Nachdem mich Emily noch überredet hatte gemeinsam mit ihr und ihrem Mann zu Abend zu essen, fuhr Tom mich mit Rose heim. Zum einen, weil es inzwischen angefangen hatte sintflutartig zu regnen und zum anderen, weil ich bereits auf dem Hinweg umgerannt worden war, und sie einen Unfall auf der unübersichtlichen und dunklen Straße verhindern wollten. Natürlich fragte ich die beiden, wer diese Person mit dem dunklen
Hund seien konnte, denn hier auf dem Land kannte man sich meist, aber sie hatten auch keine Wirkliche Ahnung, wer das gewesen sein konnte. Eine Vermutung hatte dann Tom doch noch, bevor er mich vor Susans Haus absetzte. Letztes Jahr hatte sich hier ein irischer Musiker niedergelassen, um wen es sich dabei handelte wusste er nicht, nur das er sehr abgeschieden lebte. Im Dorf tuschelte man ab und an über ihn, da komischerweise nie eine Frau an seiner Seite gesehen wurde, dafür aber gelegentlich ein Mann. Nun gut, dachte ich, wirklich geholfen hatte es nicht. Ich verabschiedete mich und beeilte mich, uns noch so trocken wie möglich ins warme zu bringen. Rose war erstaunlicherweise gut drauf, zufrieden im Laufstall zu liegen und ihre kleine Welt zu erkunden, sodass ich noch mein Auto leer räumen und Sachen verräumen konnte. Gegen zehn bekam sie noch ihre letzte Milch und dann brachte ich die kleine Lady ins Bett. Geschafft lies ich mich auf die Couch fallen und genoss in Ruhe ein Glas Wein.Ich schien wohl kurz eingenickt zu sein, den plötzlich schreckte ich hoch. Seine Augen... auch wenn es nur ein kurzer Blick war, aber diese Augen gingen mir nicht mehr aus dem Kopf. Woher kamen sie mir so bekannt vor... dazu die Stimme. Warum lies es mich nicht kalt sondern brachte mich selbst im Traum durcheinander. So ein Blödsinn, dachte ich, schüttelte die Gedanken an den Traum von mir ab, goss den Wein nochmal nach und schaute weiter irgendeine irische Sitcom, bis ich merkte wie mir erneut die Augen zu vielen. Da ich nach wie vor nicht in Susans Bett schlafen konnte und wollte, es daher heute bereits so gut es ging abgebaut hatte, schnappte ich mir mein Bettzeug und schlief, nachdem ich nochmal nach Rose gesehen hatte, wie die vorherige Nacht auf der Couch.
Total gerädert wachte ich am nächsten Morgen noch vor der kleinen Lady auf. Gegen halb vier wimmerte sie einmal kurz und verlangte somit nach Milchnachschub, schlief dann aber nochmal friedlich ein. Nun um kurz nach sieben schlief sie noch. Während der Kaffee lief, sprang ich kurz unter die Dusche und wartete dann mit dem Kaffee in der Hand sowohl auf meine Jungs mit dem LKW, als auch darauf, das Rose wach wurde. Und dann kamen sie plötzlich gleichzeitig. Rose die lautstark protestierend nach einer frischen Windel und ihrer Milch verlangte, als auch der LKW, der gerade rückwärts in die Auffahrt reinfuhr. Ich öffnete das Fenster und rief Mario kurz zu, das ich noch fünf Minuten bräuchte, und dann bei ihnen sei, was er mir bestätigend zunickte.
Rose packte ich mir kurzerhand wieder ins Tragetuch, denn das liebte sie, wie ich mittlerweile herausgefunden hatte, und erklärte Mario, Cem und Felix wo alles hin sollte.
Es dauerte keine drei Stunden und meine Habseligkeiten waren komplett entladen und im Haus herrschte das völlige Chaos, obwohl ich alles so gut es ging beschriftet hatte. Und Rose mitten drin. Kurzentschlossen rief ich Emily an, und fragte, ob ich ihr Due Kleine bringen konnte, damit ich mehr mithelfen konnte, was sie sofort bejahte und ich sie rüber brachte.
Als ich zurückkam waren Mario und Felix gerade dabei, mein Schlafzimmer aufzubauen, und Cem richtete das Büro samt Verkabelung ein, während ich uns was zu Essen vorbereitete. „Ach Lilly, eben war noch so ein Typ da, als du weg warst... schau mal im Wohnzimmer, der hat was abgegeben.", grinste mich Mario an, als er sich aus der Küche eine Flasche Wasser holte. „Was für ein Typ?" „Ja was fragste mich? Wohnst du nun hier in der Pampa oder ich?" Ich ging ins Wohnzimmer und entdeckte den Riesen Strauß Blumen und einen Brief auf dem Tisch. Irritiert blickte ich wieder zu Mario, der immer noch frech grinste. „Keine drei Tage hier und schon einen Verehrer?" „Ach halt die Klappe!", lachte ich und griff nach dem Umschlag.Liebe Unbekannte,
Gerne hätte ich mich persönlich bei dir entschuldigt, das Bono und ich dich einfach umgerannt haben. Ich hoffe du hast dich nicht ernsthaft verletzt. Schicke mir doch bitte die Rechnung für die Reinigung deiner Kleidung.
