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Noch zwei Tage waren es bis Weihnachten und noch immer hatte ich nichts von Patrick gehört. Es schmerzte. Unabhängig davon, das er mir fehlte, stieg die Wut auf ihn täglich! Ich bat ihn um Sicherheit und Festigung unserer eh noch sehr brüchigen und zarten Beziehung und er tat alles daran, es anstatt besser zu machen, es zu verschlechtern.
Emily hatte Rose mit zu sich genommen. Sie wollte mit ihr unbedingt noch Plätzchen backen, Tom besorgte derweil den Tannenbaum und ich beschloss meine freie Zeit zu nutzen, nach Killarney zu fahren und die letzten Weihnachtseinkäufe zu tätigen.
Da Emily Tee über alles liebte, hatte ich ihr in Hamburg extra mehrere typische Friesentees gekauft mit einer neuen Teekanne. Von ihr wusste ich auch, das Tom sich neues Werkzeug wünschte, was ich auch aus Deutschland mitgebracht hatte, da es dort um die Hälfte günstiger war, wie hier. Nun fehlte nur noch Rose. Lange hatte ich überlegt, womit ich ihr eine Freude machen konnte, und als wir in Hamburg in meinem Spielzeugladen waren, leuchteten ihre Augen als sie eine kleine Babypuppe entdeckte. So entschied ich mich, ihr eine Puppe mit Puppenwagen zu kaufen. Emily und Tom baten mich, dazu die Puppenmamigrundausststung zu kaufen.
Und für Patrick? Nein, das lies ich nach seinem Abhauen einfach bei Seite. Was sollte ich mir weiterhin den Kopf zerbrechen, worüber er sich freuen könnte, wenn er es weiterhin nicht für nötig hielt, sich bei mir mal zu melden, obwohl die WhatsApp Nachrichten zwischenzeitlich zugestellt worden waren, was die blauen Häkchen bestätigten. Ein Geschenk hatte ich bereits vor Wochen mit viel Liebe zum Detail ausgesucht und in der Buchbinderei in Auftrag gegeben, was ich auch noch abholen musste. Allerdings wusste ich nicht, ob ich es nicht besser im Schrank verstauben lassen sollte, zu verletzt war ich, anstatt das er solch ein persönliches Geschenk verdient hatte.
Als ich endlich das Spielzeuggeschäft erreicht und die Puppenabteilung gefunden hatte, war ich sichtlich überfordert und vollkommen erschlagen von der Auswahl. Gefühlte 100 verschiedene Puppen in allen Farben und Formen, mit Haaren und ohne, Mädchen oder Junge, mit Sound und ohne wurden groß angepriesen. Ich schaute mir gerade die verschiedenen Modelle an, als sich eine Hand auf meine Schulter legte. „Na, am verzweifeln?!" „Kira, Mensch hast du mich gerade erschrocken... und ja, irgendwie schon... Zuviel Auswahl. Wie gehts dir?" „Ja... etwas im vorweihnachtlichen Stress, aber sonst?! Und dir? Siehst nicht so fit aus? Alles ok? Aber es bleibt bei morgen!?" „Ach... muss irgendwie... gesundheitlich ist alles bestens... aber... naja... ich denke mit morgen... das müssen wir bitte verschieben... ich... also Patrick... er..." „Was ist los?" Kira legte ihre Hand auf meinen Arm und sah mich eindringlich, dennoch verständnisvoll an. „Um ehrlich zu sein... ich weiß nicht wo er ist... wir haben uns seit ich bei euch war, weder gesprochen noch gesehen... wir hatten... er hat... naja sagen wir es so ... eine Meinungsverschiedenheit... Kira... es ist kompliziert zwischen uns... Missverständnisse und vieles mehr...  das... egal..." Sanft drückte sie meine Hand und hatte soviel Feingefühl nicht weiter nach zu fragen. „Hier, die haben Emma und Helen geliebt... dazu gibt es auch den passenden Kinderwagen und auch Anziehsachen. Das schöne ist, Rose kann auch gut mit ihr Kuscheln, da sie einen weichen Körper hat."
Kira half mir das was ich noch brauchte zusammen zu stellen, dann holte sie noch die Sachen für ihre kleinen Jungs und gemeinsam gingen wir noch zur Kasse und zahlten.
