Am nächsten Tag wurde ich gleich nach meiner Ankunft zu unserem Trainer zitiert. An diesem Morgen war ich nicht so entspannt wie noch am Tag zuvor, da ich noch immer ziemlich aufgewühlt war.
„Tomlinson", brüllte er, als ich das Feld betrat, wo bisher nur er vorzufinden war. Ich musste mir ein Augenrollen verkneifen, als ich meine Trainingstasche an den Rand des Spielfeldes war und auf ihn zu joggte.
„Was gibt's, Frank?", fragte ich, als ich vor ihm zum Stehen kam. Unser Trainer musterte mich einmal von oben bis unten, bis er mir einen prüfenden Blick zuwarf.
„Bist du schwul?"
Völlig überrumpelt hustete ich ein paar Mal, bevor ich schnell den Kopf schüttelte. „Nein, natürlich nicht." - „Was sind das dann für Gerüchte mit diesem Sänger?" Ich ließ ein verärgertes Grunzen los und raufte mir die Haare. „Da ist nichts, verdammt noch mal. Liam ist ein Kumpel, mein bester Freund, wenn man es so sagen will, aber ich bin nicht schwul! Ich liebe Eleanor, meine Verlobte!"
Dass ich nicht schwul war, war ja nicht einmal gelogen. Ich war bisexuell, aber das würde ich auf ewig leugnen. Eher würde die Hölle zufrieren, als dass ich mich outen würde. Ich war hier, um meinen Kindheitstraum zu verfolgen. Alles andere war für mich zweitrangig.
Heute Morgen hatte ich schon früh ein hitziges Telefonat mit meinem Agenten führen müssen, der mir eine Rüge erteilt hatte, weil er dachte, ich wäre schwul. Ich durfte mir einen fünfzehnminütigen Vortrag darüber anhören, dass ein Outing meinen Marktwert erheblich senken würde und der FC Chelsea dann bestimmt Gründe finden würde, mich aus der Mannschaft zu schmeißen.
„Tomlinson", fing mein Trainer erneut an. „Nur fürs Protokoll, ich habe kein Problem damit. Aber ich muss dafür sorgen, dass es in der Mannschaft nicht zu Missstimmungen kommt."
Jetzt konnte ich es mir nicht mehr verkneifen und verdrehte meine Augen während ich genervt seufzte. In Fußballerkreisen war es doch immer dasselbe. Jeder der gefragt wurde, sagte doch immer, er wäre nicht homophob und schob stattdessen die Schuld anderen zu. Die sollten sich endlich einmal alle an die eigene Nase fassen.
„Schon klar. War's das jetzt?" Frank nickte und entließ mich endlich aus dieser Unterredung. Die taten ja gerade alle so, als wäre ich ein Serienkiller, der hunderte Leichen im Keller bunkerte. Dabei war ich doch einfach nur nicht hetero. Wobei das ja nicht einmal wirklich relevant war, da ich mit einer Frau verlobt war, die ich in naher Zukunft zu ehelichen gedachte.
Ich stürmte in die Kabine und schmiss wütend meine Tasche vor meinen Platz. „Alter, welche Laus ist dir denn über die Leber gelaufen?", fragte Zayn, der neben mir saß und gerade seine Kickschuhe zuschnürte.
Seufzend drehte ich mich zu ihm um und musterte ihn einen Augenblick. „Weißt du es denn noch nicht? Liam und ich werden heiraten", sagte ich mit vor Ironie triefender Stimme. Zayn war ebenfalls ein guter Freund von Liam und wusste genau was Sache war. „Seit wann lässt du dir von ein paar Klatschblättern die Laune verderben?", erkundigte Zayn sich neugierig.
Ich zuckte mit den Schultern, bevor ich langsam damit begann mich auszuziehen. „Ich wurde in den letzten vierundzwanzig Stunden drei Mal darüber belehrt, dass ich nicht schwul sein darf", setzte ich ihn ins Bild, wobei ich mir einen genervten Unterton nicht mehr verkneifen konnte.
Zayn nickte und erhob sich von der Bank, während ich mir meine Fußballshorts überstreifte. „Die Welt ist einfach scheiße. Sei froh, dass du nicht wirklich schwul bist. Dadurch bliebt dir eine Menge Drama erspart." Damit verschwand er aus der Kabine und ließ mich alleine zurück.
Diesen Moment alleine wollte ich ausnutzen, also zog ich schnell meine Geldbörse und mein Smartphone aus meiner Tasche und öffnete in letzterem mein Kontaktbuch, in welches ich gleich die Nummer von der Visitenkarte einspeicherte. Dann drückte ich auf 'anrufen'.
Aufgeregt hielt ich mir mein Telefon ans Ohr und lauschte mit angehaltenem Atem dem Tuten. „Hey, Harry von Harry's Sunflowers hier. Was gibt's?", meldete sich der Mann, dessen strahlendes Lächeln ich noch deutlich vor Augen hatte. „Hallo. Hier ist Louis, der Typ der die letzten zwei Tage in deinem Laden war."
Ich hörte Harrys Lachen am anderen Ende der Leitung. „Aber natürlich. Der Mann, der irgendwelche rosaroten Blumen für seine Verlobte haben möchte, weil sie zurückgekehrt ist und er keinen Tag später schon etwas bei ihr wiedergutmachen muss. Wie könnte ich dich vergessen?" Noch immer waren die wohlklingenden Töne seines Lachens durch das Telefon zu hören.
„Ich schätze, der bin ich." - „Louis heißt du also. Schöner Name. Wie kann ich dir helfen, Louis?" Meine Lippen verzogen sich augenblicklich zu einem Grinsen, als er das sagte. „Also meine Verlobte möchte bald eine Party schmeißen und weil sie so begeistert von deinen Blumensträußen war, soll ich dich fragen, ob du bei uns zu Hause dafür eine Blumendekoration arrangieren könntest?"
„Prinzipiell gerne. Ich bin zurzeit nur ziemlich ausgebucht. Wann ist denn die Party?", erkundigte er sich nun in einem ernsteren Tonfall. „In zehn Tagen. Am sechzehnten Juli." Ich hörte ein Rascheln, als würde er gerade einen ganzen Block durchblättern. „Sechzehnter würde gehen." - „Super, das freut mich." - „Wollt ihr zwei dann mal in meinen Laden kommen und dort mit mir die Gestecke besprechen?" Ich knabberte etwas an meiner Unterlippe, bevor ich weiterredete. „Wäre es möglich, dass du zu uns kommst und wir das dann vor Ort besprechen?" Eleanor hatte zwar nichts gesagt, doch ich nahm jetzt einfach an, dass es ihr so auch lieber war.
„Ja, das kann ich machen. Allerdings wäre heute Abend mein einzig freier Termin. Wenn euch das nicht zu kurzfristig ist, dann würde ich so gegen neunzehn Uhr vorbeikommen." - „Das passt perfekt", sagte ich schnell und gab ihm schnell noch die Adresse durch. „Bis heute Abend dann, Louis." Jetzt konnte ich mir ein Grinsen nicht mehr verkneifen. „Bis heute Abend, Harry." Schnell legte ich auf und warf das Smartphone neben mich auf die Bank.
Ich konnte nicht leugnen, dass ich die ganze Zeit Harrys Lächeln vor Augen gehabt hatte. Genauso wenig konnte ich leugnen, dass mein Herz in meiner Brust wie wild pochte.
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Louis kriegt also haufenweise Ärger und das nur wegen einer Falschmeldung...
Aber jetzt kann er sich ja wenigstens darauf freuen, Harry wiederzusehen. Auch wenn er das natürlich nie zugeben würde:)
Ein schwuler Fußballer zu sein ist (obwohl ich persönlich nicht begreifen kann, warum das so ist) leider noch immer verpönt.
Letztes Jahr hat sich in Australien der erste Fußballprofi während seiner Karriere geoutet. In Deutschland hat sich bisher kein aktiver Fußballer aus der Profiliga als homosexuell geoutet. In England hat sich Justin Fashanu schon vor dreißig Jahren geoutet, was sein Leben trotzdem nicht erleichtert hat. Ihr könnt sein Schicksal ja mal nachlesen.
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Only The Brave || Larry AU
Fiksyen PeminatLouis ist Profi-Fußballer, dessen Leben zur Zeit nicht besser laufen könnte. Wäre da nicht eine Begegnung, die ihn nicht loslassen wollte. [ziemlich lange Larry Au] ACHTUNG TRIGGERWARNUNG: Diese Geschichte thematisiert Suizid und Missbrauch. Diese K...
