“Warum eigentlich nicht?” Steffi zuckte mit den Achseln und lächelte ihn an. Wincent liebte ihre spontane Art, hier waren sie sich zum Glück sehr ähnlich. “Ernsthaft? damit hätte ich jetzt irgendwie nicht so schnell gerechnet.“ er schaute sie ungläubig an. ”Ja wir machen das. Aber unter einer Bedingung.” Steffi hob symbolisch den Zeigefinger. “Und die wäre?” Sah Wincent sie etwas verdutzt an. “Wir suchen die Möbel gemeinsam aus. und ich hätte gerne ein eigenes Zimmer für Home Office.” Wincent musste erleichtert lachen. “Ja, da kriegen wir hin. Und ein Zimmer brauche ich, falls wir mal Aufnahmen bei mir machen würden. Ich hätte da aber dann auch noch eine Bedingung.” Steffi sah ihn fragend an. Wincent beugte sich etwas weiter zu ihr über den Tisch. “Geld spielt keine Rolle okay? Du finanzierst weiterhin deine Wohnung hier und ich kümmere mich um alles, was die Wohnung in Hamburg betrifft. Und da gibts auch keine Widerrede. Ich möchte, dass wir das so machen können, wie wir wollen.” Er sprach im leisen und ernsten Ton mit ihr und schaute sie eindringlich an. Steffi wusste, dass sie mit Wincent darüber eh nicht diskutieren konnte. Sie war finanziell zwar ganz gut aufgestellt, so dass sie sich ihre Wohnung ohne Probleme leisten konnte. Aber eine zweite Wohnung wäre absolut nicht drin gewesen. Und wenn es Wincents Wunsch war, wollte sie ihm eh nicht widersprechen. “Aye aye, Chef, dann können wir uns ja austoben.” lachte sie. Wincent griff nach ihrer Hand. “Jetzt mal ehrlich, das freut mich gerade mega. Dann lass uns doch nach dem Urlaub ganz in Ruhe anfangen, zu schauen. Johannes kann uns da sicher ein paar gute Tipps geben. Wann müssen wir eigentlich bei deinen Eltern sein?” “ Das reicht, wenn wir hier um halb vier losfahren.” überlegte Steffi. “Oder hast du Lust, wenn wir schon eher hinfahren? Dann zeige ich dir ein bisschen die Gegend, in der ich aufgewachsen bin..” Wincent nickte. Dann bezahlten sie und gingen zurück zu Steffis Wohnung.
[2] Wenig später saßen sie in Steffis Auto und fuhren in ihr Heimatdorf. Dort parkte sie ihr Auto bei ihren Eltern und schrieb ihnen kurz eine WhatsApp Nachricht, dass sie zwar schon da wären, aber noch ein bisschen durchs Dorf gehen wollten. Wincent war schon ganz gespannt darauf, zu sehen, wo Steffi aufgewachsen war. Da er selber vom Dorf kam, fühlte er sich auch direkt wohl. Die Wahrscheinlichkeit, dass er hier erkannt wurde, war auch deutlich geringer als in der Stadt. Unterwegs trafen sie nur auf ein älteres Ehepaar, welches mit Steffis Oma befreundet war. “Ach wie schön, dass du jetzt auch jemanden an deiner Seite hast. Da wird sich deine Mutter aber freuen. Und dann auch noch so einen netten hübschen Mann.” Steffi war es ein wenig unangenehm, aber Wincent schien es mit Humor zu nehmen. “Ja meine Mutter hat aus meinem Single Status kein Geheimnis gemacht.” seufzte sie, als sie weitergegangen waren. “Ohje, und dann kommst du ausgerechnet mit so einem Trottel wie mir nach Hause.” grinste Wincent sie an. “Das stimmt, so ein Pech aber auch.” lachte Steffi. Er legte ihr den Arm um die Schultern und drückte sie fest an sich. “Ja du hast schon großes Pech, dass sich dieser Trottel unsterblich in dich verliebt hat.” Steffi blieb stehen und dreht sich zu ihm. “Und dieser Trottel hat verdammtes Glück, dass ich genauso verliebt in ihn bin.” sie legte ihm die Arme um die Hüfte und gab ihm einen Kuss. Dann schlenderten sie weiter durch die Wiesen, bis sie am Fluss ankamen. “Hier sind wir schon als Kinder immer mit dem Rad hingefahren und haben hier gebadet. Und da vorne ist eine kleine Einbuchtung, da kann man sich super zurückziehen.” “Ahja, mit Jungs zum Beispiel? Wenn man nicht beim Knutschen erwischt werden will?” lächelte Wincent sie verschmitzt an. “Ja, zum Beispiel. Also habe ich mal gehört.” grinste Steffi zurück und zog ihn an der Hand dorthin. Sie setzten sich in das Gras und beobachteten ein paar Enten, die auf dem Fluss schwammen.
