Kapitel 92

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P.o.V. Germanletsplay

Die Tür fiel hinter ihm knallend ins Schloss. Er war weg. Eine Art leeres Gefühl verblieb in meiner Brust. "Was genau war das?" Zombey klang besorgt. Leise seufzte ich. Ich hatte es mal wieder vergeigt. Ich hätte es nicht so weit treiben dürfen, ich wusste doch, wie sehr es ihn verletzte.

"Ach, Manu. Mach dir bitte keine Vorwürfe. Ich weiß nicht, was das zwischen euch ist, aber du bist sicher daran nicht schuld. Hörst du?" Ich unterdrückte den Drang, ihm zu widersprechen. Natürlich war das meine Schuld. Die Hand, die er mir sanft auf die Wange legte, ließ meinen Widerstand schmelzen. "Ach, Zombey...", murmelte ich erschöpft, hatte auf einmal das Gefühl, nicht mehr stehen zu können. Alles, was ich so erfolgreich verdrängt hatte, kam zum Vorschein und ich ließ mich schluchzend gegen seine breite, kräftige Brust sinken. Sanft legte er seine Arme wieder um mich und streichelte leicht meinen Rücken.

Trotzdem blieb das Gefühl, alles Unglück anzuziehen. Schlechtes Gewissen plagte mich und ich wollte einfach nur zu Palle. Warum mir der Gedanke kam, wusste ich selbst nicht ganz genau, aber alles in mir drängte mich, diesem Verlangen nachzukommen.

"Komm Manu, lass uns reden", versuchte Zombey mich abzulenken. Dankbar setzte ich mich mit ihm auf die Couch. Oder besser gesagt auf seinen Schoß, denn Zombey zog mich zu sich. "Zombeeeey", quietschte ich und lachte leicht. "Germanletsplaaaaay", gab er spielerisch zurück und pikste mich in die Seite. Ich hielt kurz inne. "Seit wann nennst du mich 'Germanletsplay'?" "Dann solltest du mich aber auch nicht 'Zombey' nennen" "Ach, und wie dann?", grinste ich. "Ich heiße Michael, schon vergessen?" "Nein, okay, kann sein.." verlegen kratzte ich mich am Hinterkopf. "Naja, jetzt weißt du es wieder. Und jetzt lass uns reden." "Und über was?" "Hmm... YouTube?" Ich lachte leise. "Okay"

...

Um kurz nach zwei an diesem Tag machte ich mich auf und ging zum Krankenhaus. Zombey, nein, Michael, derweil holte seine Sachen bei seiner Tante und klärte sie und die restlichen Familienmitglieder, die bei ihr übernachteten, auf, dass er bei mir, 'einem Freund' schlief, was er ihnen gestern nur knapp per WhatsApp mitteilen konnte.

Der tägliche Besuch im Krankenhaus trieb mich wieder in meinen alten Trott hinein, der unwiderrufliche Trauer und Sinnlosigkeit mit sich brachte. Der Anblick Julias, die blasser und schwächer aussah den je, verstärkte das nur noch. Wie, als hätte man mir meine Gedanken ausgeknipst, wechselte ich die Blumen, die immer in der Vase auf dem Tischchen neben ihrem Bett stand, füllte frisches Wasser hinein und setzte mich wieder auf meinen gewohnten Platz.

Wer danach allerdings den Raum betrat, lenkte mich von all meiner Trauer ab und ließ mich an meinem Augenlicht zweifeln

Endlos Telenovela...(#kürbistumor)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt