Description

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Ich hätte gelogen, wenn ich gesagt hätte, bei mir würde es anders aussehen, wie bei ihm, einzig und allein war der Standpunkt, der Blickwinkel, ein anderer gewesen. Zuerst wollte ich darauf was erwiesen, aber das konnte ich nicht. Ich öffnete zwar meinen Mund, aber ein Ton kam dennoch nicht heraus. „Lilly?" „Hm..." „Dir gehts genauso, oder?", konfrontierte er mich mit der Wahrheit. Ich nickte und blickte weiter aufs Meer. Plötzlich merkte ich, wie er aufstand. Fragend sah ich ihn als, als er sich einfach hinter mich setzte und mich in seine Arme zog, seinen Kopf auf meine Schulter legte und einfach nur fest hielt. Lautlose Tränen fanden ihren Weg, und ich lies es geschehen, während er von sich aus anfing zu erzählen.

„Die letzten eineinhalb Jahre waren für mich ein auf und ab an Gefühlen, Streitereien, Chaos, Intrigen und was weiß ich nicht, dennoch hatten wir es irgendwie geschafft uns zu finden, uns anzunähern bis hin den letzten Schritt zu gehen. Aber dann... dann wurde es irgendwie anders... ich fühlte mich allein, mich verraten, hatte keine Nähe, keinen Halt, niemanden der mich auffing, die Tour, der Druck, die vielen Menschen..., das alles entschuldigt natürlich nicht, was ich getan habe, aber....

... ich war im Dom abends... wollte mich kurz einloggen, beten, Kraft sammeln... und verweilte dort einige Zeit... als ich raus bin, es schon dunkel war, stellte ich fest, das mich jemand total zugeparkt hatte... ein Franzose...warst du mal in Paris? Die Parken dort Stoßstange an Stoßstange... und nehmen auf keine Rücksicht beim Ein-und Ausparken. Die schieben einfach die Autos hin und her und... egal... jedenfalls war ich echt angepisst, als plötzlich aus dem Nichts, der Fahrer auftauchte. Natürlich fluchte und meckerte ich sofort rum, in Englisch... kennst mich ja... und dann hörte ich nur: „Paddy c'est toi?" Zuerst erkannte ich ihn bedingt durch die Dunkelheit nicht und dann: „Valentin?" Wir begrüßten uns, begannen uns zu unterhalten... naja... irgendwann fragte er, ob wir in eine Bar wollten, aber ich erklärte ihm, das es für mich nicht so einfach ist auszugehen, gerade in Köln und schlug vor, zu mir zu fahren, an der Tanke noch Bier und Wein zu holen und was zu essen zu bestellen, was wir dann taten.
Beim Essen erzählte er von sich, was er all die Jahre so gemacht hatte und warum er gerade in Köln war... da wir auch was getrunken hatten, bot ich ihm meine Couch für die Nacht an, was er auch dankend annahm, und wir erzählten bei einer weiteren Flasche Wein weiter. Irgendwann kamen wir auf mich zu sprechen, er fragte was ich all die Jahre gemacht hatte, wie es mir erging im Kloster und danach, bis er mich auf mein Privatleben ansprach... zögerlich erzählte ich ihm zuerst von Mark und mir... bis hin zu unserem Wiedersehen... aber er bemerkte auch, das ich nicht ausgeglichen oder glücklich wirken würde, also erzählte ich weiter... von meinem Betrug an dich und Mark, von Marks Betrug, von unserem ewigen hin und her, deiner Operation, der daraus resultierenden Zwangsabstinenz bis hin zu unerfüllten Bedürfnissen...

Brauchst du eine Pause Lilly oder soll ich...?" „Rede ruhig weiter... wenn was ist, es mir Zuviel wird, dann sag ich Bescheid..." „Ok!", ich hatte das Gefühl, das er mich jetzt noch fester in seine Arme schloss, als er es eh schon tat, aber trotz dieser merkwürdigen und surrealen Situation war es mir nicht unangenehm, er gab mir halt damit...

„... naja... also... Valentin, von dem ich ausging, das er rein auf Männer stand, konnte mich größtenteils verstehen wie er sagte... denn er stand, wie er erzählte auf beide Geschlechter. Beziehungsmässig waren es die Frauen, was aber die sexuelle Seite anging, also die letztliche Befriedung seiner Bedürfnisse, das schaffte nur ein Mann bei ihm, denn das konnte die Frau ihm nicht geben, was er zwischendurch brauchte und ich verstand sofort was er meinte. Valentin ist verheiratet... er hat eine tolle Frau in Cannes kennen und lieben gelernt. Flora... die beiden haben Zwillinge... Pauline und Clement... beide 8 Jahre alt... die beiden sind glücklich und haben ein Hotel an der Côte d'Azur..."

„Und... und... wenn sie doch so glücklich sind... wie... also warum habt ihr dann? Ich dachte du bist glücklich mit mir?", fragte ich nach. „Sunshine... I am... I was...", korrigierte er sich und gab mir plötzlich einen saften Kuss auf die Schläfe. „Ich erklärs' dir...

Flora wusste von Anfang an von Valentins Bedürfnissen sowie von seiner sexuellen Orientierung. Was Sex angeht, sind sie beide sehr offen... wissen aber wo ihr Herz hingehört... was ich damit sagen will, er erzählte, das er ab und an mal sich mit einem Freund trifft... und dann haben sie etwas Spaß miteinander... nicht mehr und nicht weniger... ich war sehr überrascht, aber auch überfordert... musste das Gesagte sacken lassen und begann sein Erzähltes zu verarbeiten, während ich in der Küche etwas klar Schiff machte und er duschte... sollte sowas tatsächlich funktionieren dachte ich, schon aber meine Gedanken, die sich dabei auftaten ganz schnell beiseite."

„Was für Gedanken waren das?", fragte ich vorsichtig, nicht sicher, ob ich das eigentlich überhaupt wissen wollte. „Tja... verückte, vollkommen unrealistische und absurde Gedanken...

... ich dachte daran, ob sowas bei uns auch funktionieren konnte, ob du... also ob du wie Flora das akzeptieren könntest, sollte ich... aber nein, also schon ich den Gedanken auf Seite und schüttelte wie automatisch meinen Kopf. „Paddy... à quoi penses-tu?", fragte Valentin, der plötzlich hinter mir stand. Erschrocken fuhr ich herum und zerdepperte dabei sogar die Weinkaraffe... kennst mich ja, wenn ich netvös bin, geht öfters mal was zu Bruch..."

„Warum warst du nervös?", fragte ich und biss mir verlegen auf meine Unterlippe, denn irgendwie konnte ich mir seine Antwort fast denken...

Kenmare... wo sich Zukunft mit Vergangenheit verbindetWo Geschichten leben. Entdecke jetzt