„Ich trete da heute Abend mit meiner Band auf. Wenn ich sie gleich nicht gefeuert habe“ Steffi schaute ihn verdutzt an „Heute? Da bin ich auch da, auf dem Konzert von…DIR?“ Wincent musste schmunzeln, sie hatte ihn also bis eben noch gar nicht erkannt. „Sorry, ich hab mich ja auch noch gar nicht vorgestellt. Ich bin Wincent“ „Ja, das habe ich jetzt auch gecheckt. Oh man, das ist mir ja super unangenehm. Sorry, ich bin Steffi“ „Ach quatsch, das braucht dir doch nicht unangenehm sein“ entgegnete Wincent. „Ich finde es tatsächlich auch mal ganz angenehm, nicht erkannt zu werden. Vielleicht hättest du mich sonst ja gar nicht mitgenommen. Aber eins musst du mir jetzt mal erklären. Du gehst also auf ein Konzert und weißt nichtmal, wie der Künstler aussieht?“ er grinste Steffi verschmitzt von der Seite an. „Ähm…nun ja“ begann Steffi zu stottern. „aus der Nummer komme ich wohl nicht mehr raus. Eigentlich haben meine Eltern mich gefragt, ob ich nicht mitkommen möchte. Sie haben die Karten umsonst bekommen“ Steffi biss sich auf die Zunge. Warum musste sie denn das jetzt sagen? War es nicht schon peinlich genug, dass sie ihn nicht erkannt hatte, obwohl sie ihn heute Abend auf der Bühne sieht? Was muss er denn jetzt von ihr denken? „ Aber einige Lieder kenne ich natürlich, und die sind auch echt ganz gut“ versuchte sie, die Situation zu retten, hätte sich aber im selben Moment dafür auch schon wieder ohrfeigen können. Wincent drehte sich zu ihr um und schaute sie ernst an „Soso, also ich fasse das mal zusammen. Du gehst heute Abend auf ein Konzert eines Künstlers, den du gar nicht erkennst und dessen Lieder du „ganz okay“ findest und zahlst dabei noch nicht mal etwas für die Karten“
Steffi hatte sich zum Glück wieder gesammelt und konterte „Ja du hast Recht. Aber dafür kutschiere ich dich auch gerade kostenlos durch das Kaff hier und sorge dafür, dass die Leute, die für dein Konzert bezahlt haben, dich heute Abend auch sehen können. Und nicht nur deine Band“ „Nagut, ich würde sagen, damit sind wir quitt.“ Wincent verschränkte zufrieden die Arme vor der Brust und richtete seinen Blick wieder auf die Fahrbahn. „Sind wir eigentlich gleich da, oder willst du mir noch ein bisschen mehr von diesem Kaff hier zeigen? Ich habe theoretisch noch ein bisschen Zeit bis zum Soundcheck und finde es eigentlich immer ganz interessant, die Orte der Konzerte etwas kennenzulernen“ Steffi war sich nicht ganz sicher, ob er sie gerade verarschte oder es wirklich Ernst meinte. Aber sie spielte das Spiel mit. Nach Hause würde sie es jetzt eh nicht mehr schaffen und zu früh wollte sie auch nicht bei ihren Eltern sein. „Okay, dann machen wir jetzt ne kleine OKF mit Ziel an der Stadthalle.“ „Ortskontrollfahrt? Geil, ich dachte diesen Begriff gibt es nur bei uns auf'm Dorf. Na dann mal los, Frau Chauffeurin. Ah, Moment, ich müsste vielleicht eben meiner Band Bescheid sagen, dass ich tatsächlich etwas später komme, nicht dass die mich noch suchen. Gibt eh Ärger mit Amelie. Also meiner Tourmanagerin. Sag mal könnte ich kurz dein Handy haben? Vielleicht war ja einer der Jungs so clever, und hat mein Handy dabei. Das ist die einzige Nummer, die ich auswendig kann“ Steffi entsperrte ihr Handy und kurze Zeit später hatte WIncent seinen Pianisten am Telefon. Er teilte ihm den Plan mit und zeigte dann Steffi einen Daumen nach oben.
Und so fuhren die beiden durch die Kleinstadt und Steffi zeigte Wincent, wo es den besten Döner gab, wo sie zur Schule gegangen ist und wo die besten Partys stattgefunden haben. 30 Minuten später kamen sie dann an der Stadthalle an. „Vielen Dank fürs Mitnehmen und die kleine Rundfahrt. Vielleicht sehen wir uns ja später noch auf dem Konzert, auf dem wir zufällig beide sind“ „Na sicher, ich als dein größter Fan werde kreischend in der ersten Reihe stehen“ „Du meinst mit denen zusammen?“ Wincent deutete auf eine kleine Ansammlung von Mädchen vor der Stadthalle. „Nagut, vielleicht stehe ich in der zweiten Reihe. Und jetzt ab zu deinen Fans, ich will nicht schuld sein, wenn sie kein Foto mehr mit dir bekommen.“ WIncent sprang aus dem Auto und lächelte Steffi noch einmal zu. „Wirklich vielen Dank, war mal eine gelungene Abwechslung zum Touralltag.“ Er schloss die Tür und ging auf die Fans zu, die sicherlich schon lange auf ihn warteten. Steffi blickte im noch kurz hinterher und erst da wurde ihr bewusst, dass Wincent schon einen ziemlich attraktiven Körperbau hatte. Und er war echt sympathisch. Welcher Star wäre schon über eine halbe Stunde mit einer fremden Frau durch ihr Heimatdorf gefahren und geht vor seinem Konzert seelenruhig zu seinen wartenden Fans? Vielleicht sollte Steffi ihre Vorurteile gegenüber Mainstream Popsängern doch nochmal überdenken. Zumindest Wincent hatte ihr heute ein ganz anderes Bild vermittelt, als sie es immer gedacht hatte. Bevor sie losfuhr, öffnete sie Spotify und machte eine Playlist mit Liedern von Wincent Weiss an, damit sie heute abend wenigstens ein paar mehr Lieder als nur die Radio Hits kannte. Und sie musste schnell feststellen, dass sie auch davon sehr überrascht war, wie viel Tiefe und Ehrlichkeit doch in diesen Songs bemerkte. So langsam begann sie sogar, sich auf das Konzert heute abend zu freuen. Und vielleicht auch ein bisschen darauf, Wincent nochmal wiederzusehen?
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Auf Halbem Weg - Steffi (1)
FanfictionTeil 1 Steffi und Wincent Steffi (28) gerät durch einen dummen Streich in Kontakt mit Wincent Weiss, den sie bis dahin so gut wie kaum kannte. Wie kam es zu diesem Treffen und wie wird es ausgehen?
