Der Brunch als auch die folgenden Tage, die Patricks Familie da war, gestalteten sich als angenehm und entspannt. Patrick verbrachte viel Zeit mit seinen Geschwistern, einige Male auch ohne mich, was vollkommen in Ordnung war, denn auf Dauer war so eine Großfamilie doch etwas zu viel des guten. Sylvester feierten wir gemeinsam bei Paul, wo auch Emily und Tom die Einladung dankend annahmen. Es war grundsätzlich ein ruhiges Fest, was auch vielleicht daran lag, das Angelo, trotz Einladung, nicht auftauchte. Joey und John hatte beide in der Zeit nochmal versucht, mit ihm zu reden, allerdings ohne Erfolg. Helen und Gabriel hingegen meldeten sich nun immer öfters mal bei Patrick, was ihn sichtlich erfreute.
Patrick und ich hatte das Thema unseres letzten Streites erfolgreich weiterhin totgeschwiegen. Weder er noch ich suchten erneut das Gespräch, worüber ich ganz froh war, allerdings zog er sich auch etwas mehr zurück, verbrachte, nachdem Maite und seine Geschwister wieder nach Deutschland reisten, mehr Zeit bei sich daheim. Natürlich sahen wir uns jeden Tag, Patrick verbrachte weiterhin viel Zeit mit Rose, aber die Nächte verbrachte ich mehr und mehr allein. Seiner Aussage zu Folge scheuen er derweil an Songs, hatte Druck von seiner Plattenfirma. Miteinander geschlafen hatten wir seit der einen Nacht auch nicht mehr... es ergab sich einfach nicht. Tagsüber war Rose da und wach... und nachts... da war er ja fast kaum noch da. Irgendwie stand es immer noch wie eine unsichtbare Quere zwischen uns. Allerdings wusste ich auch nicht, wie ich das Thema ansprechen sollte. Einen Abend, wo Emily sich angeboten hatte Rose zu nehmen, da sie wohl gemerkt hatte, das etwas im Argen lag, nutzte ich die Chance, zog mir was nettes an und ging zu Patrick rüber. Nachdem es erstmal Ewigkeiten gedauert hatte, bis er öffnete, gestaltete sich der Abend so, dass wir zwar miteinander zu Abend aßen, er sich dann aber entschuldigend verabschiedete, er müsste noch arbeiten, mit ein „ich liebe dich" in den kurzen Kuss hauchte, in sein Studio verschwand und mich in der Küche zurückließ. Zuerst überlegte ich, einfach da zu bleiben, mich in sein Bett zu legen und zu warten, das er ebenfalls ins Bett kam, allerdings warf ich meinen Gedanken ganz schnell über den Haufen, denn nach seinem äußeren Erscheinungsbild hatte er die letzten Tage kaum geschlafen, geschweige denn das Bad mal aufgesucht, also machte ich in der Küche nur etwas klar Schiff, und hinterließ ihm an seiner Kaffeemaschine eine kleine Haftnotiz...Du fehlst mir... besonders Nachts...
LU Lilly...Die Tage zogen ähnlich wie zuvor dahin, auf meine Nachricht war keine Antwort oder auch Taten erfolgt. Immer mehr zweifelte ich... ob es so gut war, weiterhin zu schweigen. Die jetzige Situation war kein Zustand. Wir sagen uns zwar, Patrick suchte auch meine Nähe, indem er mich in den Arm nahm, mich küsste, oder wenn ich draußen mit meiner Kaffeetasse auf der Terrasse stand, sich einfach an mich kuschelte und wir den Moment gemeinsam genossen, entweder er verabschiedete sich abends oder schlief bereits total übermüdet auf dem Sofa ein, um dann Nachts irgendwann zu mir ins Bett zu kriechen. Das ein oder andere Mal bekam ich das auch mit, wollte die Chance nutzen, indem ich begann ihm zärtlich kleine Küsse in den Nacken zu hauchen und meine Hände auf Wanderschaft gehen zu lassen, allerdings war immer alles nicht mit Erfolg gekrönt, denn meist brummte er nur verschlafen: „Sunshine... I'm tired", oder „Tomorrow... promise..."
Nun stand Rose' erster Geburtstag und somit auch Susans erster Todestag vor der Tür. Geschenke hatten Patrick und ich bereits besorgt, allerdings sollte er an dem so wichtigen und für mich auch belastenden Tag nicht da sein. Er hatte einen Termin in München. Und obwohl er wusste, das ich nie gebeten hatte, je etwas zu verschieben, immer Verständnis aufbrachte, so war ich mehr als enttäuscht, das er selbst nach meiner persönlichen Bitte nicht mal in Erwägung zog anzufragen, den Termin zu verlegen. Was er allerdings versprach war, die letzte Maschine noch zurück zu nehmen, was mir und Rose allerdings auch nichts brachte, denn somit war er erst mitten in der Nacht zurück.
Letztlich feierten wir Rose Geburtstag mit Emily und Tom, Shiabon war auch vorbei gekommen sowie zwei Mutter mit ihren beiden Kindern, mit denen Rose inzwischen öfters gespielt hatte und in Zukunft gemeinsam bei einer hiesigen Tagesmutter in die Betreuung gehen sollten. Rose genoss ihren Geburtstag. Vormittags besuchten wir Susans Grab, stellten frische Blumen hin und erzählten etwas. Mittags riefen selbst Patricks Geschwister an und gratulierten der kleinen Lady. Joey und Patricia hatten sogar Geschenke per Post geschickt und Nachmittags gabs dann die offizielle Feier mit viel Kuchen und viel Spaß... nur Patrick fehlte. Er hatte noch nichtmal angerufen, was mir am meisten Leid tat, denn Rose fragte den Tag über mehrfach nach ihrem „Papa"...
Es war dann bereits auch weit nach Mitternacht, als ich von Patrick eine Nachricht erhielt.Sorry, der Flug hatte Verspätung. Sehen uns morgen! Kuss!
Ich war sauer und anstatt zu antworten rief ich ihn an.
„Sunshine, du bist ja noch wach? Wie gehts dir? Hatte Rose einen tollen Tag?", fragte er noch völlig aufgekratzt.
„Ja... ich mach noch klar Schiff von der kleinen Party und ja Rose hatte ihren Spaß... mehr Spaß und Freude hätte sie gehabt, wärst du da gewesen...", antwortete ich mit einem leichten Unterton. „Lilly... du wusstest doch ich hab einen Termin... sie wird's schon verkraften... bin ja sonst auch nicht immer da!" „Patrick... sie hat mindestens zehn mal nach dir gefragt... wenn's geklingelt hat an der Tür kam von ihr immer nur „Papa?". Und jetzt kommst du noch nicht mal nach Hause, so dass sie dich jedenfalls morgen früh sieht? Das geht so nicht! Bei allem Verständnis zu deinem Job..." „Gut, dann komm ich gleich rüber... Lilly... es tut mir leid... das wusste ich nicht..." „Fühl dich nicht gezwungen..." „Tu ich schon nicht! Bis gleich!", murrte er und legte auf.
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Kenmare... wo sich Zukunft mit Vergangenheit verbindet
FanficLilian ist Single, glücklicher Single und arbeitet in einer renommierten Spedition als Human Ressource Managerin. Ab und an verirrt sich mal ein Mann in ihr Leben, aber seit 18 Jahren hat sie nie wieder jemanden so nah an sich rangelassen wie ihn...