Zwei Stunden später hatte es Patrick geschafft und war um paar Hundert Euro ärmer zurück. Erstaunlicher Weise ging es mir recht gut, hatte keinerlei Schmerzen und auch der Kreislauf machte gut mit, das Anna mich ruhigen Gewissens in Patricks Obhut übergab und am späten Abend nochmal kurz vorbeischauen wollte. Ich war froh, das sie von Patricks und meinem neusten Problem nichts mitbekommen hatte und versuchte mich extrem ihm gegenüber in ihrer Anwesenheit mich zusammen zu reißen.
Als ich mich und Calla angezogen hatte, drückte ich Patrick den MaxiCosi in die Hand, nahm meine Sachen sowie die Unterlagen und ging zum Auto.
„Willst du mich jetzt die ganze Zeit mit dem Blick „Ich bring dich gleich um", strafen?", fragte Patrick plötzlich im Auto. „Was erwartest du denn? Das ich dir um den Hals falle? Das ich mich freue? Ich versuche das gerade einfach nicht überhand gewinnen zu lassen... da ist mein Blick wohl das kleinste Übel, findest du nicht?!" „Ich würde es dir aber gern erklären, vielleicht würdest du es dann verstehen und..." „Was willst du mir erklären? Das was ich gesehen und gelesen habe bedarf keiner Erklärung und war eindeutig! Patrick... wenn es das ist was du willst und was du brauchst, dann Bitteschön... aber ohne mich! Ich kann das nicht und will es auch nicht..." „Lilly, wenn du mir mal zuhören würdest, dann..." „Dann was? Du hast mit ihm geschlafen, oder?!" Patrick richtete wieder seinen Blick auf die Straße und schwieg. Das war für mich Antwort genug.
Kurz bevor wir Ralfs Wohnung erreichten, versuchte es Patrick erneut. „Ja... und es tut mir leid... auch wenn du mir das kaum glauben wirst, was ich auch verstehen kann... aber... du hast gesagt, wir gehen getrennte Wege... ich... ich... du hast mir gefehlt und..." „Und anstatt mal dein Gehirn einzuschalten und mit mir zu sprechen, gehst du mit deinem Ex ins Bett... Willst du mich verarschen? Lass einfach gut sein!" „Kommst du wieder nach Hause?!" „Wie?" „Zurück nach Kenmare, in dein Haus... unser zu Hause..." „Ich weiß es nicht Patrick, wirklich nicht... ich brauchte Abstand, und ich glaub den Brauch ich aktuell mehr denn je..." „Aber Rose... und Calla... ich bin doch ihr Papa und..." „Toller Papa, der den 2. Geburtstag von Rose vergisst!" „Hab ich nicht! Ich bin extra nach Hause geflogen... aber du warst Weg, Emily konnte und Shiabon wollte mir nichts sagen." „Und dann kann man nicht anrufen Patrick?!" „Wärst du überhaupt ans Telefon gegangen nachdem du schon nicht wolltest, das irgendwer weiß, wo du bist?! Lilly bitte... ich will mich gerade heute nicht mit dir streiten, aber wir müssen miteinander reden... alleine schon wegen der Kinder... und auch wegen uns..." „Bis heut Vormittag dachte ich auch, es könnte ein uns noch geben... aber jetzt?! Patrick... es gibt mit den Kindern bestimmt eine Lösung, aber nicht jetzt und nicht heute oder morgen! So und jetzt fahr bitte nicht zum fünften Mal mit Absicht in die falsche Straße!" „Gut... aber bitte fahr wieder nach Hause... wenn dich meine Anwesenheit in Kenmare stört, bleib ich vorerst in Köln, aber nimm Rose nicht ihre Bezugspersonen weg!"Patrick parkte Ralfs Sportwagen, half mir aus den Schale sitzen und nahm zunächst Calla im MaxiCosi mit raus. Er wollte gerade die Tür aufschließen, da öffnete uns bereits Jimmy mit Rose auf dem Arm. „Papa Papa!", rief Rose aufgeregt und war kaum noch zu halten. „Baby da!", freute sie sich. Jimmy setzte Rose runter und zog mich erstmal in eine Umarmung. „Herzlichen Glückwunsch Lilly... das ging ja dann mal Knall auf Fall..." „Hm... entschuldigt ihr mich kurz...", mir war das gerade alles irgendwie Zuviel. Dazu das Geständnis von Patricks erneuten Fremdgehen, was sollte ich denn noch alles verkraften, fragte ich mich und lies mich angelehnt an die Schlafzimmertüre auf den Boden sinken und weinte.