Ich wohne am Ende der Hauptstraße. Letztes Haus auf der linken Seite.Michael
Was für ne Rechnung für die Reinigung, dachte ich, ich hab doch eine Waschmaschine. So ein Schwachsinn, aber die Blumen und die Geste fand ich schön und berührten mich. Doch nicht so ein Idiot, wie ich zuerst dachte und mit einem Male viel mir ein, wo ich seine Stimme gehört hatte. Auf der Beerdigung von Susan... am Grab... er war es, der mich angesprochen hatte, ob ich Hilfe benötigte. Nur woher kannte ich dann diese Augen? „Und? Verehrer?" „Bitte?" „Der Brief, die Blumen?!" „Ach Quatsch! Sowas kann ich davon ab gerade gar nicht gebrauchen... nächste Woche muss ich wieder arbeiten, schauen, das Rose versorgt ist und hier erstmal ankommen! Nein, Michael, er und sein Hund haben mich gestern Abend über den Haufen gerannt. Er wollte sich entschuldigen." „Soso, naja mir egal, du musst wissen was du tust! Ich werd dann mal wieder nach oben..." Lachend schüttelte ich den Kopf und ging zurück in die Küche. Nett war es ja von ihm mit den Blumen, das musste ich zugeben, und neugierig machte es mich auch, wenn schon das Dorf über ihn sprach. Vielleicht sollte ich mich nachher persönlich bedanken, kam mir in den Sinn. Es lag ja auf dem Weg zu Emily, und Rose wollte ich eh abholen... da konnte ich den mysteriösen Unbekannten direkt mal unter die Lupe nehmen.
Weitere drei Stunden später war gar nicht mehr soviel Chaos zu erkennen, wie noch am Morgen. Cem hatte das Arbeitszimmer fertig aufgebaut, den Pc angeschlossen und die dazugehörigen Kartons hochgeräumt. Mario und Felix waren auch mit dem Schlafzimmer fertig, die Kartons hatte ich ausgeräumt, während sie Susans Couch in die Garage brachten und mein Sofa aufbauten, sowie 2 Kommoden. Letztlich aßen wir noch zusammen, bevor sie sich auf den Weg zum Motel und anschließend auf den Weg nach Deutschland machten, natürlich nicht ohne eine Rückladung in Dublin noch entgegen zu nehmen.
So machte ich mich auf den Weg zu Michael. Etwas mulmig war mir schon, dennoch wollte ich mich bedanken und auch vorstellen. Bisher kannte ich nur wenige Menschen im Ort und etwas Anschluss würde mir bestimmt gut tun. Leider war er nicht zu Hause, denn es machte niemand auf, obwohl ein dicker BMW in der Einfahrt des Hauses stand. Das Haus war zwar alt, war aber restauriert worden und wirkte sehr einladend von außen. Auch der Vorgarten war akkurat gepflegt. Ich kramte in meiner Tasche nach meinem Kalender, riss eine Seite raus und hinterließ eine Kurze Nachricht.
Danke für die nette Entschuldigung. Wäre nicht nötig gewesen. Vielleicht kommst du mal auf einen Kaffee oder Tee vorbei, Herr Nachbar.
Lilian
Danach holte ich schnell Rose, und lud Emily und Tom am nächsten Abend zum Essen ein als Dankeschön für ihre Hilfe, was sie allzu gern annahmen. Zuhause brachte ich die kleine Lady ins Bett und lies mir geschafft vom Tag eine heisse Wanne ein. Das warme Wasser war eine regelrechte Wohltat, und so genoss ich die Entspannung und schloss meine Augen. Und prompt war da dieser Blick... plötzlich in meinen Gedanken auftauchend... er war es... er mit seinem tiefen unergründlichen und vertrauensvollen Blick, er... dem ich vor so vielen Jahren mein Herz geschenkt hatte... konnte das möglich sein?!
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Kenmare... wo sich Zukunft mit Vergangenheit verbindet
FanfictionLilian ist Single, glücklicher Single und arbeitet in einer renommierten Spedition als Human Ressource Managerin. Ab und an verirrt sich mal ein Mann in ihr Leben, aber seit 18 Jahren hat sie nie wieder jemanden so nah an sich rangelassen wie ihn...