„Danke für deine Hilfe... ohne dich... ich war echt überfordert..." „Hab ich gemerkt...", lächelte sie. „Aber nur ein bisschen... komm wir gehen jetzt noch gemeinsam einen Kaffee trinken ja?" „Gern..."
Kira lotste uns zu einem super schnuckeligen Kaffeehaus. Innen war alles liebevoll in einem typisch irischen Stil eingerichtet und auch ein offener Kamin zierte das kleine Kaffeehaus. Der Geruch von frisch gerösteten Kaffee und frisch gebackenen Scones zog sich direkt in meine Nase, das ich sofort Lust bekam, welche zu essen. Wir bestellten und Kira sah mich nur fragend an. „Nun frag schon...", forderte ich sie auf. „Was ist das mit dir und Paddy... außer das es kompliziert ist?!" „Sehr kompliziert?", sagte ich mit einem ironischen Unterton und lächelte gequält. „Lilian... du musst es mir nicht sagen, aber vielleicht...? Hm?" „Es ist kompliziert... und wenn man nicht unsere gesamte Geschichte kennt, schwer zu verstehen..., ich versteh es ja schon kaum... wie soll das dann jemand außenstehendes verstehen..." „Versuchs doch mal... also nur wenn du möchtest..." Also begann ich zu erzählen... „Patrick ist und war meine erste große Liebe. Nach ihm... also ich war nie wieder in einer Beziehung... unsere erneutes aufeinandertreffen hier war schon ziemlich komisch... Nachdem meine Freundin starb und mich in ihrem Testament darum bat, mich um ihre Tochter zu kümmern und mir ihr Haus vermachte, ließ ich innerhalb von 4 Wochen Hamburg hinter mir und zog nach Kenmare... bereits am ersten Abend rannte Patrick mir über den Weg, eher gesagt er rannte mich über den Haufen... mir kam zwar die Stimme bekannt vor, dachte mir aber nichts dabei... bis ich anfing nachts von ihm zu träumen und mit einem Mal dachte ich sofort an Patrick. Realistisch, nach all den Jahren dachte ich natürlich, das mein Unterbewusstsein mir einen Streich spielte...  Dann sah ich ihn am Strand mit jemanden  spazieren gehen und als er nach seinem Hund rief... diese Stimme... ich dachte, er muss es sein. Am gleichen Abend noch stand er dann bei mir im Garten, und da hatte ich Gewissheit, allerdings sagte er nichts, lies mich im Ungewissen, mich zu erkennen..." „Warum hast du nichts gesagt?" „Ich war wie gelähmt... konnte nicht... er lud mich dann in den Pub ein für den nächsten Tag... er hatte einen Auftritt... und ich sagte zu. An dem Tag darauf zog ich extra die Lederjacke an, die er mir damals zum Abschied schenkte, in der Hoffnung, er würde endlich was sagen...  er machte zwar Anspielungen an dem Abend, aber sagte nichts... als er dann auch nich unser Lied spielte, bekam ich Wut und Panik zugleich, haute ab... im Regen in Highheels, kein Handy dabei... plötzlich hupte in der Dunkelheit ein Auto hinter mir und ich fiel vor Schreck hin..." „Lass mich raten... Paddy?!" „Ja... ich motzte zwar rum, aber er fuhr dann mit mir direkt zu sich, weil ich nicht mehr kaufen konnte, versorgte erstmal meinen Fuß, und letztlich blieb ich bei ihm die Nacht... als er dann ins Gästezimmer wollte, platzte mein Geduldsfaden. Ich schrie ihn an, ob er mich denn nicht erkennen würde und was sein Getue sollte... da gab er kleinlaut zu, das er mich bereits an Susans Beerdigung erkannt hatte, und ging." „Und dann?" „Sind wir im Bett miteinander gelandet..." „Uih... ok... was hat er denn gesagt, warum er nicht sofort zu dir kam, gesagt hat, hey Lilly... oder was auch immer...." „Wir hätten ja vorher beide was sagen können, im Grunde haben wir beide uns nicht getraut... wir haben dann viel gesprochen, ich hab ihm die Wahrheit gesagt, warum ich damals ging und er hat mir auch alles erzählt... naja sagen wir mal, ein ganz gewisses Teil hat er ausgelassen zu erwähnen..." „Und was?"

Kenmare... wo sich Zukunft mit Vergangenheit verbindetWo Geschichten leben. Entdecke jetzt