnen, die sich gerade zu überschlagen drohten.

Only The Brave || Larry AUGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt