"Hier hast du deine Marke wieder. Deine Waffe erhälst du in der Arsenalkammer.", Sejin schob das kleine Metallschild über den Schreibtisch.
"Wie kommt es eigentlich, dass Joonie nicht an sein Telefon gegangen ist?", beugte Yun sich unauffällig flüsternd zu Jin.
Der spürte, wie ihm die Hitze ins Gesicht schoss. Was die junge Polizistin zu einem breiten Grinsen veranlasste.
"Also wenn er sogar das Handy ausmacht, bist du wirklich was Besonderes.", feixte sie augenzwinkernd.
Jin erwiderte nichts darauf.
Ihm war eh schon peinlich genug, dass Namjoon seine Aufhebung der Suspendierung verpasst hatte. Ganze zwölf Anrufe in Abwesenheit waren auf dem Display zu erkennen gewesen.
Yun hatte es immer wieder versucht und sich schließlich persönlich auf den Weg zu Jins Wohnung gemacht.
"Ab jetzt bist du wieder vollwertiger Ermittler in der noch immer ungelösten Mordserie. Ich hoffe also, du hast deinen Urlaub entsprechend genossen. Ab jetzt gibt es nämlich keinen mehr.", sprach Sejin weiter, schob wie ein Oberlehrer mahnend seine Brille auf der Nase hoch.
Namjoon schürzte die Lippen: "Kann man so sagen, ja."
Schon wieder wurde Jin feuerrot. Sicherheitshalber drehte er sein Gesicht weg.
Eine Bewegung im Augenwinkel ließ ihn aufsehen, als eine Riege von Polizisten den Gang vor dem Büro säumte.
"Wurde er gefunden?", fragte Yun an Sejin gewandt.
Der Revierleiter nickte: "In irgendeiner Absteige, die als illegales Bordell genutzt wurde. Er ist seiner Vorliebe also treu geblieben."
Wie auf Kommando tauchte ein beleibter Mann auf mit vor Schweiß glänzendem Gesicht. Sein sicherlich teures Hemd war halb geöffnet und dunkle Ränder zeichneten sich unter den Armen ab.
Der schwitzende Mann hob den Blick. Die Augen hinter den runden Brillengläsern verengten sich, als er Namjoon entdeckte.
"Ist das dein Werk?", blaffte er den Ermittler wütend an, zog an den Handschellen, die sich bereits tief in die fleischigen Handgelenke bohrten und rote Striemen hinterließen. "Natürlich, nicht wahr? Wie hast du es geschafft?"
Namjoon antwortete nicht.
Was den Staatsanwalt scheinbar noch wütender machte.
Er schüttelte die beiden schmächtigen Polizisten neben ihm mit einer Leichtigkeit ab, dass Jin automatisch einen Schritt zurück ging.
"Du!", der dicke Staatsanwalt entdeckte den Reporter, starrte ihn wie besessen an. "Du warst auf der Party. Ich erinnere mich an dein Gesicht. Wie könnte ich das auch vergessen?"
Jin schluckte.
"Ich hätte dich als erstes ficken sollen. Dann hättest du gar nicht die Möglichkeit gehabt, dich einzumischen. Hätte ich gewusst, dass du für Kim arbeitest...", schrie der Staatsanwalt.
In dem Moment schob Namjoon sich ins Sichtfeld, schützend vor Jin.
"Er arbeitet nicht für mich, sondern mit mir. Also ganz vorsichtig.", die Stimme des Ermittlers klang kühl, der drohende Unterton darin unüberhörbar.
Doch dem Staatsanwalt schien das kalt zu lassen.
Lachte er doch düster auf: "Gut zu wissen, dass du einen neuen Partner hast. Ich wusste immer, dass du eines Tages Ärger machen würdest. Hätte Jaesang damals nicht versagt..."
Namjoon hielt hörbar den Atem an.
"Wieso versagt?", hakte er nach.
Jin beobachtete alles stillschweigend. Sein Herz schlug ihm bis zum Hals, er versuchte, das Zittern in seinen Händen unter Kontrolle zu bekommen.
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Artifice //Namjin//
FanfictionEr, der junge Journalist, der zum ersten Mal mit der grausamen und blutigen Realität konfrontiert wird, trifft auf den ernsten Ermittler, der eigentlich lieber alleine arbeitet. Werden sie ihre gegenseitige Abneigung und die Streitereien auf Eis leg...
