Wicklow Mountain Way

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Patrick hielt sein Versprechen und ging nun langsamer, das Ich Schritt halten konnte und wir sogar nebeneinander her liefen konnten, zumindest noch, denn nach und nach wurde der Weg schmaler und steiler, sodass Patrick des Öfteren mir seine Hand reichte und mir half, da selbst die Sneaker nicht das beste Schuhwerk waren, um halt zu finden. Irgendwann lies er meine Hand gar nicht mehr los, was ich akzeptierte. Als wir auf einer Art Hochplateau ankamen gab es keinen richtigen Weg mehr, sondern eher ein Pfad aus Holzplatten. Innerlich verfluchte ich mich dafür, das ich zugesagt hatte, mitzukommen, aber es half ja alles nichts, umzukehren war keine Option. Patrick lief inzwischen wieder voraus, allerdings nicht im Sprint wie noch zu Anfang. „Wir sind gleich da..." Jaja, dachte ich, aber er sagte die Wahrheit. Gute fünf Minuten später erreichten wir einen Platz, mit einem Wunderschönen Ausblick über den Nationalpark. Patrick breitete die Decke aus und lies sich prompt darauf fallen. „Komm schon her!", forderte er mich auf und reichte mir seine Hand die ich zögerlich annahm. Prompt zog er mich zu sich und ich plumpste unbeholfen auf ihn. Unsere Blicke trafen sich, und er fixierte mich genau, während er mir liebevoll meine verwehten Haare aus meinem Gesicht strich. Unsicher, was jetzt passieren würde, biss ich mir auf die Unterlippe, schon davon ausgehend, das er mich im nächsten Augenblick küssen wollte und... er räusperte sich kurz und meinte: „Hey, nicht so stürmisch junge Frau..." und begann zu lächeln. „So... was möchtest du? Tee? Kaffee? Wasser oder doch vielleicht ein Guiness?" „Was hast du bitte alles mitgenommen?", fragte ich erstaunt. „Genug...", lachte er, „... verhungern werden wir auf jeden Fall nicht." Er hatte sich echt Mühe gegeben und sich was einfallen lassen. Obst, Gemüsesticks, glutenfreie Sandwiches und etwas Schokolade hatte er eingepackt. „Wow, wann haste das denn alles gemacht?" „Heut Morgen... wollte dir eine Freude machen..." „... hast du...", gab ich leise zu und biss in das Schinkenbrot, was Patrick mir gereicht hatte.
Ich genoss die Zeit hier oben, das Wetter war toll, die Aussicht bombastisch, und das Essen... es war das perfekte Picknick. „Magst nen Schluck?", Patrick reichte mir sein Guiness und ich trank etwas davon, bevor ich es ihm zurückgab. „Lilly? We need to talk... about last night...", da war es... das was ich vermeiden wollte. „Müssen wir das wirklich?" „Ich denke ja, du nicht?!", ich zuckte nur mit den Schultern. Es war schön mit ihm gewesen, sehr schön sogar, aber es war eine Ausnahme, ein Ausrutscher gewesen. Das versuchte ich mir jedenfalls selbst einzureden. „Ich fand's sehr schön mit dir...", wisperte er. Was sollte ich nur darauf sagen? Was erwartete er nun von mir...?  Zuerst tat ich so, als ob ich ihn überhört hatte. Aber er bohrte weiter nach. „Lilly?" „Hm..." „Sagst du gar nichts dazu?" „Was soll ich denn dazu sagen?!", fragte ich und versuchte dadurch etwas Zeit zu schinden. „Sag du es mir..." „Patrick... ja... es war sehr schön..." „Aber...?" Ich wusste worauf er hinaus wollte und auch was er eigentlich hören wollte. „Hast du deshalb mit mir den Ausflug gemacht? Weil ich letzte Nacht mit dir geschlafen habe?" „Auch, aber nicht nur... ich hatte grundsätzlich mir gestern Nachmittag schon überlegt hier her zu fahren... das Picknick dann hier oben zu machen, die Idee kam mir heut morgen... ich wollte mit dir Zeit verbringen... ein paar unbeschwerte Stunden genießen... dir was zurückgeben... vielleicht auch Danke sagen für die schöne Nacht...", er griff nach meiner Hand und verschränkte unsere Finger miteinander... wie kam ich nur aus dieser Situation heraus?! Für mich hatte sich nichts geändert. In jeglicher Hinsicht nicht... meine Gefühle für ihn... darüber brauchte ich gar nicht nachzudenken, die waren wir eh und je da und würden es auch wohl immer bleiben, egal was er tat, so dumm und naiv war mein Herz. Dennoch war ich immer noch wütend, sauer, enttäuscht und zutiefst verletzt, da konnte auch der noch so schönste und innigste Sex nichts dran ändern. Ich entzog ihm meine Hand und sah ihn an. „Patrick, wir hatten unseren Spaß heut Nacht, ja... aber deshalb sowas hier zu veranstalten... ist das nicht etwas too much?!" „Findest du? Ich dachte ich soll doch mehr Romantik zeigen und..." In unserer Beziehung hatte ich nichts dagegen, aber jetzt? Es war sehr nett von dir, ja... aber... Patrick, es war nur Sex... Befriedung der Bedürfnisse, wenn du verstehst... es lag auch mit Sicherheit an dem Alkohol, das ich Lust hatte...", ich wusste, das ich ihn mit der Aussage verletzte, aber ich wollte ihm auch keine falschen Hoffnungen weiter machen. „So siehst du das also... ich hab dir vorher noch gesagt, dass... ach ist auch egal...", Tränen bildeten sich in seinen Augen, und fing hastig an, die Sachen vom Picknick zurück in seinen Seesack zu packen, sein Bier extra er in einem Zug, und zog mir im Wahrsten Sinne des Wortes die Decke unterm hintern weg. Als er alles verstaut hatte, packte er sich erneut die IPods ins Ohr und lief einfach stramm los. Zuerst versuchte ich noch hinterher zu kommen, gab es aber schlussendlich auf. Zudem konnte ich rufen wie ich wollte... er hörte mich nicht... und das war fatal. Kurz bevor ich das Auto erreichte, stolperte ich über eine Wurzel, kam ins straucheln und ging zu Boden. Natürlich hörte Patrick mich nicht, warum auch, machte ja auch Sinn bei einer Wanderung Dauerbeschallung auf den Ohren zu haben, wenn man zu zweit durch unebenes Gelände ging.
Meine Nerven lagen blank und ich wollte nur zurück ins Cottage. Meine Jeans war zerrissen, und voll mit Schlamm, das Knie blutete ordentlich, und den Arm hatte ich mir auch aufgeschürft, das alles bekam der gute Herr aber nicht mit.
Wutentbrannt rappelte ich mich auf und setzte die letzten Meter humpelnd fort, vorbei am SUV, schnurstracks zu dem Taxi, was da gerade durch Zufall stand und stieg ein. Beim Einsteigen hörte ich Patricks Stimme noch. „Jesus Lilly, ist dir was passiert?", also hatte er mich beim vorbeilaufen gesehen, da hatte ich dem Fahrer bereits die Adresse gegeben u d bat ihn, schnellstmöglich loszufahren.

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