„Lilly? Lass mich mal bitte rein...", vernahm ich irgendwann Jimmys Stimme, stand auf und schloss auf. Eindringlich sah er mich an und hatte Calla auf dem Arm, während ich mir notdürftig mit der Hand meine Tränen weg wischte. „Calla hat Hunger! Paddy ist mit Rose nochmal raus... die kommen später wieder..." „Ok... tut mir leid... Hormone...", versuchte ich mich zu erklären. „Lilly... Paddy... er Haus mir eben erzählt und den Segen von oben bekommen... kann ich was tun? Brauchst du irgendwas?" „Nein... danke... komm gib mir Calla, ich Versuch sie mal anzulegen... Jimmy? Könntest du uns einen Tee machen? Nur darauf achten, dass..." „Ich weiß schon... von Meike... mach ich!"
Das Anlegen klappte erstaunlicherweise gut und nach kurzer Zeit schlummerte Calla schon wieder und schien sehr zufrieden zu sein, das ich sie sachte ins Bett legte, begrenzt von Kissen und zu Jimmy in die Küche ging, der gerade alles schon auf ein Tablett gestellt hatte. „Danke, das ist echt lieb von dir..." „Lilly, hör auf! Das ist selbstverständlich! Komm, setz dich... wir müssen reden!", er reichte mir die Tasse mit Tee und begann.
„Lilly, hör zu, mich geht das alles nichts an, also jedenfalls nicht so, denn es ist euer Leben, aber verdammt noch mal, zu flüchten ist keine Lösung! Ihr gehört nach Irland, da ist euer Zuhause, und nicht hierher. Und was Paddy und dich betrifft... ich kann euch beide verstehen, wirklich! Paddy... mir fehlen echt die Worte mit Valentin..., aber, ohne ihn in Schutz nehmen zu wollen... er ist felsenfest der Überzeugung gewesen, das es für dich endgültig aus war... das macht das Ganze nicht besser, aber somit hat er dich nicht betrogen und das glaube ich ihm auch... du hättest ihn an Weihnachten mal erleben sollen. Er war zwar da, aber auch wieder nicht. Patricia meinte, er hat die ganze Nacht sich die Augen ausgeweint. Lilly... er liebt dich... wirklich... und er liebt eure Kinder... kriseln tut es in jeder Beziehung, auch bei Meike und mir... bitte... schliess ihn nicht aus, geb euch nicht auf... lass ihn erklären, warum es erneut dazu kam..." „Du weißt das er...? Als er und Valentin?" „Ja... in Kurzfassung... er hat es mir eben gesagt... auch das Patricia und Joey es wohl wussten und... egal... Paddy fliegt übermorgen nach Südafrika... ich nehm dich, wenn das für dich in Ordnung ist, mit zu uns oder zu Patricia... wir haben zwar auch noch Paar Konzerte, aber da hast du mehr Platz und auch mehr Unterstützung... und wenn sich alles eingespielt hat, bringen wir euch endlich wieder heim!"
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Kenmare... wo sich Zukunft mit Vergangenheit verbindet
Fiksi PenggemarLilian ist Single, glücklicher Single und arbeitet in einer renommierten Spedition als Human Ressource Managerin. Ab und an verirrt sich mal ein Mann in ihr Leben, aber seit 18 Jahren hat sie nie wieder jemanden so nah an sich rangelassen wie ihn...