[3] “Ich habe gerade nicht das Gefühl, dass ich morgen abend schon wieder schwitzend in einer Halle vor 5.000 Leuten auf der Bühne hin und her renne. Hier hat man echt das Gefühl, die Welt steht still. Es ist so ruhig.” “Das stimmt. Das fehlt mir in der Stadt auch manchmal. Deswegen komme ich auch immer gerne hierher und bin froh, dass meine Mutter damals mit mir hier bleiben konnte, als mein Vater uns verlassen hat.” Es war das erste Mal, dass Steffi Wincent gegenüber etwas mehr von ihrem Vater und der Trennung erwähnt hatte. Bisher wusste er nur, dass sie bei der Trennung 10 Jahre alt war und er in der Nähe von Braunschweig lebte. Sie hatte hatte zwar Kontakt zu ihm, aber sprach wenig darüber. “Was sagt dein Vater eigentlich zu uns? Du hast es ihm doch erzählt, oder?” fragte Wincent vorsichtig. “Ja, ich habe es ihm erzählt. Er weiß auch, dass ich mit dir auf Tour war.” “Und? was sagt er? Willst du mich ihm gar nicht vorstellen?” Steffi wurde ein wenig verlegen. “Er freut sich für mich. Und klar sollt ihr euch auch kennenlernen. Aber bisher passte es einfach nicht.” “Passte es nicht oder wolltest du nicht?” bohrte Wincent nach. Er selber kannte es nicht, mit einem Vater aufgewachsen zu sein und auch Steffi wurde hauptsächlich von ihrer Mutter großgezogen. Aber immerhin hatte sie noch Kontakt und Wincent wollte verstehen, warum sie scheinbar kein so gutes Verhältnis zu ihm hatte. “Ich weiß auch nicht. Ich hatte irgendwie immer Angst, dass mein Papa nicht mit unserer Art von Beziehung einverstanden wäre. Meine Stiefschwestern haben beide schon geheiratet und Kinder und ich habe manchmal da Gefühl, dass ich das schwarze Schaf in der Familie bin. Sogar meine jüngere Cousine hat schon ein Kind. Und das kriege ich jetzt ständig aufs Brot geschmiert, warum es denn bei mir noch nicht so weit ist. Ich wollte dem ganzen Thema einfach aus dem Weg gehen.”
[4] Sie senkte den Kopf. Wincent strich ihr über den Rücken. “Das tut mir leid, aber deine Familie meint das bestimmt nicht böse. Guck mal, ich kenne es überhaupt nicht, wie es ist, einen Vater zu haben. Du hast das Glück, dass ihr noch Kontakt habt. Es wäre doch schade, wenn er so wenig von dir mitbekommt. Ich würde mich wirklich freuen, deine andere Familie kennenzulernen. Und ich kann sie sicher davon überzeugen, dass du absolut kein schwarzes Schaf bist, sondern dir jetzt den Jackpot geangelt hast.” Die Worte von Wincent munterten Steffi wieder auf. Er hatte ja Recht. Sie konnte froh darüber sein, dass sie Ihren Vater hatte und er trotz der Trennung für sie da war. Sie bekam Wincent über sogar ein schlechtes Gewissen, dass sie ihn noch nicht in den anderen Teil ihrer Familie gelassen hatte. “Du bist mir so ein Jackpot.” lachte sie. “Okay, ich schreibe ihm mal. Vielleicht können wir auf dem Rückweg von unserem Trip für nen Tag vorbeifahren?” “Ja perfekt, das machen wir so. Wo wollen wir denn überhaupt überall hin?” Die beiden überlegten schonmal, wo sie ungefähr langfahren könnten und was sie sehen wollten. Dann machten sie sich zurück auf den Weg zu Steffis Eltern. Sie war ein bisschen nervös, denn sie hatte beschlossen ihnen direkt vom Wohnungsplan zu erzählen. Vielleicht würden sie dann endlich verstehen, dass es ihnen ernst war. Wobei sie sich auch vorstellen konnte, dass ihre Mama das wieder zu überstürzt finden würde.
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Auf Halbem Weg - Steffi (1)
FanficTeil 1 Steffi und Wincent Steffi (28) gerät durch einen dummen Streich in Kontakt mit Wincent Weiss, den sie bis dahin so gut wie kaum kannte. Wie kam es zu diesem Treffen und wie wird es ausgehen?
